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Leitartikel
02/20/2021

Corona und Ethik: Achtung, vermintes Gelände!

Rund um die Pandemie gibt es erstaunlich viele ungelöste oder nur unzureichend beantwortete ethische Fragen

von Martina Salomon

In den vergangenen zwölf Corona-Monaten haben Mathematiker und Virologen beim Erklären der Welt dominiert – aber im Kern ging es oft um ethische Probleme. Vor allem um die Abwägung Gesundheit gegen Freiheit und Wirtschaft. Um keine Überforderung der Intensivmedizin und damit vermeidbare Todesfälle zu riskieren, wurden und werden (in Österreich sogar überdurchschnittlich große) Wirtschaftsschäden und Massenarbeitslosigkeit in Kauf genommen. Die Frage, ob das nicht unverhältnismäßig war, ist so berechtigt wie leider erst im Rückblick beantwortbar. So gut wie alle westeuropäischen Länder (plus USA) taumeln von einem Lockdown zum nächsten. Was dabei schwindet? Nicht das Virus, dafür aber das Vertrauen in die Politik.

Mit ziemlicher Sicherheit falsch entschieden wurde die Frage Datenschutz gegen Freiheit. Die vernünftige „Stopp Corona“-App wurde öffentlich verteufelt und zerredet, bis die Politik sie wie eine heiße Kartoffel fallen ließ.

Hingegen gar nicht debattiert wurde (zumindest in Österreich) eine viel heiklere Frage: Wer wird als Erstes geimpft? Begonnen wurde – neben dem medizinischen Personal – mit Altenheimbewohnern. Das war wohl richtig, denn dort wütete das Virus verheerend. Andererseits hätte es natürlich auch Argumente gegeben, die im Berufsleben Stehenden zuerst dranzunehmen und dafür die Heime professioneller zu schützen. Da ist einiges massiv schiefgelaufen.

Wenn nun (endlich) der Durchimpfungsgrad der Bevölkerung bei, sagen wir, 40 Prozent liegt, wird man darüber reden müssen, ob dies mehr Freiheiten nach sich zieht. Israel, weit voran mit den Impfungen, plant dafür einen grünen Ausweis. Kärntens Landeshauptmann schlug Ähnliches vor, allerdings geschichtsvergessen ausgerechnet ein gelbes Armband. Nach einem Proteststurm entschuldigte er sich.

Aber schon jetzt schreiben viele Staaten bei der Einreise bestimmte Impfungen vor (Gelbfieber, Typhus etc.). Künftige Reisen ohne Corona-Impfung? Schwer vorstellbar – weil das Unsicherheit für die Sitznachbarn im Flieger bedeutet sowie das Einschleppen neuer Virusmutationen in andere Länder. Die Frage werden daher andere für uns beantworten: Ja, es wird mehr Freiheiten für Geimpfte geben, ob das der deutschen Ethikkommission nun passt oder nicht.

Ein weiteres Tabu ist die Impfpflicht. Ausgerechnet das Pflegepersonal ist besonders impfskeptisch, das gefährdet Patientenleben. Eine Impfpflicht für Medizin und Pflege wäre eigentlich logisch, aber wer außer der Chefin der Bioethikkommission wagt das auszusprechen? Dazu bräuchte man intellektuelle und moralische Autorität, nicht nur in der Politik. Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft kümmern sich aber vorrangig um ihre engen Partikularinteressen. Apropos: Wo steckt eigentlich der Bundespräsident?

Martina Salomon
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