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14.06.2017

Klaus-Jürgen Bauer rettet 150 Sätzchen

Blog Nr. 1179: Das Schicksal dieser Zeilen, so sie es je in die Printausgabe schaffen, ist so weit bekannt: sie enden im günstigsten Fall für das Weltklima im Altpapier. Vielleicht dient das Papier, auf dem sie gedruckt werden, zuvor noch kurzfristig anderen Zwecken: man kann es zum Ausstopfen von Schuhen verwenden, die vom Regen in die Traufe kamen. Oder ein Präsenterl eilig einpacken. Oder einen Leberkäs, fish and chips and so on. Auch deshalb, weil die Tageszeitung von heute schon morgen alt sein wird. Insofern ist das neue Buch des Architekten und Architekturhistorikers Klaus-Jürgen Bauer auch eine Hommage an uns Nachrichtenschlachter (copyright Franz Zauner).

Vom Zerlegen und Filetieren

Das Buch ist Bauer übrigens passiert: Am Wochenende, wenn er Zeit hat, filetiert er große und kleine Zeitungen. Indem er jene Artikel herausreißt, die ihm interessant erscheinen. Auf dem Weg von Eisenstadt (Wohnort und Büro) zu Terminen nach Wien, den er so gut wie immer mit der Eisenbahn zurücklegt, liest er all die gesammelten Artikel mit Interesse. Einzelne Sätzchen werden dann quasi in einem zweiten Arbeitsschritt den Artikeln entrissen und in das Notizbuch eingelegt. Arbeitsschritt drei: Sammeln der Sätzchen in zahllosen Kuverts. Arbeitsschritt vier: Gespräche mit der Grafikerin Evi Rabold. Arbeitsschritt fünf: in enger Zusammenarbeit mit Student_innen der Grafischen Lehranstalt wird für dieEdition Marlitein wunderschönes Buch gedruckt.

Schrauben für die Neuordnung

150Sätzchenhaben am Ende den Weg in das gleichnamige Buch des Architekten gefunden. Dem Leser bleibt es nun überlassen, ihre Anordnung beizubehalten, zu ändern oder sogar einzelne Sätzchen zu entfernen. Möglich macht dies ein liebevolles Detail am Rande: das schöne Papier wird durch zwei Schrauben zusammen gehalten. Wer sie öffnet, dem erlaubt der Autor auch eine Neuordnung. Für uns Nachrichtenschlachter, die in einem nicht unbedingt prosperierenden Gewerbe tätig sind, ist das Buch von Klaus-Jürgen Bauer grundsätzlich begrüßenswert. Wann und wo unsere Sätzchen gelesen werden, ist uns grundsätzlich egal. Hauptsache, sie werden gelesen.