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Lifestyle wohnen
11/18/2019

Rezepte für Retailflächen

Der Onlinehandel wird zunehmend zur Konkurrenz für den stationären Handel. Die Verkaufsflächen sinken. Wie man gegensteuert.

von Ulla Grünbacher

„Vor 120 Jahren gab es die ersten Kaufhäuser, vor 60 Jahre begann der Siegeszug der Selbstbedienung und heute ist es das Internet“, sagt Wolfgang Richter, CEO des Standortberaters RegioPlan Consulting (im Bild: Das frühere Europacenter Weiz in der Steiermark wurde  soeben unter dem neuen Namen Park's wiedereröffnet). Alle drei haben den Einzelhandel radikal verändert. Zwar steigt die Kaufkraft in Österreich nach wie vor, aber das, was im Einzelhandel ausgegeben wird, sinkt, da lieber anderswo investiert wird. Das führt dazu, dass der Handel die stationäre Fläche zum Teil nicht mehr braucht, da Online im Vormarsch ist. „Man wird langfristig mit Halbe-Halbe rechnen können“, beziffert Richter. Wann es so weit ist, hängt etwa davon ab, wann es dem Lebensmittelhandel gelingt, im Onlinegeschäft profitabel Geld zu verdienen.

Mehr als nur die Ware herzeigen

„Trends im Handel sind immer langfristig“, sagt Richter. Das gilt auch für den Onlinehandel, der sich mit der Demografie entwickelt. Diesen wird man nicht aufhalten können, aber man könne sehr viel im Bereich der Retailimmobilien machen. „Nur die Ware auszustellen, das ist vorbei, Händler müssen mehr tun“, stellt Richter klar. Sie müssten sich überlegen, wie sie ihre Flächen bespielen wollen. Hier sind Shoppingscenterbetreiber gefordert, aber auch Städte in Bezug auf ihre Geschäftsstraßen. Es müsse mehr Gastronomie angeboten werden, der Branchenmix müsse passen und laufend adaptiert werden.

Unterhaltung, Freizeitangebote, Sport

„Fashion wird weniger, Gastronomie mehr“, fasst Richter zusammen. Den Kunden müsse Unterhaltung geboten werden, Freizeitangebote wie Sport und Fitness runden das Angebot ab. In Einkaufszentren werden vermehrt Gesundheitsdienstleistungen angeboten. Die Geschäfte profitieren dabei von der längeren Verweildauer der Kunden. Händler werden sich auch überlegen müssen, wie sie jenen Teil der Verkaufsfläche bespielen, der wegen sinkender Umsätze nicht mehr gebraucht wird. Ein Teil der Händler reduziert die Verkaufsfläche, oder zieht Standorte zusammen, nur noch im Diskontbereich wird expandiert.

Internationale Retailer zieht es nach Wien

Die Folge dieser Entwicklung: Die Anzahl der Verkaufsflächen geht seit fünf Jahren jährlich um rund zwei Prozent zurück. Davon ausgenommen ist der Lebensmittelhandel. Auch Vermieter von Retailflächen sind von der Entwicklung betroffen. Sie verdienen schließlich an den Mieteinnahmen. Es gibt aber auch positive Signale am Retailimmobilienmarkt. Internationale Retailer zeigen zunehmend Interesse an Österreich als Standort, vor allem an Wien. Mehr als 20 Handelsketten kamen in den vergangenen zwei Jahren neu nach Österreich. Dieser Trend hält auch heuer an.