Türkei soll Medien arbeiten lassen

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10/11/2021

Erdoğan im Wanken: Explodierende Preise heizen Unmut der Türken an

Die hohen Preise im Supermarkt werden Präsident Erdoğan immer mehr zum Verhängnis.

von Naz Kücüktekin

Wenn die wirtschaftliche Lage eines Landes schlecht ist, dauert es meist nicht lange, bis sich auch die politische verschlechtert. In der Türkei wird man derzeit Zeuge davon. Das Land kämpft mit einer der schlechtesten Lagen seit Langem. 

Allein im September sind die Verbraucherpreise in der Türkei  um 1,25 Prozent gestiegen. Die hohen Zahlen spiegeln sich auch im Alltag wider, gerade im Supermarkt sind die erhöhten Preise zu spüren. Unter dem Hashtag „fiyatlar“ (türkisch für Preise) posten Menschen auf Sozialen Medien Preisvergleiche. Der Preis für eine Packung mit 36 Eiern etwa ist binnen eines Jahres von 17 auf 34 Lira gestiegen. Ein Fünf-Liter-Kübel Joghurt hat sich im selben Zeitraum von 13 auf 20 Lira gesteigert. Während man 2016 fünf Liter Sonnenblumenöl für 27 Lira kaufen konnte, bekommt  man aktuell dafür gerade einen Liter. 

Eine große Rolle bei der Teuerung spielen die derzeitigen Energiepreise. Sowohl Öl als auch Gas werden an den Weltmärkten immer teurer. In Kombination mit der derzeit sehr schwachen türkischen Währung leidet das Land massiv darunter. Die türkische Lira ist auf einem Rekordtief.  Hinzu kommen die Folgen der Corona-Krise und der Lockdowns. Auch der Tourismus, der für die Türkei der wichtigste wirtschaftliche Träger ist, blieb  unter den Erwartungen. Gerade im Sommer hatte das Land mit Naturkatastrophen zu kämpfen. Waldbrände machten über Wochen hinweg die Ägäis zum Krisengebiet. In der Haupturlaubszeit mussten zahlreiche Hotels evakuiert werden. Mehr als  150.000 Hektar Land  wurden schätzungsweise  zerstört, acht Menschen kamen ums Leben.

 

Extreme Regenschauer und Überflutungen zerstörten kurz daraufhin Ortschaften an der Schwarzmeerküste im Norden des Landes. Und den „Meereschleim“, ein Ausscheidungsprodukt bestimmter Algen, der das Marmarameer zeitweise bedeckte, gab es auch noch. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wird  immer größer und zeigt sich nun auch  in sinkenden Umfragewerten.  Die Regierungspartei stürzt an die 30-Prozent Marke. Im Vergleich dazu: Bei den Parlamentswahlen 2018 holte die AKP 42,6 Prozent der Stimmen. Auch die  Umfragewerte des Koalitionspartners, der MHP, gehen zurück.

Präsident Recep Tayyip Erdoğans Krisenmanagement dürfte auch seinen Teil dazu beitragen. Für Aufregung sorgte kürzlich  seine Reaktion auf die hohen Supermarktpreise. Erdoğan ging einkaufen und berichtete, „dass die Preise doch in Ordnung“ seien. Von der Bevölkerung und der Opposition hagelte es Kritik. „Du zahlst weder Strom noch Gas oder Wasser.  Weißt du überhaupt wie jemand mit Mindestlohn überlebt? Weißt  du, wie hoch die Preise sind?“, konterte Kemal Kiliçdaroglu, Vorsitzender der sozialdemokratischen CHP. Die Oppositionspartei könnte von der derzeitigen Situation am meisten profitieren. Sie legt in den Umfragewerten zu, wie auch die IYI Parti – die beiden  bilden seit 2018 ein Wahlbündnis. 2023 finden Parlamentswahlen in der Türkei statt.  

Kampf um die Nachfolge

Die Frage, ob Erdoğan da überhaupt antreten kann, ist noch nicht zu beantworten. Der Gesundheitszustand des Präsidenten beschäftigt derzeit die Gerüchteküche. Erdoğans Konter in Form eines Videos, in dem er Basketball spielt und dabei eher desorientiert wirkt, heizte die Situation aber nur noch mehr auf. Im Hintergrund soll der Kampf um die Nachfolge bereits begonnen haben. Als mögliche Nachfolger gelten der frühere Generalstabschef und aktuelle Verteidigungsminister Hulusi Akar, Innenminister Süleyman Soylu sowie der langjährige Geheimdienstchef Hakan Fidan. Alle drei zählen zum nationalistischen Lager.

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