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Leitartikel
03/10/2020

Alles wird gut

Die Maßnahmen der Regierung sind sehr problematisch: zu spät oder überzogen. Dennoch: Machen wir das Beste daraus

von Gert Korentschnig

Jetzt mal ganz nüchtern betrachtet: Ist das Coronavirus tatsächlich so gefährlich? Vielleicht sogar viel gefährlicher, als man uns naiven Bürgern bisher gesagt hat?

Dann kommen die Erlässe der Bundesregierung eindeutig zu spät.

Oder: Ist die Erkrankung unterm Strich nicht wesentlich schlimmer als die jährliche Influenza? Und müssen wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass uns das Virus in regelmäßigen Abständen besucht, also zum ungeliebten Mitbewohner wird?

Dann sind die am Dienstag beschlossenen Maßnahmen eindeutig überzogen. In beiden Fällen trifft zu: Mittelsuper reagiert.

Nun können wir einen mächtigen Politstreit daraus konstruieren, Opposition und Regierung aufeinanderhetzen, die Forderung nach Schließung der Coronaroute erheben beziehungsweise ebendiese ins Lächerliche ziehen. Wir können die Koalitionsfrage stellen und seitenweise analysieren, ob Türkis und Grün einander behindern und die blauen Bessermacher im Abseits vielleicht mit einer Pferdestaffel …

Oder wir können uns dieser Angelegenheit, die für viele Menschen bis vor Kurzem noch unvorstellbar gewesen wäre, konstruktiv, unzynisch, ausschließlich lösungsorientiert nähern. Schon nach kurzer Überlegung werden wir draufkommen: Das ist definitiv das G’scheiteste.

Zum ersten Mal seit Boomer-Gedenken (die Kriegsgeneration lassen wir jetzt wohlweislich aus) wird das öffentliche Leben in Österreich drastisch eingeschränkt. Keine Reisen nach Italien, am besten gar keine Reisen, am allerbesten überhaupt daheimbleiben im "Home sweet home" und Homeoffice betreiben, am allerallerbesten dorthin nicht allzu viele Menschen einladen und diese keinesfalls abbusseln. Theater, Opern- und Konzerthäuser werden zumindest bis Anfang April zugedreht, manche versuchen, den Betrieb mit eingeschränkter Ticketvergabe (weniger als 100!) aufrechtzuerhalten. Sportevents finden, falls überhaupt, bis auf Weiteres ohne Besucher statt (also nur im TV). An den Universitäten wird fürderhin nicht öffentlich gelehrt. In den Krankenhäusern sind Besucher vielleicht erwünscht, aber nicht mehr geduldet. Und Schulen bereiten sich auf Schließungen vor. Sollten sie gesperrt werden, hätte das sofort Auswirkungen auf das Familienleben, das Berufsleben, das Tag- und Nachtleben.

Das Schlimmste daran: All das kostet Geld, sehr viel Geld. Jeder Betrieb, der nicht produziert, jedes Theater, das nicht spielt – auch ein ökonomisches Desaster. Daher zurück zum konstruktiven Umgang: Befolgen wir, auch wenn wir es hassen, die Maßnahmen so gut wie möglich. Bringen wir es so rasch wie möglich hinter uns. Halten wir, wenn auch mit einiger Distanz, zusammen, seien wir im Notfall gemeinsam einsam. Komm, mach mit – und alles wird gut!