Sonja Hammerschmid ist Präsidentin der Universitätskonferenz.

© KURIER/Franz Gruber

Interview
02/15/2016

Was die Rektorenchefin zur Zukunft der Unis sagt

Sonja Hammerschmid über Zugangsregeln und Karrieren von Frauen.

von Sandra Lumetsberger

Sie sind weder interessiert noch fühlen sie sich informiert über Wissenschaft und Technologie – das sagen 52 Prozent der befragten Österreicher bei einer EU-Umfrage (Spezial Eurobarometer 401, 2013). Sonja Hammerschmid ist Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität und glaubt zu wissen, warum: Es werde einfach zu wenig kommuniziert, sagt sie im Interview mit dem KURIER.

KURIER: Warum hat Wissenschaft kein gutes Image?

Sonja Hammerschmid: Wir haben es verabsäumt, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren – etwa über Forschungsergebnisse und deren Nutzen für die Gesellschaft. Nicht nur in der Technik und Medizin, auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften.

Glauben Sie, dass es 2030 Ihren Job noch geben wird?

Jede Hochschule braucht eine Führung wie jede andere Institution auch. Aber ich glaube, dass sich diese Position noch stärker Richtung Management-Job entwickeln wird müssen. Unis wachsen, haben begrenzte Ressourcen, sie kooperieren mit externen Partnern, dafür braucht es Management-Know-how.

Welche visionären Projekte gibt es an der Vetmeduni, von denen sie künftig profitiert?

Für die Lebensmittelsicherheit untersuchen wir die gesamte Kette von Fütterung, Tiergesundheit, Haltung bis hin zum abgepackten Steak im Supermarkt. Es geht um Prävention, also dass Tiere nicht mehr krank werden. Auch Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, wie etwa bei der Vogelgrippe, sind ein wichtiger Forschungsbereich.Wir erforschen am Messerli-Institut die Mensch-Tier-Beziehung aus unterschiedlichen Perspektiven.

Sie sind seit Dezember Präsidentin der Universitätskonferenz – als erste Frau, wie in Medien hervorgehoben wurde.

Gleichstellung ist noch immer ein großes Thema, in Unternehmen und an Universitäten. 2010 war ich die einzige Rektorin, jetzt sind wir acht. Ich hoffe, dass das bald kein Thema mehr ist. Gemischt besetzte Führungsetagen sind jedenfalls die erfolgreicheren, das belegen viele Studien.

Es gibt aber auch einen Rückwärtstrend, wie Studien zeigen: Forscherinnen stellen ihre Karriere zurück, weil sie Job und Kind nicht vereinbaren können.

Wir versuchen, dem an unserer Universität massiv entgegenzuwirken: 60 Prozent unserer Wissenschafter sind Frauen, 80 Prozent Studentinnen und 20 Prozent Professorinnen. Für ihre Kinder haben wir einen Kindergarten und eine eigene Betreuung für die Sommerferien. Aber wir sehen auch, dass sich viele dieser Herausforderung nicht stellen. Wir versuchen, mit Rollenmodellen Vorbilder zu schaffen. Zum Beispiel unsere Pferde-Chirurgin, wo es immer heißt, Großtiermedizin ist eine Männerdomäne, macht einen tollen Job. Und sie hat zwei kleine Kinder.

Bei welchen Studienrichtungen orten Sie Potenzial?

Wenn ich das könnte, wär’ ich reich (lacht). Wer hätte gedacht, dass Mechatronik so ein Renner sein wird oder die ganzen Medientechnologien, die wir heute haben. Auch die Molekularbiologie hat sich stark entwickelt. Es gilt, diese Trends frühzeitig zu erkennen. Ich glaube, dass etwa das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 noch viel stärker kommen wird.

Was würden Sie einem Volksschüler sagen, der in 14 Jahren an Ihrer Uni inskribieren wird?

Junge Menschen müssen das tun, wo sie ihre Leidenschaften haben, wofür sie sich begeistern können, dann werden sie Erfolg haben. Tiergesundheit wird immer relevant sein, so lange wir Tiere im Lebensmittelbereich nutzen, so lange wir Haustiere halten. Wenn jemand Tierarzt werden will, und das später noch immer so ist, weil ihn Naturwissenschaften und medizinische Fragestellungen begeistern, wird er seinen Weg machen. Aber oft muss man viel probieren, um zu erkennen, wo man richtig ist.

Sie haben sich damals für ein Biologie-Studium entschieden.

Das war eine komplexe Geschichte (lacht). Ich hatte eine sehr starke Leidenschaft für medizinische Fragen. Aber ich habe mich auch sehr für Mode und Design interessiert und wollte immer auf die Angewandte. Da sie mich dort nicht genommen haben, entschied ich mich für Medizin und Biologie. Ich bin dann aber bei der Molekularbiologie geblieben, einfach weil es damals nicht so überlaufen war wie Medizin. Dort gab es einen offenen Zugang, ich war ein Kind vom Land, das war für mich völliger Wahnsinn.

Apropos Massen: Sie sind pro Zugangsregeln.

Mir ist es wichtig, dass wir unseren Studierenden die beste Ausbildung anbieten können. Wenn die Betreuungsverhältnisse nicht passen, wird das keine qualitativ hochwertige Ausbildung.

In Skandinavien gibt es keine Studiengebühren: Studenten bekommen Stipendien und zinsfreie Kredite. Wäre das für Österreich denkbar?

Auch das Stipendiensystem muss evaluiert werden. Da ist lange nichts passiert. Studierende aus sozial schwächeren Schichten müssen studieren können, ohne nebenbei Vollzeit zu arbeiten. In Australien gibt es ein Kreditmodell. Wer später gut verdient, zahlt seinen Teil wieder zurück ins System.

Zur Person

Sonja Hammerschmid, geboren 1968, aufgewachsen in Baumgartenberg/Mühlviertel studierte Genetik und Tumorbiologie in Wien, arbeitete sieben Jahre in der Wissenschaft, wechselte in die Forschungsfinanzierung.

Seit 2010 ist sie Rektorin der Vetmeduni Wien, seit Dezember auch Präsidentin der Universitätskonferenz.

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