© KURIER/Jeff Mangione

Gastkommentar
10/29/2020

Der Fake-News-Superspreader

Donald Trump und die Wahrheit – das geht sich selten aus

US-Präsident Donald Trump ist ein Superspreader, zumindest, was das Verbreiten von Fake News anlangt. In einer Studie der Cornell University wurden 38 Millionen Artikel in englischsprachigen Medien über die Covid-19-Pandemie analysiert. Ergebnis: In der Flut von Falschinformationen und Verschwörungstheorien berief man sich in 37,9 Prozent der Fälle auf den US-Präsidenten als Quelle. Die Wissenschafter kamen zum Schluss, dass Trump vermutlich der größte Treiber der „infodemischen“ Covid-19-Fehlinformation war.

Fake News sind weder Trumps Erfindung, noch ein Phänomen der Neuzeit. Mit der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg im Jahr 1450 wurde die erste mediale Form erfunden, mit der Fake News verbreitet werden konnten. Im Ersten Weltkrieg wurden Fake News vielfältig genutzt, etwa um Stimmung gegen „den Feind“ zu machen. So brachten britische Medien Schauergeschichten über die „German Blood Lust“ in Umlauf. Darin hieß es, dass deutsche Soldaten Müttern ihre Babys entreißen und diesen die Beine abtrennen würden. Mit solchen Falschmeldungen versuchte man, die Bevölkerung gegen andere Länder oder Menschengruppen aufzuhetzen. Eine Methode, die heute brisanter denn je ist.

Propaganda-Präsident

Kaum ein anderer weiß diese Art von Propaganda so gut für sich zu nutzen wie Donald Trump. Der US-Präsident praktiziert dies auf besonders perfide Weise, indem er die Wahrheit grundsätzlich infrage stellt. Wenn Medien etwas berichten, das ihm missfällt, stempelt er die Berichterstattung – meist über Twitter – kategorisch als „Fake News“ ab. Dieses Vorgehen soll die Bevölkerung verunsichern. Trump will erreichen, dass möglichst viele an der Berichterstattung seriöser Qualitätsmedien, von CNN bis New York Times, zweifeln.

Die Bürger wissen nicht mehr, welchen Quellen sie vertrauen können. In der Folge erkundigen sie sich in der eigenen Filterblase und checken, was Freunde, etwa auf Facebook, denken, schreiben und liken.

Die Digitalisierung führte auch zu einer Demokratisierung der Desinformation. Jeder kann heute – dank verschiedenster Bildbearbeitungsprogramme – digitale Fotos retuschieren und manipulieren. Jeder kann – über Google-Suche oder mithilfe eines Video-Tutorials – ein Video-Deepfake herstellen und Situationen konstruieren, die so nie passiert sind. Früher war dies Experten vorbehalten, die über Spezialwissen verfügten. Und jeder, der ein Smartphone besitzt, kann heute jederzeit Fake News verbreiten. Dank sozialer Medien kann so jeder zum Fake-News-Spreader nach dem Vorbild Trumps werden.

Gerald Reischl ist Journalist, Technologieexperte und Buchautor.

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