Die eigenartige Lust auf Dattel-Duschgel und Zuckerwatte-Parfum
Der Hype um Gourmand-Düfte wächst weiter. Welche Rolle die Gen Z spielt und warum auch Abnehmspritzen damit zu tun haben könnten.
Vanilleeis, gesalzenes Karamell, Pistaziencreme mit Schlag oder fluffiger Marshmallow: Was nach einer Dessertkarte klingt, findet sich gerade vielfach in Drogerien. Gourmand-Düfte boomen, also Parfums, die an essbare Köstlichkeiten erinnern.
Während sich Teenies schon lange in Vanille-Schwaden hüllen, gibt es jetzt neue Interpretationen. Statt picksüßer Zuckerwatte dominieren heute raffinierte Kreationen mit gerösteten Nüssen, warmer Milch, Schlag, Kaffee oder sogar Suppe. Auf Tiktok werden Vanille-Parfums gerade wie Sammlerstücke gehandelt.
Großer Zuwachs
Dass der Trend jedoch weit mehr ist als eine Social-Media-Laune, zeigen die Zahlen. Laut der Marktforschungsfirma Mintel kamen im Vorjahr 24 Prozent mehr neue, von Desserts inspirierte Düfte auf den Markt als im Jahr davor. Die Analysten der Plattform Spate registrierten seit 2023 einen Zuwachs von 170 Prozent bei Google- und Tiktok-Suchanfragen nach Gourmand-Parfums in den USA.
Hinweis darauf, wie rasant sich das Duftgenre vom Nischentrend zum Mainstream entwickelt hat.
Dattelkuchen in Karamellsauce mit Vanilleeis. Gibt’s bei Lush als Duschgel und Bodyspray und ist ein Verkaufshit.
©Lush
Auch Weleda macht jetzt Körper- und Haarsprays: Duft „Vanilla Cloud“ um 15 Euro.
©WeledaOzempic Smell durch Abnehm-Medikamente
Aber nicht nur Teenies haben einen Hang zum Süßen. Die Branche beschäftigt ein weiteres Phänomen. Seit Abnehm-Medikamente auf Basis des Darmhormons GLP-1 – darunter Ozempic – millionenfach verschrieben werden, mehren sich Hinweise, dass sie nicht nur den Appetit beeinflussen, sondern auch das Geruchsempfinden. Studien sowie Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass Betroffene Aromen anders wahrnehmen als zuvor – und oft süße Düfte bevorzugen.
Händler berichten, dass Kunden unter einer GLP-1-Therapie häufiger zu cremigen Vanille-, Praliné- oder Karamellnoten greifen. Vom „Ozempic Smell“ ist bereits die Rede, der wissenschaftlich aber nicht belegt ist. Die Vermutung dahinter: Wenn sich der Zugang zu Essen verändert, könnte sich auch die emotionale Wirkung bestimmter Düfte verschieben.
Komplexe Kreationen
Die neuen Kreationen sind aber nicht nur bonbonhaft süß, sondern in Kombination mit Rauch- und Sandelholz oder Gewürzen auch komplex und tief. Zuletzt sorgte das Nischenlabel d’Annam mit seinem Duft „Pho Breakfast“ für unzählige Fans, der die Aromen einer traditionellen Pho-Suppe mit Sternanis, Ingwer und Kräutern nachempfindet.
"Pho Breakfast“ heißt die gehypte Komposition von d’Annam. Weiters
im Sortiment: „White Rice“.
„Lemon Pie“ und „Me Espresso“: Goldkehlchen Sabrina Carpenter macht jetzt auch Parfums.
©APA/Getty Images via AFP/GETTY IMAGES/EMMA MCINTYREAuch andere kleine Parfümerien treiben den Trend voran, wie Kayali oder Giardini di Toscana mit dem legendären „Bianco Latte“.
Und wer einen britischen Dattelkuchen riechen, aber nicht essen will, badet im Bodyspray „Sticky Dates“, der so stark nachgefragt wurde, dass es ihn bei Lush nach limitierter Auflage nun das ganze Jahr gibt.
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