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Leitartikel
08/31/2021

Der Corona-Plan kommt zu spät

Wolfgang Mückstein will endlich einen konkreten Plan vorlegen, wie man im Herbst mit Corona umgehen wird. Das ist eindeutig zu spät.

von Martin Gebhart

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Gelassenheit unsere Bundesregierung mit der derzeitigen Corona-Entwicklung umgeht. Besser gesagt: Es ist beunruhigend. Die Zahl der Neuinfektionen steigt, die Impfquote stagniert auf einem viel zu niedrigen Niveau und mit Ende August waren bereits 130 Intensivbetten belegt. Ein Wert, der im Vorjahr erst Mitte Oktober erreicht worden war, zwei Wochen vor dem zweiten Lockdown.

Mittlerweile hat Virologin Dorothee von Laer jenes Wort wieder in den Mund genommen, das niemand mehr hören will. Sie spricht angesichts der Entwicklung hin zu der vierten Corona-Welle von einem neuerlichen Lockdown. In der Bundesregierung fand diese Warnung bislang keinen Widerhall. Im Gegenteil. Dort ist man eher der Meinung, dass so ein Schritt nicht mehr notwendig sein wird. Was nicht dazu gesagt wird: Mit welchen konkreten Maßnahmen will man verhindern, dass die Rollbalken nicht wieder heruntergelassen werden müssen? Was ist die Herbststrategie? Den Status quo der nur noch wenig eingeschränkten Freiheit einfach beizubehalten und zu hoffen, dass eine vierte Welle auch so vorbeigeht?

Wenn ja, dann sollte man es klar sagen, dann kann sich jeder darauf einstellen. Wenn nein, dann muss von der Regierung endlich auf den Tisch gelegt werden, wie man im Herbst und im Winter gut über die Runden kommen will. Der momentane Weg der unklaren Ansagen und Andeutungen verunsichert die Menschen. Und nach eineinhalb Jahren Pandemie ist es unerträglich, erneut im Corona-Nebel allein gelassen zu werden. Das drückt letztendlich auf die Stimmung im Land.

Dass Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein plötzlich ankündigt, einen konkreten Plan für den Herbst vorzulegen, kann ein Zeichen sein, dass diese Botschaft aus der Bevölkerung nun doch in der Regierung angekommen ist. Er ist allerdings viel zu spät dran. Dieser Herbstplan hätte spätestens vor einem Monat stehen müssen. In Zeiten einer Pandemie können weder die Urlaubszeit noch die bevorstehende Oberösterreichwahl als Gründe für das Nichtstun herangezogen werden. Nicht einmal in bloß internen Überlegungen.

Es gibt so viele offene Fragen. Wie geht man mit Ungeimpften um, wenn trotz aller Anreize die Quote dennoch nicht steigt? Muss sich die Hotellerie auf die 1-G-Regel einstellen, wodurch dann nur noch Geimpfte beherbergt werden dürfen? Wie lange gibt es noch das Angebot von Gratistests? Wie rasch kann der 3. Stich durchgeführt werden? Welche Entwicklung muss verhindert werden, damit es keinen Lockdown mehr gibt? Die Liste ist noch viel länger, die Antworten präsentiert der Minister hoffentlich bald den Landeshauptleuten und vor allem der Bevölkerung. Die sehnt sich schon seit Wochen danach.

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