Tischtennisschläger und Ball liegen vor dem Netz auf grünem Tisch.
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Trend Tischtennis - wie gesund das Sport-Comeback wirklich ist

Eine neue Trendsportart mit über 100-jähriger Tradition in Österreich? Ja, Tischtennis kann beides und feiert ein cooles Comeback. Ein Sportmediziner erklärt, warum Pingpong gesundheitlich ein Jackpot ist und wie es gegen den „großen Bruder“ Tennis abschneidet.

Die Mitgliederzahlen der Hobbyspieler im Österreichischen Tischtennisverband steigen trotz Chaos nach schweren Vorwürfen gegen einen Nachwuchscoach, in den Parks schlagen die Wiener mit Begeisterung auf, in Berlin wird nächtelang durchgespielt und Hollywood drückte Dune-Star Timothée Chalamet den Schläger in die Hand: Tischtennis feiert fulminantes Comeback, in Österreich sogar schon länger als in Hollywood. 

Der Sport, den viele als Spiel ihrer Kindheit in Erinnerung haben, hat in Österreich eine große Tradition und gesundheitlich viele Vorteile. „Tischtennis ist ähnlich niederschwellig wie Laufen zu gehen“, lobt Sportmediziner und Unfallchirurg Alexander Mildner im KURIER-Gespräch. Einer der Vorteile sei laut Mildner, dass man schnell reinkommt und mit wenig Übung den Ball im Spiel halten kann. „Es ist nicht so anstrengend, wie zwei Stunden laufen zu gehen oder eine Stunde Krafttraining zu machen.“ Allerdings müsse man zwischen Hobbybereich und Leistungssport unterscheiden. Auf professioneller Ebene seien Matches erschöpfend, der Unterschied zum Hobbysport „gigantisch“. Aber auch als Freizeitspaß betrieben sei Tischtennis eine sehr gute Schulung für die Auge-Hand-Koordination. 

Tischtennis trainiert laut dem Mediziner den ganzen Körper. Als Anfänger sei man eher statisch, „aber dann packt einen der Ehrgeiz und man springt dem Ball nach, das ist dann Ganzkörpereinsatz. Tischtennis ist eine der schnellsten Reaktionssportarten, nicht wegen absolut höchster Ballgeschwindigkeit, sondern wegen der extrem kurzen Distanz, die der Ball zurücklegt.“ Viele halten Tischtennis für einen Freizeitsport, sagt Mildner. Tatsächlich ist es aus sportmedizinischer Sicht aber eine hochkomplexe Schnellkraft- und Reaktionssportart. Es ist „Gehirntraining unter Puls“: Ball lesen, Spin erkennen, Position anpassen, Entscheidung treffen, Schlag ausführen – alles muss in Sekundenbruchteilen passieren.

Sport für Körper und Gehirn

Laut neuen Forschungen beugt Tischtennis neuronalem Abbau vor und verzögert den Krankheitsverlauf von Alzheimer und Parkinson, fördert die Konzentration und die Koordination. Tischtennis stimuliert den Hippocampus, der im Hirn für Erinnerungs- und Lernprozesse zuständig ist. Mildner: „Jegliche Bewegung und Koordination von allen Bewegungen geht vom Hirn aus. Das heißt, jedes Training, jede sportliche Betätigung hat einen neurologischen Feedback-Prozess. Wir wissen, dass die Gedächtnisleistung und sämtliche Hirnleistungen durch sportliche Aktivität gesteigert werden. Es ist völlig logisch, dass Tischtennis, das koordinativ ziemlich anspruchsvoll ist, genau solche positiven Nebenwirkungen haben muss.“

Viel sicherer als Tennis

Gleichzeitig ist die Verletzungsgefahr beim Tischtennis im Vergleich zu Tennis sehr gering. Als Sport sei es laut dem Mediziner „gesundheitlich fast ideal“. Das Unfallrisiko ist gering, die koordinativen und kognitiven Anforderungen hoch, die Herz-Kreislauf-Belastung moderat. Wer leistungsorientiert spiele, brauche aber zwingend zusätzliches Athletiktraining, weil es sonst zu Überlastungen an Schulter, Ellenbogen, Knie und Wirbelsäule kommt. „Wer langfristig gesund bleiben möchte, sollte deshalb Technik immer mit gezieltem Kraft- und Stabilisationstraining kombinieren.“

Dynamisches Duo: Tischtennis und Krafttraining

Ex-Tischtennisweltmeister Werner Schlager und der österreichische Nationalspieler Chen Weixing etwa hätten im Fitnessstudio neben Mildners ehemaliger Praxis trainiert. „In weniger intensiven Trainingsphasen, wenn sie nicht technisch trainieren mussten, haben sie intensiv Krafttraining gemacht. Über den Weg des Krafttrainings hat man eine gute Reserve für Spritzigkeit.“ So könne man sich schneller bewegen, schneller drehen. „Speziell durch Gewichtheber-Techniken ist das leicht zu verbessern. Schneller als zum Beispiel durch Ausdauerläufe.“

Originalschläger war eine Pfanne

Zum Ursprung des Tischtennis gibt es mehrere Theorien. Eine besagt, dass die Engländer, weil es draußen am Rasen immer so grauslich nass war, Ende des 19. Jahrhunderts statt zum Schläger zu Pfannen und Büchern gegriffen und über den Esstisch eine Schnur gespannt haben – und schon wurde aus dem Outdoorsport Tennis der Indoorsport Tischtennis. Dafür spricht, dass Tischtennis in England 1874 erstmals schriftlich erwähnt wurde.

Eine weitere Theorie besagt, dass Flim-Flam, wie man den Indoor-Sport damals auch nannte, aus Indien stammt. Wettermäßig macht das ebenfalls viel Sinn, denn mit der Bratpfanne in der Hand kann man auch gut der Hitze entfliehen. Ein Umstand, den der Sportmediziner gerade dieser Tage lobend hervorhebt. „Man kann sich sportlich betätigen, ohne einen Hitzschlag zu bekommen“, das mache Tischtennis zur idealen sportlichen Betätigung, wenn es wie jetzt draußen wieder einmal besonders heiß ist.

Seit 100 Jahren spitze: Tischtennisland Österreich

Gleichzeitig ist Tischtennis fix in der Wiener DNA verankert. In den Kaffeehäusern der großen europäischen Metropolen – darunter Wien – entwickelte sich der Sport vom Zeitvertreib des Adels zum Breitensport. 1901 wurde in Wien das erste Pingpong-Turnier veranstaltet. Nur wenige Jahre später flaute die Mode zwar wieder ab, aber schon in den 1920ern erlebte Tischtennis das erste von vielen Comebacks und die ersten Vereine wurden aus der Taufe gehoben. Bereits in den 1930ern gehörte Österreich zu den führenden Tischtennisnationen der Welt. Tausende begeisterten sich damals für den Sport. 

Auch heute noch zählt Österreich zu den erfolgreichsten Tischtennis-Nationen Europas. Werner Schlager war 2003 der bisher letzte Europäer, der bei der WM im Herren-Einzel siegte. 2024 holte Sofia Polcanova für Österreich EM-Gold im Damen-Einzel und 2025 WM-Silber im Doppel. „Immer nach einem Großereignis, wenn Österreich erfolgreich war, erinnern sich die Leute 'das hab' ich doch früher auch mal gespielt'“, erklärt Barbara Schneeweis vom Österreichischen Tischtennisverband die aktuelle Beliebtheit des Sports, den man auch beim ÖTTV merkt. Seit zwei Jahren geht die Zahl der Freizeit- und Hobbyspieler nach einem Absacker 2024 in die Höhe. Aktuell sind es 6.620.

Um Tischtennis zu spielen, muss man sich jedoch nicht im Verein organisieren. Neben zahlreichen Tischtennishallen für heiße Tage stehen in Bädern und  insgesamt 155 Parks (hier finden Sie die Liste) aufgeteilt auf alle 23 Bezirke, ein oder mehrere Tischtennistische zur freien Verfügung. Man muss nur einen Schläger und Ball mitbringen – und hoffen, dass einem der Wind keinen Strich durch die Rechnung macht. 

Tischtennis und Tennis im Vergleich

Ein Tischtennisspiel dauert im Schnitt 40 Minuten. 

Ein Tennisspiel dauert im 1,5 bis 2,5 Stunden

So genau kann man das allerdings nicht sagen, denn das hängt stark vom gespielten Modus ab. 

Verbrannte Kalorien

Eine Person mit 74 Kilogramm verbrennt in der Stunde beim Tischtennis ca. 300 kcal, beim Tennis 590

Verletzungen

Im Schnitt kommt es beim Tischtennis bei 1.000 Spielstunden in Wettkämpfen zu ca. 10 Verletzungen, häufig betroffen sind Schulter, Lendenwirbelsäule, Knie und Sprunggelenk. 

Im Vergleich kommt es bei Tennis zu fast 31 (30,8) Verletzungen im gleichen Zeitraum. 

Während es beim Tischtennis die Überlastungsbeschwerden überwiegen, sind akute schwere Traumata seltener als in anderen Rückschlagsportarten wie Tennis. 

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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