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Leitartikel
04/19/2021

Das dreckige Dutzend: Die Super League als Foul an den Fans

Zwölf europäische Klubs wollen die Superliga gründen. Ein grobes Foul der endlosen Gier an den Menschen, die den Fußball lieben.

von Bernhard Hanisch

Es passt genau in das Bild des so blutarm gewordenen, von jeder Emotion befreiten Fußballs. Das Virus hat die Stadiontribünen leer gefegt, die Menschlichkeit gestohlen und doch nur schonungslos offengelegt, worum es vorrangig geht in der einst von sportlicher Gewinnsucht geleiteten Leidenschaft.

Sie haben ihn im Streben nach totaler Vermarktung tatsächlich aus der Schublade gezogen, ihren Plan der hundertprozentigen Ausbeutung des Profifußballs. Zwölf Klubs, die völlig vergessen haben, wer sie eigentlich ins Leben gerufen, wer sie groß gemacht, wer sie vor langer Zeit wegen ihrer unterschiedlichen Philosophien und spielerischen Eigenheiten lieben gelernt hat.

FC Liverpool, Manchester United, FC Barcelona oder wie die profitgierigen Machtapparate jetzt heißen mögen, sie wollen ab jetzt ihre ohnehin schon überbezahlten, wohl gestylten, von jeder Meinungsfreiheit abgeschnittenen Marionetten in einer Superliga kicken lassen.

Die Inzucht der brutalsten Form, die der Kapitalismus in dieser Branche zu bieten hat. Und der wohl auch der Europäische Verband (UEFA) nie entschieden entgegengetreten ist. Die abgehobene Elite, der es völlig egal zu sein scheint, dass hinter ihr die Sintflut passiert. In Kauf genommen wird nicht nur die Scheidung von der UEFA, sondern die Zerstäubung einer Sportart, die damit keine durchgängige Organisation, also keine sportliche Logik mehr hat.

Was das bringen soll?

Dass sich auf dem längst noch nicht ausgereizten asiatischen Markt die Fußball-Konsumenten vermehren, um sich in den kommenden Jahren am ständigen Kräftemessen der selbst ernannten Eliteklubs bis zum Erbrechen satt zu sehen?

Dass zwei künftige Promi-Ligen, die in ihrer sinnlosen Konkurrenz der Exklusivität den eigentlichen Zweck des Wettbewerbs vergessen und sich im Buhlen um die größere Mächtigkeit gegenseitig ins Abseits schießen?

Dass die Gewinnmaximierung eines US-Investors, der vorerst 3,5 Milliarden Euro in ein Konstrukt pumpt, mit der die absolute Mehrheit der europäischen Fußballfans sowieso nichts anzufangen weiß?

Dass die Meisterschaften in den europäischen Ländern zu bedeutungslosen Randerscheinungen verkümmern.

Widerstand ist jetzt gefordert.

Erste Boykottaufrufe sind unüberhörbar. Die Masse der Menschen ist zu groß, die es sich nicht mehr gefallen lassen wird, dass ihre Leidenschaft und Lebendigkeit im Sololauf der Geschäftemacher zu enden droht.

Und es gibt dafür nur eine Konsequenz, die jedem groben Foul regelgerecht zu folgen hat: Ausschluss.

Feldverweis für eine Idee, die sämtliche Werte mit Füßen tritt.

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