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12/16/2014

Mittelohrentzündung: Wann Antibiotika einsetzen?

Prim. Univ.-Lektor DDr. Peter Voitl Leiter des Kindergesundheitszentrum Donaustadt (First Pediatric Medical Center) in 1220 Wien.

Was passiert bei einer Mittelohrentzündung?

Das Mittelohr ist ein Hohlraum, der zwischen dem Trommelfell und dem Innenohr liegt und mit dem Nasen-Rachen-Raum in Verbindung steht. Wenn Viren oder Bakterien meist im Rahmen einer Erkältung in das Mittelohr gelangen, können sie eine Entzündung der Schleimhaut mit Ergußbildung auslösen. Die Erkrankung tritt vor allem bei Kindern im ersten Lebensjahr und zwischen vier und sechs Jahren auf. Symptome sind ein reduziertes Hörvermögen, Schmerzen und Fieber, die Kinder greifen sich an das Ohr. Manchmal platzt das Trommelfell und Eiter fließt aus dem Ohr; dann lassen die Schmerzen rasch nach. Das Trommelfell heilt innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Mit einem Otoskop kann er die typische Rötung und Wölbung des Trommelfells sehen. Bei wiederkehrenden Ohrentzündungen werden auch die Trommelfellbeweglichkeit und eventuell das Hörvermögen überprüft. Eine Komplikation stellt die Entzündung der angrenzenden Knochen dar, die sich durch eine Rötung hinter dem Ohr kennzeichnen. Sehr selten kann es zu einer Gehirnhautentzündung kommen.

Wann ist die Gabe von Antibiotika notwendig?

Die Behandlung besteht meist in der Gabe von entsprechenden Schmerzmitteln und auch Nasentropfen, damit die Schwellung zurückgeht und sich die Belüftung des Mittelohres wieder öffnet. Große Unterschiede bestehen hinsichtlich der Auffassung über die Notwendigkeit, Antibiotika zur Therapie der Mittelohrentzündung zu verschreiben. Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten geben keinen Anlass, von einer vorsichtigen Anwendung der antibiotischen Therapie abzukehren. Das heißt: Bestehen keine starken Krankheitszeichen, ist nach wie vor auch bei kleinen Kindern ein beobachtendes Zuwarten mit einer engmaschiger Kontrolle gerechtfertigt, bevor ein Antibiotikum wie Amoxicillin für fünf Tage angezeigt ist. Dieses wirkt gegen die häufigsten Erreger.

Was tun bei wiederkehrenden Entzündungen?

Wenn die Mittelohrentzündung immer wiederkehrt oder der Erguss länger als drei Monate besteht, wird ein kleines Röhrchen in das Trommelfell eingesetzt damit die Flüssigkeit abfließen kann. Auch Zwiebelwickel sind ein bewährtes Mittel, die die Durchblutung des Ohrs steigert und die Entzündung hemmen kann. Für einen Zwiebelwickel werden die Zwiebeln zerkleinert, gekocht und dann in einem Tuch eingewickelt warm auf das Ohr gelegt. Verwenden Sie keine Wattestäbchen zum Reinigen der Ohren! Zur Vorbeugung empfehle ich die Impfung gegen Pneumokokken, die für rund 25 Prozent der eitrigen Mittelohrentzündungen verantwortlich sind.

Prim. DDr. Voitl am Tel. (01 / 526 57 60): Mi., 17. 12., 13 bis 14 Uhr

Anfragen per eMail: gesundheitscoach@kurier.at