Kultur
25.06.2018

Belgier Slagmuylder leitet die Wiener Festwochen 2019

Spezialist für Gegenwartstheater, zeitgenössische Kunst und visuelle Theorie. Ausschreibung folgt.

Der Belgier Christophe Slagmuylder wird die Wiener Festwochen 2019 als Nachfolger von Tomas Zierhofer-Kin leiten. Diese Entscheidung - "profil" berichtete zuerst - wird Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler am Mittwoch bekannt geben. Dies wurde inzwischen gegenüber dem KURIER bestätigt. Und auch, dass diese Wahl nur interimistisch ist - es soll ausgeschrieben werden.

Slagmuylder, 51, ist Spezialist für Gegenwartstheater, zeitgenössische Kunst und visuelle Theorie. Er leitet seit 2007 das "Kunstenfestivaldesarts", sein Vertrag dort endet 2019. Ende Februar war Slagmuylder zum Programmdirektor des Festivals Theater der Welt designiert worden, das alle drei Jahre und das nächste Mal im Mai 2020 in Düsseldorf stattfindet.

Biografie

Mit Christophe Slagmuylder hat Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) einen echten Europäer für die Spitze der Wiener Festwochen 2019 gewonnen. Der 1967 in Brüssel geborene Belgier soll zunächst interimistisch auf den zurückgetretenen Festivalchef Tomas Zierhofer-Kin folgen. Dies bestätigte man gegenüber der APA. Eine Ausschreibung für die Festival-Ausgaben ab 2020 ist alsbald geplant.

Slagmuylder nahm sein Studium in seiner Heimatstadt auf, wo er an der Universite libre de Bruxelles sich der Kunstgeschichte widmete, bevor er selbst unter anderem an der Ecole nationale superieure d'audiovisuel (ENSAV) La Cambre in Brüssel als Lehrender begann. Ab Mitte der 1990er-Jahre war er an der Produktion und Förderung verschiedener Tanzkompanien beteiligt und unter anderem Assistent der künstlerischen Leitung am Theatre Les Tanneurs in seiner Heimatstadt.

Die große Weichenstellung für Slagmuylder folgte dann 2002, als er dem Programmteam des Kunstenfestivaldesarts, einem Festival für zeitgenössische Kunst, in der belgischen Hauptstadt beitrat. Dort machte er sich schnell einen Namen als einer der umtriebigsten Festivalkuratoren im europäischen Raum und stieg 2007 als Nachfolger von Frie Leysen zum Künstlerischen Leiter des Kunstenfestivaldesarts auf, einer Position, die der 2017 mit dem Titel Chevalier des Arts et des Lettres der Französischen Republik Geehrte bis heute innehat.

Nicht nur beim Kunstenfestivaldesarts folgte Slagmuylder Frie Leysen nach, ist die Belgierin doch als Kurzzeit-Schauspielchefin von den Wiener Festwochen 2014 in Erinnerung. Und auch beim Festival „Theater der Welt“ trat er gewissermaßen in die Fußstapfen seiner Landsfrau. Dessen Edition hatte seine Landsfrau 2010 kuratiert, und Slagmuylder war im Vorjahr zum Co-Festivalchef für die Ausgabe 2020 vom Hauptveranstalter, dem Düsseldorfer Schauspielhaus, präsentiert worden.

Dabei steht Slagmuylder in seinem Selbstverständnis für die Verbindung von Avantgarde und Publikumswirksamkeit. „Zeitgenössisches Theater kann jeden erreichen, es ist nichts Elitäres“, zeigte er sich im Vorjahr im Interview mit der „Rheinischen Post“ überzeugt: „Man muss die Leute nur neugierig machen, sie spüren lassen, dass sie willkommen und gemeint sind. Dann sind sie auch bereit, Unbekanntes anzusehen und irritierende Erfahrungen zu machen.“ Das sei dementsprechend keine Entweder-Oder-Entscheidung, beschied er gegenüber der „Westdeutschen Zeitung“: „Es gibt keine Avantgarde ohne das Klassische und umgekehrt. Beide Elemente ergeben zusammen einen großen und starken Magneten.“