über den Brexit
06/24/2016

Ein Wutausbruch mit schwerwiegenden Konsequenzen

Sachliche Argumente wurden da, wenn überhaupt, nur in stark verkürzter, und grauenhaft verfälschter Form in die Debatte gespült.

von Konrad Kramar

Das Europa, das die Briten verlassen, haben die Jungen nur negativ erlebt.

Mag. Konrad Kramar | über den Brexit

Es war jene explosive Mischung, wie sie in den letzten Jahren bei vielen Wahlen quer durch Europa – auch in Österreich – aufgekocht wird. Angst vor wachsender Zuwanderung, um den eigenen Arbeitsplatz, um die Chancen der Kinder und zuletzt vor dem sozialen Abstieg wird mit einer scheinbar simplen Lösung willkürlich verrührt, die all diese Probleme löst. Im Fall des britischen Referendums war das der Abschied von einem ohnehin immer ungeliebten und mit Skepsis betrachteten Europa: Der Brexit. Alleine und von der Brüsseler Bürokratie befreit könne man endlich – das Hauptargument der EU-Gegner erinnert fatal an jene aller europäischen Rechtspopulisten ­– endlich wieder die Kontrolle über die eigenen Grenzen zurückbekommen. Dass diese Zuwanderung und vor allem der weit schwieriger zu handhabende Teil aus nicht EU-Staaten erfolgt, also aus den ehemaligen britischen Kolonien Afrikas und Asiens, ging in der wachsenden Hitzigkeit der Debatte in den letzten Wochen unter. Sachliche Argumente wurden da, wenn überhaupt, nur in stark verkürzter, und grauenhaft verfälschter Form in die Debatte gespült. Es genügte, um der "Leave"-Kampagne für den EU-Austritt die positive Rolle in diesem Wahlkampf zuzuweisen.

Während die EU-Befürworter nur ständig vor den wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austrittes warnten, hatten sie eine scheinbar strahlende Zukunft vor Augen, auch wenn diese Zukunft verdächtig einer in Großbritannien so gerne glorifizierten Vergangenheit vom wehrhaften Inselvolk ähnelte, das die Welt per Segelschiff erobert. Das verfing bei den älteren Briten, die in Europa vorrangig die bösen Deutschen sahen, perfekt. Die jüngeren Generationen, vor allem jene, die wegen schlechter Ausbildung und wachsender Konkurrenz immer schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt haben, durften sich an dem Gedanken festhalten, dass ohne all die Ausländer endlich wieder genug Jobs mit guter Bezahlung auf sie warten würden. Das genügte, um bei einer Mehrheit alle Bedenken wegzuspülen. Denn das Europa, das sie jetzt verlassen, haben diese Bevölkerungsgruppen meist ohnehin nur negativ erlebt. Dass ihnen Brüssel gegen ihre schwindenden Zukunftschancen nicht helfen konnte, ließ sie vergessen, dass es ihre eigenen Regierungen waren, die dagegen als allererste kein Konzept hatten. Das werden diese Regierungen jetzt, außerhalb von Europa, wohl noch viel weniger finden.

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