Burn-out: Wer darunter leidet, braucht dringend Hilfe und Zuspruch von Fachleuten

© KURIER/Jeff Mangione

Burn-out: Belastung mit Stress ist messbar
02/25/2015

Burn-out: Belastung mit Stress ist messbar

Wolfgang Lalouschek, Facharzt für Neurologie, beantwortet Leser-Fragen.

Was sind typische Burn-out-Syndrome?

Erstens die Erschöpfung – ein massiver Energieverlust; zweitens die Entfremdung von sich selbst: Die Arbeit, die Mitmenschen, alles wird einem fremd, man fühlt sich nirgendwo mehr zugehörig, betrachtet alles nur noch zynisch; und drittens natürlich die deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit.

Kann man die Stressbelastung messen?

Ja, dazu gibt es eine wissenschaftlich fundierte Methode, die Messung der Herzratenvariabilität. Der Herzschlag unterliegt normalerweise leichten natürlichen Schwankungen. Je stärker die Stressbelastung ist, umso geringer sind diese Schwankungen. Bei sehr stark gestressten Menschen schlägt das Herz so regelmäßig, als ob es eine Maschine wäre.

Wie unterscheidet sich ein Burn-out von einer Depression?

Für ein Burn-out ist die Vorgeschichte ganz maßgeblich: Also eine lang dauernde, übermäßige Belastungssituation – nicht unbedingt nur im Beruf. In einem jahrelangen schleichenden Prozess – der mit übermäßigem Engagement beginnt – mündet diese in einen Burn-out. Auch mangelnde Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten, keine Anerkennung und ein schlechtes Klima am Arbeitsplatz – Stichwort Mobbing – spielen ebenfalls eine große Rolle. Anders ist es bei einer klassischen Depression: Hier kann es auch ohne äußere Anlässe zu relativ rasch auftretenden depressiven Phasen kommen. Häufig wird fälschlicherweise ein Burn-out diagnostiziert, obwohl eine andere psychische oder körperliche Erkrankung vorliegt, etwa eine Depression oder eine Hormonstörung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine schwere Depression muss man auch medikamentös behandeln – hier ist das Medikament ein Teil der Lösung. Liegt aber ein Burn-out mit einer depressiven Verstimmung – die ist meistens dabei – vor, kann ein alleiniges Antidepressivum folgenden Effekt haben: Ich mache den Betroffenen vorübergehend fit und schicke ihn dann – wie ein gesund gespritztes lahmes Pferd – wieder ins Rennen. Tiefere Ursachen habe ich aber nicht bekämpft.

Wichtig ist deshalb zuerst immer eine genaue medizinische Abklärung. Aus der individuellen Krankengeschichte ergibt sich dann, wo der Schwerpunkt der Burn-out-Behandlung liegt: Bei einem kurzfristigen Coaching – etwa ausgerichtet auf einen raschen Wiedereinstieg in den Beruf – oder auch einer medizinischen Behandlung. Der schwierigste Teil ist aber die Neugestaltung des Lebens. Jeder muss sich die Frage stellen, "Wie kann ich mit (Mehrfach-) Belastungen besser umgehen? Welche Bewältigungsstrategien habe ich? Und was möchte und kann ich in Zukunft ändern?"

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek, Facharzt für Neurologie und systemischer Coach, Leiter des interdisziplinären Gesundheitszentrums "The Tree" in Wien-Hietzing, am Telefon: 01 / 526 57 60), am Donnerstag, 26. 2., 11 bis 12 Uhr, Anfragen per eMail: gesundheitscoach@kurier.at

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