Leben 06.03.2018

Was kann die erste Trennungsambulanz?

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Auch ein Beziehungs-Aus ist Arbeit: In Wien gibt es jetzt eine neue Anlaufstelle für Liebeskummer-Geplagte.

Die Symptome reichen von Appetitlosigkeit über Schlafstörungen bis hin zu einer schweren Depression: Wer schon einmal von seinem Partner verlassen wurde, weiß, wie schmerzhaft eine Trennung sein kann. Auch Sabrina Limbeck hat diese Erfahrung gemacht. Ein Lebenspartner starb, vom Vater ihrer Tochter trennte sie sich. „Außerdem habe ich als Krisenpflegemutter gearbeitet, auch da muss man sich immer wieder von Pflegekindern verabschieden", erzählt die 46-Jährige.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Beatrix Roidinger hat die Lebens- und Sozialberaterin nun die erste Trennungsambulanz Wiens gegründet. Anders als bei ähnlichen Einrichtungen wie etwa der Liebeskummer-Praxis liegt der Fokus auf Gruppensitzungen. Einmal pro Woche treffen sich bis zu zwölf Betroffene zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch, Limbeck oder Roidinger begleiten die Gruppe. "Viele kommen sich irgendwann blöd vor und trauen sich in ihrem privaten Umfeld nicht mehr darüber reden. Irgendwann heißt es, reiß dich zusammen. Familie und Freunde wollen und können den Schmerz nicht so lange tragen." Man müsse heute nach einem Verlust schneller wieder funktionieren: "Früher hab es das bekannte Trauerjahr, in dem man Schwarz trug. Das hatte den Sinn, dass man in seiner Trauer wahrgenommen wird und sich Zeit gibt. Heute geht das gar nicht mehr, weil man durch Beruf und Familie so gefordert ist - auch die sozialen Medien suggerieren immer, dass man happy und erfolgreich sein muss."

Selbstwert wieder steigern

Denn so wie bei einem Todesfall durchlaufe man auch nach einer zerbrochenen Beziehung die vier Trauerphasen: Schock, Chaos, Akzeptanz, Neuorientierung. Wie lange diese dauern, ist individuell verschieden. "Die Gruppenmitglieder befinden sich alle in verschiedenen Phasen. Das ist von Vorteil, weil sie einander erzählen können, wie sie dorthin gekommen sind. In einer Gruppe kann man einfach viel freier und offener darüber sprechen." Die beiden Expertinnen - Roidinger ist u.a. Sexualtherapeutin - zeigen Übungen zu den Themen Loslassen, Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Letztere ist für Sabrina Limbeck die wichtigste Maßnahme bei akutem Liebeskummer. "Wenn es einem schlecht geht, muss man lernen, den Fokus wieder auf sich selbst zu richten, den Selbstwert zu steigern. Das beginnt bei den Grundbedürfnissen, etwa, dass man sich selber eine Kleinigkeit kocht, statt eine Pizza zu bestellen. Es geht darum, sich wieder als Individuum wahrzunehmen und zu sagen, ich bin mehr als die oder der Verlassene."

Schlimmer als der Abschiedsschmerz von der geliebten Person sei oft der Abschied von einem Lebenskonzept. Auch das kennt Sabrina Limbeck aus eigener Erfahrung. "Bei mir war es der Abschied von der Familie. Als ich mich vom Vater meiner Tochter getrennt habe, war klar, es kann jetzt nur noch Patchwork werden. Man muss gegen seinen Willen ein neues Lebenskonzept entwerfen, das ist nicht einfach. Aber im besten Fall geht man gestärkt hervor und hat viel über sich selbst gelernt."

Fünf Gruppensitzungen (für 240 Euro) werden in der Trennungsambulanz empfohlen, eine Verlängerung ist jederzeit möglich. Eines ist sicher: "Vorbei geht Liebeskummer auf jeden Fall", verspricht Limbeck und zitiert ihren Lieblingsspruch: "Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende."

Info: http://trennungsambulanz.at/

( kurier.at ) Erstellt am 06.03.2018