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Banja Luka

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09/28/2021

Skandal in Bosnien: Spital soll Patienten technisches Gas verabreicht haben

Die Vorwürfe kommen vom Bürgermeister Banja Lukas. Diese dementieren sowohl Krankenhaus als auch die Regierung.

von Antonio Šećerović

Der Bürgermeister von Banja Luka Draško Stanivuković (PDP) hatte vergangene Woche eine Pressekonferenz einberufen. Bei dieser informierte der erste Mann der zweitgrößten Stadt Bosnien-Herzegowinas die Öffentlichkeit über den vermeintlich größten Skandal der Nachkriegsgeschichte des Landes.

"Wissen die Öffentlichkeit, Ärzte und Patienten, dass Sauerstoff ohne Lizenz, Zertifikat und Kontrollen an die Universitätsklinik in Banja Luka geliefert wurde?", fragt sich der größte Kritiker des Regimes in der kleineren bosnischen Entität Republika Srpska (RS). Er zeigte dabei vermeintliche Beweise, dass ein Unternehmen aus der Kleinstadt Laktaši nicht-medizinischen Sauerstoff liefert, welches auch keine Lizenz für den Medikamentenverkauf hat.

Angeblich hat die Universitätsklinik (UKC) umgerechnet 900.000 Euro für den falschen Sauerstoff bezahlt. Der Inhaber der Firma aus Laktaši dürfte der ehemalige Innenminister von RS Stanislav Čađo (SNSD) sein. Die Firma soll seit 2017 Sauerstoff ohne Genehmigung importiert haben. Am Montag verbot die Arzneimittelbehörde dem Unternehmen die Produktion und den Handel von medizinischen Produkte. 

„Medizinischer Sauerstoff ist offiziell ein Arzneimittel, und das Unternehmen, über das er bezogen wird, ist nicht für die Beschaffung dieses Arzneimittels registriert“, so der Bürgermeister.

Krankenhaus und Regierung dementieren Vorwürfe

Das UKC dementiert die „schrecklichen Vorwürfe“: „Der Sauerstoff, der den Patienten verabreicht wird, ist für ihre Gesundheit nicht schädlich und entspricht allen erforderlichen Vorschriften. Er entspricht dem Sauerstoff, der in allen Krankenhäusern in der Region und in Europa verwendet wird“. Auch das Gesundheitsministerium des RS dementierte die Vorwürfe.

Der 28-jährige Draško Stanivuković ist seit letztem Jahr Bürgermeister von Banja Luka. Als Mitglied der Partei des demokratischen Fortschritts (PDP) ist er einer der lautesten Kritiker des serbischen Mitglieds im dreiköpfigen Staatspräsidiums, Milorad Dodik, und der Regierungspartei SNSD. Er steht für einen politischen Neuanfang in Republika Srpska, obwohl er wegen nationalistischen Aussagen in der Vergangenheit heftig kritisiert wurde.

Die Arzneimittelagentur des Landes hat laut dem Krankenhaus alle erforderlichen Unterlagen von der Firma des ehemaligen Innenministers bekommen. Auf der anderen Seite forderte Aleksander Zolak, Direktor der Arzneimittelbehörde, die RS-Staatsanwaltschaft auf, die Agentur zu besuchen und die Vorwürfe zu überprüfen. Laut Zolak hatte die Firma keine Genehmigung für den Handel mit medizinischem Sauerstoff.

Die Arzneimittelbehörde wurde bereits im August von Transparency International über die Vorwürfe informiert. 

 

In Bosnien-Herzegowina hat derzeit nur eine Firma aus Sarajevo die Genehmigung für die Herstellung und Vertrieb von medizinischem Sauerstoff.

Die Staatsanwaltschaft von Republika Srpska hat die Ermittlungen u. a. wegen Verdacht der Herstellung und Vermarktung von behandlungsschädlichen Produkten, Missbrauch amtlicher Stellungen und Urkundenfälschung übernommen. Nach Angaben des Nachrichtenportals Klix.ba haben mehrere Familien Klage gegen die RS-Institutionen eingereicht. Die Familien behaupten, ihre Mitglieder seien in Krankenhäusern gestorben, weil der technische Sauerstoff in der Behandlung verwendet wurde.

Unterschied zwischen industriellem und medizinischem Sauerstoff

Der industrielle Sauerstoff wird hauptsächlich zum Schweißen und anderen industriellen Zwecken verwendet und kann schädliche Gase wie Kohlenmonoxid oder Methan enthalten. Medizinischer Sauerstoff wird zur Behandlung von Atemwegserkrankungen sowie Erkrankungen des Herzens und des zerebrovaskulären Systems verwendet.

Für die Herstellung und den Vertrieb von medizinischem Sauerstoff ist in jedem Land eine Lizenz erforderlich.

Morddrohungen

Nach den Vorwürfen erhielt der Bürgermeister von Banja Luka Morddrohungen. Einige Stunden später konnte die Polizei zwei Männer festnehmen. Einer der Männer schickte ihm ein Foto mit einer Schusswaffe und der Nachricht: „Draško (Anm. Stanivuković), ich werde dich umbringen“.

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