© REUTERS/GUGLIELMO MANGIAPANE

Kommentar
07/14/2020

Der letzte Segway: Endlich ist es vorbei

Morgen wird die Produktion des elektrischen Einpersonen-Fahrzeugs weltweit eingestellt. Es ist das Ende einer Misserfolgsgeschichte.

von Johannes Arends

Ach, der Segway. Irgendwie hat er immer sein wollen, was er nie war: sicher, praktisch, cool, weit verbreitet. Doch nun, knapp 19 Jahre nach seiner Markteinführung, wird die Produktion des klobigen Touristenschlittens endgültig eingestellt - das hat der aktuelle Eigentümer, der chinesische Ninebot-Konzern, schon letztes Monat angekündigt. Nur 140.000 Exemplare waren in dieser langen Zeit verkauft worden.

Das liegt auch am stolzen Preis: Hierzulande kostete so ein Gerät mehrere Tausend Euro, zudem hält der ebenfalls nicht günstige Akku nur kümmerliche drei Jahre. Ein teurer Spaß dafür, dass man im schlechtesten Fall nie damit fährt und im besten Fall aussieht wie Kaufhaus-Cop Kevin James. Infolgedessen war der Segway vor allem dafür berüchtigt, sich vermehrt unter den Füßen mittel-fahrbegabter Reisegruppen in europäischen Stadtzentren aufzuhalten - bei deren Anblick wohl kaum jemand in große Kauflust verfiel.

Dabei hatte einst alles so gut geklungen: Als der US-Amerikanische Erfinder Dean Kamen nämlich 2001 den ersten Prototypen des Segway Personal Transporters als "Alltagsfahrzeug für Jedermann" präsentierte, waren bereits Investoren allererster Güteklasse mit an Bord - darunter Amazon-Chef Jeff Bezos sowie Ex-Apple-Boss Steve Jobs. Die rührten auch kräftig die Werbetrommel.

Der Segway sollte intuitiv zu bedienen sein - das einfache Vor- und Zurücklehnen reicht für Beschleunigung und Bremsen aus - und langfristig von Autos vollgestopfte Städte entlasten. Der 2011 verstorbene Jobs verkündete damals sogar, dem Fahrzeug werde "die Zukunft des Verkehrs in den Städten" gehören und sagte Milliardenumsätze voraus. Nunja, auch ein Genie liegt mal daneben.

Eigentümer starb bei Segway-Unfall

Obwohl mehrere Sicherheitsgutachten den Segway im Straßenverkehr sogar als sicherer als das Fahrrad auswiesen, zeichnete eine Reihe prominenter Stürze in der Öffentlichkeit ein gegenteiliges Bild. So fiel zum Beispiel US-Präsident George Bush 2003 medienwirksam vom Zweirad, 2008 legte ein Kameramann auf der Laufbahn der Olympischen Sommerspiele in Peking Usain Bolt nach dessen Goldmedaillensieg:

Und, man muss es leider sagen: Dass der zwischenzeitliche Firmenchef James Heselden im Jahre 2010, kurz nachdem er das Unternehmen gekauft hatte, mit seinem eigenen Produkt in England von einer Klippe in den Tod stürzte, hat auch nicht unbedingt für positive Schlagzeilen gesorgt.

Man hat ihm lange genug Zeit gegeben, doch es ist nur folgerichtig, dass der Segway nun ein Ende findet. Es wird ihn kaum jemand vermissen. Ein Nachfolgemodell ist nicht geplant. Zum Glück.

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