Jasna Đuričić konnte in der Hauptrolle überzeugen - und würde mit dem Preis für Beste Schauspielerin ausgezeichnet. 

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12/13/2021

Drama über Srebrenica-Massaker wird nach Triumph in Berlin gefeiert

"Quo Vadis, Aida?" räumte beim Europäischen Filmpreis ab. Die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić hatte eine wichtige Botschaft.

Der Film erzählt von einem wichtigen Kapitel europäischer Geschichte. Das Drama "Quo Vadis, Aida?" handelt vom Massaker in Srebrenica - und erzählt die Geschichte aus der Perspektive einer Frau. Die Europäische Filmakademie hat die Produktion nun als besten Film des Jahres ausgezeichnet. Der Europäische Filmpreis wurde am Samstagabend in Berlin verliehen, wegen der Pandemie erneut ohne großes Publikum.

Regisseurin Jasmila Žbanić bedankte sich in einer Videoschalte. Sie widmete den Film den Frauen und Müttern von Srebrenica sowie den getöteten Söhnen, Ehemännern und Vätern. Die Frauen hätten einen Weg gefunden, Frieden in einem zerstörten Land zu schaffen. „Frauen müssen immer das Chaos aufräumen, das Männer hinterlassen.“

Im Film arbeitet die Übersetzerin Aida während des Bosnienkriegs für die Vereinten Nationen. Der Film zeigt, wie sich die Lage in der UN-Schutzzone Srebrenica verschärft. Aida versucht, ihren Mann und ihre Söhne zu retten. Serbische Einheiten hatten 1995 rund 8000 bosnisch-muslimische Männer und Jungen ermordet. Der Film erhielt auch Auszeichnungen für die beste Regie und die beste Darstellerin - Jasna Đuričić.

"Völkermord direkt vor europäischen Augen"

"Quo Vadis, Aida?" zeigt nicht nur ein dunkles Kapitel der jüngeren Geschichte Europas - sondern auch eine Frau, die dagegen kämpfen muss, von Männern nicht gehört zu werden. "In unserer Region ist das Thema des Genozids immer noch sehr aufgeladen und brisant. Es war daher klar, dass ein Film darüber ein Tritt in ein Minenfeld sein würde. Ich habe mich schließlich dazu entschlossen, mir so ehrlich wie möglich alle Perspektiven anzuschauen und dann meine eigene Erzählperspektive zu finden", hatte die bosnische Regisseurin Žbanić in einem heuer geführten KURIER-Interview gesagt. "Weil ich den Krieg in Sarajevo von 1992 bis 1995 überlebt habe, einer Stadt, die ebenfalls belagert wurde, und wir hätten genauso enden können wie Srebrenica.“

Srebrenica sei einen 40-minütigen Flug von Wien oder weniger als zwei Stunden von Berlin entfernt - "und es ist beängstigend, dass ein solcher Völkermord direkt vor europäischen Augen stattgefunden hat - nachdem wir alle millionenfach wiederholt haben 'Nie wieder'", sagte Žbanić in einem dpa-Gespräch anlässlich des Filmfestivals in Venedig. Sie zeige in dem Film einen Krieg aus weiblicher Perspektive, "weil wir genug Filme über den Krieg aus männlicher Perspektive haben".

Österreich leistete auch einen Beitrag

Auch die österreichische Kulturpolitik meldete sich zu Wort. Sowohl Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) als auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) gratulierten Regisseurin Žbanić und Schauspielerin Đuričić sowie dem gesamten Team von "Quo Vadis, Aida?" zu der internationalen Auszeichnung. Es handle sich um einen "großartigen und wichtigen europäischen Film", der mit hoher erzählerischer und schauspielerischer Kunst das dunkelste Kapitel europäischer Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Leinwand bringe. "Er rüttelt mit großer Eindringlichkeit unsere Erinnerung an einen Krieg wach, der mitten in Europa stattfand - und setzt damit ein filmisches Denkmal für die Opfer", so Mayer am Sonntag in einer Aussendung. Die drei Auszeichnungen würden auch "die qualitative Kontinuität bei europäischen Koproduktionen würdigen".

Für Kaup-Hasler hätte die Jury keine bessere Entscheidung treffen können. "Das Drama über das Massaker von Srebenica, eine wichtige Auseinandersetzung mit einem Stück jüngerer europäischer Geschichte, ist mitreißend und spannend inszeniert und zeichnet sich vor allem durch seinen feministischen wie empathischen Blick aus. Aidas Schicksal steht für das einer ganzen Generation von Frauen, die den Krieg in Bosnien überlebt haben", so die Stadträtin, die auch der coop99 gratulierte, die als österreichische Produzenten zum Erfolg beigetragen habe. Der Film zeige einmal mehr die Notwendigkeit von Koproduktionen im Sinn der europäischen Vernetzung.

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Die beiden Politikerinnen verwiesen auf die Unterstützung des Streifens durch die Österreichische Filmförderung des Bundes und den Filmfonds Wien. Der ORF, der "Quo Vadis, Aida?" im Rahmen des Film/Fernsehabkommens kofinanziert hat, erinnerte in einer Aussendung daran, dass der Film vor den Auszeichnungen beim Europäischen Filmpreis bereits im Rennen um den Academy Award 2021 - als von Bosnien und Herzegowina eingereichter Oscar-Anwärter für den "Besten Auslandsfilm" - und um den Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2020 war sowie bei den Romys und beim Österreichischen Filmpreis 2021 ausgezeichnet wurde.

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