Meinung
26.07.2017

Der Ort, wo sich Gold in Blech verwandelt

Die Geschwindigkeit, mit der aus neuen Polit-Stars abgehalfterte Verlierer werden, ist beängstigend.

Die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der sich Politiker abnützen, ist für die Demokratie nicht unproblematisch.

Dr. Martina Salomon | über Aufstieg und Fall von Newcomern.

Wenn es um neue Politiker geht, reagiert die (mediale) Öffentlichkeit im Grunde wie ein Kleinkind: Jö super, ab jetzt ist das mein Lieblingsspielzeug. Schau, wie es sich glitzernd abhebt. Und wirken alle anderen im Vergleich jetzt nicht tatsächlich grau, fad, abgenutzt? Aber bald kommen die ersten Kratzer im Lack, und das neue Spielzeug enttäuscht mit unerwarteten Fehlfunktionen. Frust und Wut machen sich breit, und das gerade noch so hochgelobte Ding landet in der Ecke im Haufen anderer überwuzelter Dinge. War ja doch nichts Neues. Polemisch übertrieben? Ja, aber nur ein wenig.

Erinnern Sie sich noch, wie man den Aufdecker Hans-Peter Martin feierte und den erfolgreichen Unternehmer Frank Stronach? Sie weckten hohe Erwartungen – und wollten die Politik ganz anders anlegen. Die Liste Martin erreichte 2004 knapp 14 und fünf Jahre später sogar 17 Prozent der Stimmen im EU-Parlament, bevor sie verglühte (was sogar eine erstaunlich lange Lebenszeit für so eine unkonventionelle Partei war).

Das Team Stronach landete 2013 mit 5,7 Prozent im Nationalrat, bewies aber, dass auch ein Millionär kaum dauerhaft eine neue politische Bewegung aus dem Boden stampfen kann. Selbst der Baumeister aus der Vorstadt, Richard Lugner, wurde bei einer Präsidentenwahl von zehn Prozent angekreuzt. Irmgard Griss ist mittlerweile auch nicht mehr so neo, doch im Vorjahr bei der Hofburg-Wahl ließ sie die rot-schwarze Konkurrenz uralt aussehen.

Sehnsucht nach Neuem

Den Newcomern aus den etablierten politischen Parteien ergeht es nicht besser. Wie hoch waren die Erwartungen an "Django" nach dem blassen, äh, wie hieß er noch gleich ( Michael Spindelegger)? Jetzt wirkt es, als wäre Reinhold Mitterlehner schon Jahre weg von der politischen Bühne, kein Mensch interessiert sich für seine weitere Zukunft. Und wie erleichtert waren alle, als Werner Faymann vom lässigen Slimfit-Kanzler Christian Kern abgelöst wurde. Man erhoffte einen Neustart der Koalition, hing an seinen Lippen bei der Antrittsrede im Parlament. Hätte sein "Plan A" gleich in einen Wahlkampf gemündet, wäre ihm ein fulminanter Sieg sicher gewesen. Doch inzwischen ist Sebastian Kurz der Überflieger. Der stellt nicht nur alle anderen in den Schatten, sondern achtet auch penibel darauf, sich nicht in die Niederungen des politischen Infights zu begeben, um ja keine Kratzer abzubekommen. Selbst den Alt-Haudegen Peter Pilz, einen der Dienstältesten im Parlament, umgibt für ein paar Tage die wilde Frische des Neuen.

Natürlich ist es gut, dass die Parteienlandschaft schon lange nicht mehr einzementiert ist. Aber die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der sich Politiker abnützen, ist für die Demokratie auch nicht ganz unproblematisch. Wir haben stets Sehnsucht nach neuen Darstellern, ernten oft genug nur Selbstdarsteller und lassen diese dann wie Sprechpuppen bald wieder in der Spielkiste verschwinden.

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