Leben
26.06.2018

Wie Streunern am besten geholfen wird

Straßenhunde und -katzen eignen sich nicht immer zum Haustier. Sinnvoller ist, man unterstützt Tierschützer vor Ort.

Es ist die große Liebe: Treuer Blick, anhängliches Wesen, fester Charakter, dazu die Spuren eines abenteuerreichen Lebens. Kann aus dem Urlaubsflirt eine dauerhafte Beziehung werden?

Experten raten davon ab, Straßenhunde oder -katzen aus Mitleid mit nach Hause zu nehmen. Die „Rettung“ löst nicht die Probleme vor Ort. Die Einreisebestimmungen nach Österreich sind streng, und der Alltag ist kein Ferienparadies. Sinnvoller ist es, den bedürftigen Tieren in ihrer Heimat zu helfen.

Andere Länder, andere Sitten. Nicht überall sind freilaufende Hunde tatsächlich herrenlos, nicht alle struppigen Katzen ohne Besitzer. Sie genießen oft einfach das Dolce Vita in weitläufigen Revieren. „Man muss sich zuerst schlau machen, ob das Tier jemandem gehört, oder ob es wirklich nicht versorgt wird“, sagt Irina Fronescu von Vier Pfoten. Hotelangestellte oder Leute aus der Nachbarschaft wüssten meist Bescheid. Die Einheimischen kennen in der Regel sowohl die Strawanzer, als auch die Tierfreunde aus der Gegend.

Hilfe

Der Sommerliebe kann geholfen werden. Aber „nicht auf eigene Faust. Die beste Methode ist die Zuwendung vor Ort. Das können Futterspenden sein, das kann finanzielle Unterstützung von Privatpersonen oder einer seriösen Organisation sein“, betont die Tierschutz-Expertin.

Auch wenn Liebe durch den Magen geht – von einem Durchfüttern der Urlaubsbekanntschaft hält sie wenig. Streuner gewöhnen sich rasch an die Futterquelle, die meist nach zwei, drei Wochen wieder versiegt. Darüber hinaus gibt es immer andere Gäste bzw. Gastgeber, die keine Freude mit zerzausten Tieren in ihrer Nähe haben.

Lokale Profis

„Selbst wenn man ein Tier rettet, ändert das nichts an der problematischen Gesamtsituation“, sagt KURIER-Tiercoach Katharina Reitl. Der Zoodoc rät ebenfalls, die Hilfe lokalen Profis zu überlassen. Tierschützer können das Impfen, Entwurmen und Kastrieren übernehmen und so das Leid lindern.

Import

Zudem muss klar sein, dass nicht jeder Freigänger zum Haustier taugt. Und dass es bürokratische Hürden gibt. „Es gibt viele Vorschriften, wenn man ein Tier importiert“, sagt Fronescu. Das bestätigt auch das zuständige Ministerium: Hund bzw. Katze müssen gesund sein, über einen EU-Heimtierausweis inklusive aktueller Tollwutimpfung und Chip zur Identifikation verfügen. „Ein Tier, das illegal eingeführt wird, kann dem Besitzer abgenommen werden. Da leiden Tier und Mensch“, sagt die Expertin von Vier Pfoten. Quarantäne, Abschiebung, Euthanasie drohen, Veterinärrecht wird schlagend: „Die Entscheidung obliegt in erster Instanz dem örtlich zuständigen Amtstierarzt“, erklärt das Gesundheitsministerium. Schließlich dürfen keine Krankheiten eingeschleppt werden. Sicherheit geht vor Schmetterlingen im Bauch.