Leben 22.04.2012

Streuner mit festem Wohnsitz

Tiercoach: Katzen sind von Natur aus neugierig. Wer seinem Vierbeiner Freigänge ermöglicht, sollte ihn gut darauf vorbereiten.

Hetti ist ein Freigeist. Wenn sie durch die Wiese streift, wenn sie Geräusche der Umwelt ortet und fremde Gerüche aufnimmt, schärft sie alle Sinne. Wenn sie über Äste am Boden springt, auf Bäume klettert und durch Gärten nah und fern spaziert, trainiert sie ihren Körper. Die Freigängerin genießt die ständig neuen Eindrücke und ist ausgeglichener als reine Wohnungskatzen. Natürlich ist sie auch größeren Gefahren an Leib und Leben ausgesetzt als ein Stubentiger. „Ich bin Anhängerin des Freigangs – wenn die Rahmenbedingungen passen“, sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn weiß, dass viele Katzen im goldenen Käfig unzufrieden sind, dass Ausnahmen die Regel bestätigen und unter welchen Voraussetzungen Vierbeiner nach draußen können.

Langeweile

Katzen sind geborene Neugierdsnasen. Wenn sie ausschließlich in der Wohnung gehalten werden, kennen sie bald jeden Winkel. Langeweile kommt auf. Dann brauchen sie einen Besitzer, der sie auf Trab hält, Spiel anbietet und für Abwechslung sorgt. Auch Artgenossen sind eine Form der Beschäftigung. „In der Stadt ist es sinnvoll, von Anfang an zwei Katzen zu nehmen. Das Zusammengewöhnen ist schwierig. Am besten vertragen sich Geschwister“, sagt die Expertin.

Katzen mit Wohnadresse im dicht verbauten Stadtgebiet oder an stark frequentierten Straßen leben sicherer daheim. Auf einem gut geschützten Balkon können sie Frischluft schnuppern. Auch so mancher Freigänger wird im Alter freiwillig zum bequemen Stubenhocker. „Es hängt sehr stark vom Individuum ab, ob ein Haustier einen ausgeprägten Freiheitsdrang hat oder nicht“, sagt Schratter. Und davon, ob der Vierbeiner schon einmal das Leben außer Haus genossen hat: „Vor allem junge Katzen und Bauernkatzen leiden, wenn man sie wieder zu reinen Wohnungskatzen umerzieht“, erklärt der KURIER-Tiercoach. Die beleidigten Heimtiere reagieren mitunter mit heftigem Protest, zum Beispiel mit lautem Dauer-Maunzen, mit Tapeten-Zerkratzen oder Hauferln neben dem Katzenklo.

Freigang

Vergleichsweise problemlos und rasch gelingt der Schritt in die andere Richtung – von drinnen nach draußen. Doch auch die Streifzug-Premiere muss vorbereitet sein und gelernt werden. Erst wenn sich die Katze in den eigenen vier Wänden eingewöhnt hat, ist sie für die neue Situation in unbekannter Umgebung und mit fremden Geräuschen bereit. „Nach vier bis sechs Wochen kann sie ihre ersten Ausflüge machen. Am besten am Brustgeschirr, da fühlt sie sich sicher“, erklärt die Expertin. Auch eine Katzenklappe, durch die sich der Freigänger jederzeit zurückziehen kann, hilft. Mit leerem Magen in die Freiheit entlassen, kommt der hungrige Vierbeiner bald wieder retour. Die Belohnung des Heimkehrers mit Leckerlis erzieht ihn ebenso. „Reden Sie mit Ihren Nachbarn und klären Sie, wo es andere Katzen gibt, bevor Sie Ihre Katze das erste Mal hinaus lassen“, rät Schratter. Dann wissen alle, woran sie sind.

Eines muss Katzenhaltern in jedem Fall klar sein: „Freigänger haben eine andere Beziehung zum Menschen als Hauskatzen. Es ist mehr eine Futterbeziehung“, sagt der KURIER-Tiercoach. Die großen Schmuser sind nur daheim unterwegs.

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( Kurier ) Erstellt am 22.04.2012