© REUTERS/DADO RUVIC

Leitartikel
12/16/2020

Corona-Impfung: Zweifeln ist auch nur ein Ausdruck des Privilegs

In manchen Ländern fehlen sogar Masernimpfungen – wir können uns leicht neue Corona-Vakzine leisten. Wogegen wehren wir uns?

von Philipp Wilhelmer

Das Licht am Ende des Tunnels könnte von Geisterfahrern stammen: Eine aktuelle Umfrage von Gallup zeigt, dass nur noch 49 Prozent bereit sind, sich gegen Corona impfen zu lassen. Es ist ein frustrierendes gesellschaftliches Phänomen: Hochspezialisierte Forscher entwickeln einen Impfstoff mit Vorgängen, die kein Normalsterblicher versteht, aber wenn der Tennislehrer der Cousine vierten Grades ein Video postet, in dem er anzweifelt, dass alles mit rechten Dingen zugehe, zweifeln wir vorsichtshalber mit ihm mit. Das Informationszeitalter schien auch schon glanzvoller.

Wenn es darum geht, Menschen zu überzeugen, dass Impfungen wirken, werden immer wieder die Masern als historisches Beispiel bemüht. Bevor der Impfstoff 1963 eingeführt wurde, starben pro Jahr 2,6 Millionen Menschen daran. Heute sterben weltweit nur noch 200.000 Menschen an den Folgen einer Masernerkrankung – sie leben in Ländern, in denen die zweiteiligen Impfungen nicht so durchgeführt werden können, wie es notwendig wäre. Kinder in Staaten wie der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo oder der Ukraine bekommen oft nur die erste Spritze der zweistufigen Impfung. Oder gar keine.

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass eine radikale Impfgegnerschaft aus diversen Onlineforen damit zu tun hat. Vielmehr sehnen sich die Menschen nach Schutz vor einer tödlichen Krankheit, die Umstände erlauben aber keine flächendeckende Auslieferung. Die Corona-Pandemie verschärft das grausamerweise: Laut WHO sind 94 Millionen Menschen in 26 Ländern gefährdet, ihre Masern-Impfungen zu verpassen. Diese Seuche könnte also wiederkehren.

Zurück in den reichen Westen: Noch vor Weihnachten wird die EU einen ersten Impfstoff gegen Covid-19 zulassen. Im Gegensatz zu Großbritannien hat man auf eine Notzulassung verzichtet und ist einen hürdenfreien, normalen Weg durch die Behörden gegangen. Das demonstriert nüchterne Handlungsfähigkeit und hat auch handfeste Konsequenzen für die Arzneimittelhersteller: Im Falle von Problemen sind sie voll haftbar. Es ist nicht davon auszugehen, dass börsennotierte Konzerne wie Pfizer ein Interesse daran haben, ein halbfertiges Vakzin durch diverse strenge Begutachtungsverfahren zu schummeln, um an unvorhergesehenen Folgen selbst pleite zu gehen. Von rechtlichen Konsequenzen fürs Management gar nicht zu reden.

Die medizinische Forschung ist hoch entwickelt – eine Ausbildung in dem Bereich verschlingt Jahre, und die Entwicklung neuer Arzneien oder von deren Grundlagen kostet Millionen und Abermillionen. Und das Beste ist: Reiche Länder wie Österreich müssen nur eines tun – bestellen.

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