Orientierungshilfe im Nachrichten-Dschungel: So sieht die deutschsprachige Website "Media Watch on Climate Change" aus.

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über eine neue Analyse-Plattform
06/13/2014

Marktforschung über Klima-Nachrichten "in Echtzeit"

Klima-Blog. Nicht in ihr untergehen, sondern die Informationsflut zum Thema Klimawandel sinnvoll nützen. Dabei soll die Analyse-Plattform "Media Watch on Climate Change" helfen.

von Stefan Hofer

Marktforschung über Klima-Nachrichten in Echtzeit

Mag. Stefan Hofer | über eine neue Analyse-Plattform

Von der rollenden Sauna 38A - in dem Wien-Touristen vor und hinter mir ob der Hitze ächzen - hinein in die klimatisierte MODUL University am Kahlenberg. Ein Temperatur-Schock. Passend zum folgenden Vortrag.

Arno Scharl, Experte für "Big Data", präsentierte vor der Fachpresse das Webportal "Media Watch on Climate Change", kurz MWCC. Im englischsprachigen Raum gibt es MWCC bereits seit 2005, nun wurde in Deutschland, Österreich und der Schweiz das deutschsprachige Pendant gelauncht. Im Sommer soll eine französische Version folgen.

Erklärungsbedarf

Wer sich neue wissenschaftliche Erkenntnisse ÜBER das Klima erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr gehe es "ausschließlich und ganz bewusst um die Kommunikation von Stakeholdern", klärt Scharl, Leiter des Instituts für Neue Medientechnologie an der Modul-Universität, auf. Soll heißen: Das Web-Portal ermöglicht es Interessierten, Diskussionen über Umweltthemen auf einen Blick zu erfassen. Wer bestimmt den Diskurs zum Klimawandel? Welche Themen dominieren wann und wo?

Nutzen kann die Website jedermann - kostenlos. Zusatz-Features stehen nur registrierten Usern zur Verfügung. Zielgruppe sind Meinungsmacher wie Forscher, NGOs, Unternehmen und Journalisten. Letzteren soll das Werkzeug helfen, im Nachrichten-Dschungel "möglichst schnell eine Story zu entdecken", preist Scharl das Medien- und Klimaportal als "Marktforschung in Echtzeit" an.

Wie funktioniert's?

Ein sogenannter Webcrawler durchforstet automatisch unzählige Websites; wird eine Information als klimabezogen und daher relevant erkannt, wird sie weitergeleitet. Der Artikel oder das Dokument wird "in Sätze und Worte zerschnitten", so Scharl, in der Folge eine automatische Zusammenfassung erzeugt, ins System eingespeist und visualisiert. Als Quelle dienen vorerst 500 deutschsprachige Online-Medien, die großen Social-Medien-Plattformen Facebook und Twitter und 3.500 Online-Portale von Städten und Gemeinden. Mehr sollen folgen.

Für den Anwender gilt: Die Suchbegriffe können nach Aktualität, Relevanz oder geografische Nähe sortiert werden. "Trend Charts" visualisieren Zeitabläufe; aus ihnen kann man ablesen, wie oft der Suchbegriff in einem bestimmten Zeitraum in den Medien erwähnt wurde.

Beispiel 1: Suche ich nach "Chlorhuhn" (Grafik oben), werden die Wörter "TTIP", "Lebensmittel" und " Kadenbach" in einer "Tag Cloud" größer dargestellt. Man darf vermuten, dass das geschmähte Hendl vor allem in Diskussionen über das Freihandelsabkommen TTIP erwähnt wird, und Karin Kadenbach, Europa-Abgeordnete der SPÖ, ebenjenes auf ihrer politischen Agenda hat.

Beispiel 2: Mellach. Habe ich wenig Vorwissen, hilft mir der "Keyword Graph" rasch weiter, dass es sich um ein Gas-Kombikraftwerk des Verbund nahe Graz in der Steiermark handelt. Die nächste Verzweigung führt mich schon zur "Schließung" (zum KURIER-Artikel "Das Ende der Gaskraftwerke").

Auch wenn bei der Präsentation der MWCC nicht alles auf Anhieb klappt - der Vorführeffekt, die Hitze, wer weiß: Als eine Ergänzung zur unumgänglichen Recherche könnte sich das Portal für daten-affine Wissenschaftsjournalisten durchaus etablieren.

Helga Kromp-Kolb, die als Gesicht der österreichischen Klimaforschung gilt und zur Präsentation des Portals gekommen war, sieht darin jedenfalls eine "zusätzliche Informationsquelle, einen weiteren Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft". "Dieses Werkzeug könnte helfen, ein bisschen klarer zu sehen."

Was man herausliest und für welche Zwecke man diesen Wissensvorsprung nützt, bleibt einem aber letztlich selbst überlassen.

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