Model Hailey Bieber mit trainierten, eleganten Armen
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Rich Girl Arms: Wiener Sportpsychologe kritisiert Fitness-Trend

Die „rich girl arms“ gelten als neues Körperideal – der Wiener Sportpsychologe Georg Hafner sieht Schattenseiten.

Trainiert, aber elegant sollen die Arme sein, aber auf keinen Fall zu muskulös: US-Supermodel Hailey Bieber und zahlreiche Fitness-Influencer propagieren derzeit in den sozialen Netzwerken die sogenannten „rich girl arms“ (übersetzt: Arme reicher Mädchen).

Diese bekommt man laut Tiktok, indem man kostspielige und zeitintensive Sportarten wie Tennis oder Reformer Pilates betreibt und Einzeltrainings mit einem Privatcoach in Anspruch nimmt. Dafür braucht es mehrere Einheiten pro Woche, konsequent, über Monate. Das Ergebnis: ein Körper, der Wohlstand signalisiert.

„Ein Fitness-Trend wie viele andere – mit durchaus positiven Effekten“, sagt der Wiener Sportpsychologe Georg Hafner und erklärt: „Grundsätzlich ist es ja erfreulich, dass sich junge Menschen mit Bewegung und Ernährung auseinandersetzen, körperbewusster agieren und Muskeln stärken.“ Problematisch werde es dann, wenn Training nicht mehr auf Gesundheit abzielt, sondern zur Inszenierung von Status genutzt wird.

„Influencer leben davon, sich bewusst manipulativ zu inszenieren.“

Georg Hafner, Sportpsychologe

Was hinter dem toxischen Fitness-Trend steckt

Der Trend um die „rich girl arms“ ist eine Reaktion auf Abnehm-Medikamente und dass Schlankheit dadurch zunehmend inflationär wird. Denn Muskeldefinition ist nichts, was man sich spritzen oder verschreiben lassen kann – sie muss erarbeitet werden.

Dafür braucht es vor allem eins: Zeit. Für Menschen, die arbeiten, studieren oder in die Schule gehen, ist dieses Trainingspensum nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich kaum umsetzbar – ganz im Gegensatz zu Fitness-Influencern, die dafür bezahlt werden, zu trainieren.

In ihren Videos wird dabei kein realistischer Alltag gezeigt, sondern eine geschönte Darstellung: „Influencer leben davon, sich bewusst manipulativ zu inszenieren. Ihnen geht es darum, möglichst viele Follower zu gewinnen und Likes zu erzielen“, gibt Hafner zu bedenken.

Sexismus-Problem bei "rich girl arms"

Das Magazin Elle sieht bei den „rich girl arms“ zudem ein sexistisches Problem: „Sobald der weibliche Körper in ’Problemzonen’ unterteilt wird, machen wir uns zu Objekten. Genauer gesagt: zu mangelhaften Objekten, an denen noch gefeilt und geschraubt werden muss.“

Junge Menschen fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt und beginnen, den eigenen Körper permanent zu vergleichen. Der Algorithmus verschärft das Problem, weil er immer wieder ähnliche Inhalte ausspielt.

Die Folge: Die Nutzerinnen und Nutzer werden zunehmend unzufriedener, das Selbstwertgefühl sinkt. Viele hören aus Frust mit dem Trainieren auf, da das erwünschte Ziel unerreichbar scheint. Das sei schade, sagt der Sportpsychologe. Denn Bewegung sollte nicht von äußeren Idealen bestimmt sein, sondern zur eigenen Lebensrealität passen.

Arm-Übungen für zu Hause

Die Arme lassen sich auch daheim effektiv trainieren – ganz ohne teures Equipment. Liegestütze können etwa locker in den Alltag integriert werden: „Einfach zwischendurch zehn bis zwanzig Wiederholungen einbauen“, empfiehlt Hafner. Abwechslung bringt, wenn man die Hände unter den Schultern enger setzt oder weiter auseinander. Wer (noch) nicht die volle Belastung schafft, kann aber auch Liegestütze auf den Knien machen.

Alternativ eignet sich der Unterarmstütz („Plank“): Dabei stützt man sich auf Unterarmen und Zehenspitzen ab und hält den Körper wie ein Brett – ohne durchzuhängen. Im Freien eignen sich Klimmzüge – etwa in sogenannten Calisthenics-Parks (frei zugängliche Outdoor-Trainingsplätze). Dabei zieht man sich an einer Stange so weit nach oben, bis das Kinn darüber ist. Widerstandsbänder können den Einstieg erleichtern.

Was es für diese Übungen braucht, ist das Gegenteil von dem, wofür „rich girl arms“ stehen: kein Status, kein Luxus – sondern Bewegung, die ins echte Leben passt.

Forscher warnen

Unter den Hashtags „fitspo“ oder „fitspiration“ finden sich auf Social Media Millionen Videos und Bilder mit perfekt inszenierten Körpern, idealen Workouts und Ernährungstipps. Eine kürzlich veröffentliche Metaanalyse der Northwestern University in Illinois (26 Studien, >6100 Teilnehmende) ergab, dass bereits wenige Bilder bei 18- bis 33-Jährigen schädliche, soziale Vergleiche auslösen und Stimmung sowie Selbstwertgefühl senken können

Liisa Mikkola

Über Liisa Mikkola

Redakteurin und Digital Producer beim KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit.

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