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Lifestyle Sommer
07/05/2019

Abschalten, um abzuschalten

Mussestunden als Lebenselixier. Damit bietet man der Schnelllebigkeit der Zeit auch Paroli.

von Cordula Puchwein

Nichtstun. O ja, das ist ein ganz und gar wichtiges Thema!“, sagt die Psychologin Natalia Ölsböck. Aus der täglichen Praxis weiß sie, „dass genau das immer mehr Menschen immer schwerer fällt. Abschalten tut Not.“ Gemeint ist damit in erster Linie das Handy, der Computer, das Tablet. Doch oft weiß der eine oder andere Klient, den die Psychologin berät, gar nicht, wie oder wo er sein Handy überhaupt ausschaltet.

Klingt komisch, ist aber ernst zu nehmen, „denn nur wer in echt abschaltet, kann auch selbst abschalten, also zur Ruhe kommen. Und das ist heute wichtiger denn je“, sagt Natalia Ölsböck. Warum aber genau das zusehends Probleme bereitet, liegt unter anderem an der Selbstwert-Falle, in die so mancher tappt.

Es ist fatal, sein Selbstwertgefühl vom Handy abhängig zu machen, weil es vermeintlich das Gefühl von Wichtigkeit suggeriert.

Ein weiteres Handycap

Mitunter bereitet alleine die Entscheidung, den Ausknopf zu drücken, und sei es nur für ein paar Stunden nicht erreichbar zu sein, ein schlechtes Gewissen. Auch solche Ängste sind, sind wir uns ehrlich, unbegründet, außer man ist Unfallchirurg im Bereitschaftsdienst oder Pilot auf Standby.

Fragt sich nur, wie kommt man raus aus dem Hamsterrad? Natalia Ölsböck hat dazu praktikable Tipps, um dem Dauerdruck und der Zeitnot Herr zu werden, hin zu mehr Gelassenheit und dem schönen Zustand der Muße.

  1. Kalender: Einen Termin eintragen, an dem man dezidiert nichts macht – auch keinen Massage, keine Yogastunde, nichts dergleichen. Donnerstag 18 Uhr? Eintragen! Da haben Sie ein Rendezvous mit sich selber.
  2. Klein einfangen: Es muss ja nicht gleich eine ganz Stunde sein, in der man nichts tut. Fangen Sie klein an, indem Sie es sich zur Regel machen, jeden Tag täglich ein paar Minuten fix einzuplanen. Um was zu tun? Genau – nix.
  3. Fühlen: Wie soll das Nichtstun aussehen? Faul auf der Hollywood-Schaukel lümmeln oder untermalt mit stricken, häkeln, Seifenblasen in die Luft malen oder durch die Natur schlendern? „Muße heißt ja nicht unbedingt, dass man gar nichts tut. In meiner Praxis erlebe ich beispielsweise Männer, die beim Rasenmähen hervorragend abschalten können, andere bevorzugen dafür einen Spaziergang durch die Natur. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden.“
  4. Rituale: Es wäre fatal, sich auf die Couch zu legen und dann kreisen die Gedanken erst wieder nur um Probleme in der Arbeit, in der Familie oder sonst wo. Eine Möglichkeit, das zu vermeiden? Gewöhnen Sie sich Rituale an. Eines, das man sich selbst vorsagt, könnte so lauten: Die Arbeit bleibt Arbeit und ich beschäftige mich damit erst wieder morgen damit.
  5. Sinne schärfen Wem es schwer fällt, in den „Flow der Muße“ zu kommen, muss sich selbst ein wenig überlisten. Fragen wie: Was höre ich? Was sehe ich gerade? Was rieche ich? Wie fühlt sich das Sofa an, auf dem ich sitze? Das lenkt die Aufmerksamkeit kurzfristig in eine bestimmte Richtung – und ehe man es sich versieht, bekommen die Gedanken Flügel.

Mag. Natalia Ölsböck lehrt an der Österr. Akademie für Psychologie, unter anderem das Fach Resilienzforschung.


Buchtipp: "Mit Leichtigkeit" von Natalia Ölsböck. Ein Buch, mit dem man auch den Zeitdruck Herr wird.