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09/20/2012

Strache, die klare Nummer 1

Erst Facebook & Twitter, jetzt youtube. Der FPÖ-Chef weiß, wie man sich dem Volk nähert. Während die Regierungsparteien tief schlafen.

von Michael Hufnagl

Wäre ich ein Regierungspolitiker, würde ich alles daran setzen, dass mich H. C. Strache nicht noch älter aussehen lässt, als ich es ohnehin schon bin. Aber offenbar führt über Jahrzehnte aufgebaute Selbstgefälligkeit bei SPÖ und ÖVP zur trügerischen Gewissheit, einen Marktschreier niemals überschätzen zu dürfen. Und während im rotschwarzen Elfenbeinturm an parteipolitischen Überlebenstrategien getüftelt wird, nähert sich die FPÖ lockeren Eilschritts dem Volk. Und bei allem Widerstand, den man gegen den (schein-)programmatischen Auftritt der blauen Oppositionellen haben muss, eines sei ihnen attestiert: Das Engagement im Social-Media-Bereich lässt die Konkurrenz schlecht aussehen. Und zwar sehr schlecht.

H. C. Strache ist auf Facebook mit 120.000 "Freunden" einsamer Leader in der österreichischen Politik-Landschaft. Auf Twitter spielt er mit regelmäßigen Einträgen und Querverweisen den selben Trumpf, um sich speziell den jungen Menschen (Wählern) anzudienen. Und er tut das so professionell, dass es mich im Angesicht der gleichzeitigen Agonie von SPÖ und ÖVP gruselt. Hallo, Koalition! Merkt bei Ihnen, den Großmeistern der fahrlässigen Versäumnisse, niemand die vielen listigen Überholmanöver?

Der Propaganda-Motor

Gerade heute ist die FPÖ in die nächste Beschleunigungsphase eingetreten. Mit dem wöchentlichen FPÖ-TV-Magazin auf dem youtube-Kanal. Die logische Fortsetzung der "Österreich-zuerst-Videos", die mittlerweile, Achtung, mehr als 2,5 Millionen Aufrufe hatten. Hallo Koalition! Klingelt es da nicht? Schreit da niemand "Alarm"? Oder sind schon alle zu müde dafür?

Das rund zehnminütige Video ist nämlich für eine wachsende Zielgruppe einfach und gut strukturiert gemacht. Natürlich läuft dort der Propaganda-Motor auf längst vertrauten Touren (vom "katastrophalen Zustand der Medien" bis zum "ESM-Diktat" bzw. der "Zwangsenteignung Österreichs"). Natürlich wird auf der leidigen Opferrollen-Klaviatur der missachteten FPÖ geklimpert. Und natürlich wird auch in Zukunft inhaltlich nichts anderes passieren als das Umrühren der immer gleichen lauwarmen Suppe.

Aber wie dumpf oder falsch, untergriffig oder hetzerisch die Botschaften auch immer sein mögen - entscheidend ist: Sie werden gehört. Sie werden gesehen. Sie werden wahrgenommen.

Wo ist der Regierungskanal? Wo kann ich im Wechselspiel der sozialen Medien beispielsweise alle Für und Wider in der Heeresfrage, über die ich unbedingt abstimmen muss, sehen? Wo werde ich abseits von Homepage-Texten und Plakat-Slogans informiert? Wo kommen SPÖ und ÖVP im Namen der Republik Österreich aktiv auf mich zu?

Und wie bitter muss die Erkenntnis sein, dass eine Bundesregierung von einem H. C. Strache in der Frage moderner Kommunikation nicht etwas lernen kann, sondern sehr rasch etwas lernen muss?

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