Black and white chess pieces on silver background

© Getty Images / gbrundin/Istockphoto

Leitartikel
12/02/2020

Der Weihnachts-Lockdown ist wie ein 3-dimensionales Corona-Schach

Die Komplexität aller Maßnahmen erinnert an das königliche Spiel, bei dem man es niemandem recht machen kann. Und bei dem man viele Züge voraus denken muss.

von Richard Grasl

Wäre nicht Weihnachten und das Geschäft damit, hätte die Regierung die Lockdown-Maßnahmen nicht lockern dürfen – und es vermutlich auch nicht getan. Die Infektionszahlen sind viel zu hoch. In den Intensivstationen kratzen wir weiter an der Überlastungsgrenze. Krankenhäuser und Ärzte haben aufgerufen, jetzt nicht von der Bremse zu steigen.

Dass sie es trotzdem tut, ist dennoch verständlich.

Die Betreuungssituation schulpflichtiger Kinder bringt Eltern an die Belastungsgrenze. Den Handel komplett in den Online-Bereich zu verlagern, hätte die Wirtschaft weiter ruiniert. Und den Österreichern Weihnachten und Silvester zu verbieten, hätte die Stimmung endgültig zunichte gemacht. Stellen Sie sich die Handyvideos vor, in denen Polizisten Familien beim Stille-Nacht-Singen auseinandertreiben und die Oma des Hauses verweisen. Also lieber legalisieren und auf Vernunft hoffen, mit betagten Menschen vorsichtig zu feiern.

Durch eine neue Netflix-Serie („Das Damengambit“) ist das Schachspiel in aller Munde. Der Kampf gegen Corona ist für die Politik wohl noch komplizierter, es ist dreidimensionales Schach. Jeder Zug nach vorne schwächt eine andere Linie. Man muss viele Züge voraus denken und ahnen, was der Gegner (das Virus) tut. Die Regierung muss darauf achten, einzelne Wirtschaftsbereiche nicht zu benachteiligen. Die regionalen Interessen müssen berücksichtig werden. In Tirol ist das Skifahren wichtig, in den Städten die Museen; für die einen das Wohl der Kinder, für die anderen der Schutz der Altersheime. Manche wollen in den sonnigen Süden und verstehen die Debatte um Gottesdienste nicht. Andere brauchen zu Weihnachten die Stille und können große Feste nicht nachvollziehen.

Anders gesagt: Eigentlich kann man es nie allen und eigentlich niemandem recht machen. Nach jeder Verkündung von Maßnahmen gibt es sofort erste Proteste.

Einen Punkt kann man jedenfalls positiv erwähnen: Die neuen Regeln wurde nicht erst 24 Stunden vor Inkrafttreten verkündet. Für einzelne Branchen wie Gasthäuser und Hotels gibt es konkrete Öffnungstage im Jänner. Sie können sich darauf vorbereiten. Negativ ist, dass jetzt klar wird, dass der Lockdown viel zu spät kam. Eine Senkung der Zahlen auf ein Niveau, das ein schöneres Weihnachten gebracht hätte, war in drei Wochen nicht mehr möglich.

Klar ist: Liberalere Regeln hätten soft dazu geführt, dass das Virus unerbittlich zurückkehrt und uns in einem dritten Lockdown wieder in Schach halten. Wenn wir  – umgekehrt – alles geschlossen lassen, setzen irgendwann die explodierenden Staatsschulden die nächste Generation Matt.

Ein Schachspiel gewinnt man nur, wenn alle Figuren gemeinsam ein Ziel haben und perfekt zusammenspielen.  Doch derzeit stehen sich die handelnden „Figuren" für einen kleinen eigenen Vorteil viel zu oft gegenseitig im Weg.

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