Die kleinliche Wehrdienst-Debatte
Als Klaudia Tanner vor wenigen Tagen erklärt hat, sie wolle das Gehalt von Zivildienern vorerst nicht an das der Grundwehrdiener anpassen, da unkten nicht wenige: Die Verteidigungsministerin halte das eine offenbar für weitaus wichtiger als das andere – Wertschätzung drückt sich ja sehr oft in finanzieller Zuwendung aus.
Tatsächlich wurde die Debatte um die Verlängerung der Wehrpflicht über weite Strecken sehr seltsam geführt. Vor allem die Frage, ob Wehr- und Zivildienst gleich wertvoll sind, hat sich als kaum zielführend erwiesen. Warum?
Niemand, der halbwegs bei Trost ist, wird die Arbeit von „Zivis“ kleinreden. In vielen Bereichen, insbesondere im Rettungs- und Pflegebereich, funktioniert unsere Gesellschaft nicht ohne die helfenden Hände von Zivildienern.
Es ist allerdings ein trauriges Faktum, dass die demokratische Gesellschaft, wie wir sie heute kennen und hoffentlich wertschätzen, auf einem Fundament steht, in das groß ein Wort eingemeißelt ist: „Sicherheit“.
Wer in den vergangenen Jahren Experten wie Franz-Stefan Gady auch nur ein wenig zugehört hat, weiß: Die Verlängerung der Wehrpflicht ist kein nassforscher Tagtraum kriegslüsterner Generalstäbler, nein: Sie ist das Ergebnis nüchterner Analysen und vor allem dem Faktum geschuldet, dass die Welt 2026 unberechenbarer und unsicherer geworden ist. In dieser veränderten Lage soll die längere Wehrpflicht bzw. militärische Ausbildung mehrere Ziele erreichen: Sie ist Garantie nach innen, also für die Soldaten selbst, dass sie für den Worst Case bestmöglich ausgebildet sind. Nach außen, an die Adresse von internationalen Beobachtern - ob uns wohlgesonnen oder nicht – ist sie das Signal: Österreichs Bevölkerung würde seine Art zu leben, also Demokratie, Rechtsstaat, Meinungsfreiheit etc. nicht einfach aufgeben.
Dieser Aspekt ist in der Debatte oft zu kurz gekommen, und so hart es ist: In gewisser Weise ist der Wehrdienst tatsächlich wichtiger geworden als der Wehr–Ersatzdienst. Denn das eine ermöglicht das andere erst. Nur eine Gesellschaft, die die österreichische bzw. europäische Art zu leben robust verteidigen will, kann und wird Institutionen betreiben, in denen Zivildiener ihren unverzichtbaren Beitrag für eben diese Gesellschaft leisten.
So gesehen werden die nächsten Tage spannend. Denn sowohl die Grünen als auch die FPÖ haben erklärt, sie wollen der Wehr- und Zivildienstreform bzw. -verlängerung nicht zustimmen. Die Grünen, weil sie mehr Geld für die Zivis fordern. Die FPÖ, weil ihr alles nicht weit genug geht. Angesichts der Tatsache, dass es bei der Wehrdienst-Verlängerung auch um den Fortbestand unseres „Way of life“ geht, wirkt das seltsam, um nicht zu sagen: kleinlich.
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