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Meinung
10/20/2021

3-G-Pflicht im Job: Unpraktikabel, unnötig, überschießend

Das Ziel, die Impfquote zu erhöhen, wird nicht erreicht. Stattdessen wird das Zusammenleben weiter künstlich erschwert.

von Anita Staudacher

Nach Italien und Slowenien führt also auch Österreich ab November ein strenges 3-G-Regime am Arbeitsplatz ein. Ein Impf-, Genesungs- oder Testnachweis als "Schutznetz gegen das Coronavirus" soll es sein, meint der Gesundheitsminister. Erklärtes Ziel ist es, die Impfquote zu erhöhen.

Dieses Ziel kann aber mit 3-G gar nicht erzwungen werden. So lange ein Covid-19-Test als Nachweis reicht, werden sich Impfskeptiker nicht umstimmen lassen. Dafür hätte es eine Impfpflicht geben müssen, die aber schon gar niemand haben möchte. Was also bleibt? Eine Nachweispflicht, die so weitreichend gilt, dass sie unpraktikabel, völlig überzogen und daher unnötig ist.

Unpraktikabel ist sie deshalb, weil die meisten Chefs nach eineinhalb Jahren Pandemie andere Sorgen haben, als ihre Mitarbeiter permanent zu überwachen und zu kontrollieren. Einer Umfrage von karriere.at zufolge ist es für 57 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer kein Thema, wie man mit nicht geimpftem Personal umgeht. Niemand wird einen wohlverdienten Mitarbeiter gleich kündigen, nur weil er den Testnachweis vergessen hat. 

Neue Probleme und Unruhe

Stattdessen werden neue Fragen und Probleme aufgeworfen, die es nur durch die 3-G-Pflicht gibt. Einige Beispiele gefällig: Wer ist jetzt genau ausgenommen? Wie und wann überhaupt kontrollieren? Was ist mit dem Außendienst? Was sagt der Datenschutz? Wann Homeoffice anordnen? Was ist jetzt mit den Masken? Kennt sich überhaupt noch jemand aus? Die Wirtschaft klagt immer über Bürokratie und Gesetzeswirrwarr. Jetzt bekommt sie reichlich Nachschub davon.

Eine 3-G-Pflicht für Berufsgruppen im Gesundheits- oder Pflegebereich sowie meinetwegen im Bildungssektor würde aus medizinischen Gründen wohl ausreichen. Sie auf alle Berufe mit Personenkontakten auszuweiten, ist überschießend und angesichts der Unruhe und zu befürchtenden Proteste wie in Italien kontraproduktiv. In den meisten Betrieben gibt es ohnehin bereits 3-G-Regeln, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einvernehmlich ausgemacht haben. Regeln hin oder her: Für ein "Schutznetz gegen das Coronavirus" ist letztlich jeder selbst verantwortlich.

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