Meinung
20.07.2017

Das ist peinlich – der FPÖ und anderen nicht

Ein FPÖ-Abgeordneter kommt mit uralten Formen des Antisemitismus. Und alle schauen betreten weg.

Bei den Besuchen in Mauthausen soll sich gleich eine Delegation der FPÖ anschließen.

Dr. Helmut Brandstätter | über Antisemitismus.

Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, hat in einem KURIER-Interview vorgeschlagen, dass alle Flüchtlinge einen Besuch in Mauthausen absolvieren sollten. "Spracherwerb ist wichtig, auch Unterricht über unsere Werte, Ethik und Humanität im Sinne der Aufklärung. Und in Mauthausen kann man sehen, wohin Antisemitismus führt." Deutsch hat recht. Für Zuwanderer aus dem arabischen Raum sind Juden oft nur Besatzer, viele haben kein oder nur geringes Wissen über den Holocaust. Wie die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden begonnen hat, sollten sie auch lernen. Aber nicht nur sie.

Denn bei den Besuchen in Mauthausen und anderen Vernichtungslagern soll sich gleich eine Delegation der FPÖ anschließen. Bisher kriegt diese Partei die antisemitischen Reflexe nicht aus ihrem Innersten raus, trotz der Auftritte Straches in Israel und der Bemühungen von Johann Gudenus für jüdische Friedhöfe. Oder sind das nur Versuche, das Wesen der FPÖ zu verbergen?

In Deutschland müsste ein Mann wie Johannes Hübner sogar in der AfD mit seinem Ausschluss rechnen. Wer vor obskuren Rechtsradikalen blöde Witze und dumme Anspielungen macht, die nur den Hass auf Juden mobilisieren sollen, ist jedenfalls kein Ansprechpartner für Christdemokraten oder Sozialdemokraten. In Österreich hingegen gilt Hübner als FPÖ-Kandidat für das Amt des Justizministers. Dass die Veranstaltung ein Jahr her ist, entschuldigt natürlich gar nichts (siehe hier).

Herr Bundeskanzler, Herr Außenminister, wann sagen Sie endlich, dass Sie mit Hübner und anderen Antisemiten keine Regierungsgespräche führen werden? Und Herr Bundespräsident, ist es nett bei den Festspielen? Man muss sich wieder einmal schämen für Österreich.