© Dumont Verlag/Turit Fröbe

Lifestyle wohnen
11/28/2019

Der Charme der Bausünde

Herausragende Architektur fasziniert, aber auch weniger gelungene hat ihren Reiz. Architekturhistorikerin Turit Fröbe hat einen Kalender mit Bausünden veröffentlicht.

Es gibt sie in jeder Stadt: Bausünden. Sie gelten als hässlich und sind nicht selten durch Abriss bedroht. Turit Fröbe, deutsche Architekturhistorikerin, bricht nun eine Lanze für Bauten dieser Art. Denn: Für die einen ist es eine Bausünde, andere sind von der eigenwilligen Schönheit fasziniert, die sich oft erst auf den dritten oder vierten Blick erschließt. Besonders interessant: Bausünden zeichnen sich nicht durch einen Mangel an Gestaltungswillen aus, sondern eher durch ein Zuviel des Guten. Und das trifft nicht den Geschmack der klaren, nüchternen Architektursprache dieser Zeit. „Eine gute Bausünde hat Mut und sprengt den Kontext“, ist Fröbe überzeugt.

Moden unterworfen

Doch was ist überhaupt eine Bausünde? Der Begriff ist nicht klar abgegrenzt. Einerseits sind damit Gebäude gemeint, die nicht in ihre Umgebung passen, nicht auf die Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft Rücksicht nehmen. Andererseits steht der Begriff für misslungene Bauten. Gemeint ist meist gesichtslose, austauschbare Einheitsarchitektur, wie sie häufig von Investoren in Auftrag gegeben wird. Freilich ist das, was eine Bausünde ist, der Mode unterworfen.

Rufen Emotionen hervor

Es kann also sein, dass das, was heute als herausragende Architektur gefeiert wird, Jahre später als Bausünde verunglimpft wird. Gute Bausünden hingegen rufen Emotionen hervor, sie geben einer Stadt ein Gesicht, haben Wiedererkennungswert. Wenn ein Gebäude hässlich ist, dann wird sich der Architekt etwas dabei gedacht haben. Die Architekturhistorikerin Turit Fröbe ist in deutschen und österreichischen Städten unterwegs, um gute Bausünden aufzuspüren.

336 Bausünden zum "abreißen"

Denn: „Originelle, fantasievolle Bausünden sind tatsächlich selten und in der Regel fast so schwer zu finden wie gute Architektur“, schreibt die Autorin. Im „Abrisskalender“ werden 336 Bausünden vorgestellt, die Tag für Tag „abgerissen“ werden. Eine originelle Geschenkidee für Architekturliebhaber, die den Blick für Baukultur schult und zum genauen Hinsehen einlädt.

Kalender-Tipp

„Der Abrisskalender 2020“ von Turit Fröbe beinhaltet 336 Bausünden zum Abreißen und  ist im Dumont Verlag erschienen. € 18,-