Leben 08.05.2018

Warum kaum ein Mann den Namen seiner Frau annimmt

. © Bild: Getty Images/iStockphoto/Vaselena/iStockphoto

Beim Thema Ehe sind die Österreicher traditionsbewusst. Kaum ein Mann ist dazu bereit, nach der Trauung anders zu heißen.

Fast 30 Jahre lang hat Philipp Pascher sein alter Nachname durchs Leben begleitet. Bis er mit der Hochzeit den Nachnamen seiner Frau angenommen hat.

Mit dieser Entscheidung ist Philipp eine Ausnahme in Österreich, denn zumeist sind es nach wie vor die Frauen, die bei einer Eheschließung den Namen ihres Mannes annehmen.

Stellt man die Frage nach dem Warum, werden individuelle Gründe genannt: Während manche den Namen ihres Partners schöner fanden, waren andere neugierig, wie sich eine Namensänderung im Leben anfühlt. Vielen Paaren ist ein gemeinsamer Nachname wichtig, um als Familie als Einheit wahrgenommen zu werden und ein Zeichen der Zusammengehörigkeit zu setzen. Besonders dann, wenn man gemeinsam Kinder hat oder plant. Auch wenn die Entscheidung persönlich ist, so ist sie trotzdem in einen gesellschaftlichen Rahmen eingebettet, weiß Laura Wiesböck, Soziologin an der Universität Wien.

Klassische Rollenbilder

"Beim Aufbrechen von Geschlechterrollen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan, bei der Namensführung sind die tradierten Vorstellungen nahezu gleichgeblieben", sagt Wiesböck. Die ursprüngliche Idee hinter der Namensänderung sei, dass man als Familienverbund bei der Hochzeit des Sohnes durch seine Frau ein neues Familienmitglied gewinnt, bei der Heirat einer Tochter hingegen eines verliert. Außerdem habe es Einfluss auf Frauen, ob die eigene Mutter ihren Namen behalten hat oder nicht, genauso wie die emotionale Nähe zur eigenen Familie.

Wenn Frauen ihren Geburtsnamen behalten – was Ehepartnern rechtlich seit 1995 freisteht – ist das teilweise noch immer nicht selbstverständlich. Die Verwandtschaft der 33-jährigen Sabine W. reagierte "eher mit Verwirrung" auf ihre Entscheidung, den Nachnamen ihres Mannes bei der Hochzeit vor rund vier Jahren nicht annehmen zu wollen. "Der Nachname ist für mich das erste Merkmal von Identität und ein Teil von mir", sagt sie. Ihr Mann sei davon ebenfalls nicht begeistert gewesen, – "aber da hat er eben Pech gehabt." Der gemeinsame Sohn, der vor zwei Monaten geboren wurde, trägt dafür seinen Nachnamen.

46-100548607
Laura Wiesböck, Soziologin an der Universität Wien © Bild: Luiza Puiu/privat/Luiza Puiu

"Es ist noch immer wenig akzeptiert, wenn Männer den Namen der Frau annehmen." Laura Wiesböck, Soziologin

Schwierige Datenlage

Genaue Aussagen zur Namensführung in Österreich gibt es nicht, weil diese Daten nicht zentral erfasst werden. In einer Diplomarbeit der Universität Wien aus dem Jahr 2009 wurden Daten verschiedener Standesämter ausgewertet. Im Jahr 2008 haben sich demnach 87 Prozent der Paare dazu entschieden, den Namen des Mannes als gemeinsamen Namen zu führen, nur drei Prozent jenen der Frau. Zehn Prozent behielten ihren Geburtsnamen. 13 Prozent jener, die sich für einen gemeinsamen Namen entschieden haben, wählten einen Doppelnamen. Seit der ersten Namenrechtsreform 1975 gab es aber einige Änderungen (siehe unten).

Rechtliche Liberalisierung muss nicht zwingend Einfluss auf die Gesellschaft haben, erklärt Wiesböck. Ein Indiz dafür sieht sie darin, dass es noch immer wenig gesellschaftliche Akzeptanz dafür gibt, wenn Männer den Namen ihrer Frau annehmen. Wie eine Untersuchung der Universität Nevada aus dem Jahr 2017 zeigt, hat die Beibehaltung des Namens der Frau auch Auswirkungen auf die Außenwahrnehmung des Ehemannes. Er wird als weniger männlich eingeschätzt, während der Frau mehr Macht innerhalb der Beziehung zugeschrieben wird.

Stadt-Land-Gefälle

Das Image des "entmachteten Mannes" erzeuge laut Wiesböck einen großen sozialen Druck, insbesondere in bildungsfernen Milieus. Für Männer mit höherer Bildung würde es eine geringere Rolle spielen, ob die Frau den Namen annimmt oder nicht. Auch ein Stadt-Land-Gefälle lasse sich feststellen; dahingehend, dass Frauen in städtischen Gebieten ihren Namen eher behalten oder einen Doppelnamen wählen.

Philipp jedenfalls hält nichts davon, als Mann auf dem eigenen Namen zu bestehen. "Wir leben in einer modernen Gesellschaft und man sollte langsam beginnen, mit verstaubten Traditionen aufzuräumen." Allzu viel Bedeutung will er dem Namen sowieso nicht beimessen: "In einer glücklichen Beziehung gibt es so viel Wichtigeres als ein paar Buchstaben hinter dem Vornamen."

Geburts-, Doppel-, Familienname: Das erlaubt das Namensrecht

Welcher Nachname bei einer Heirat möglich ist: Seit dem Namen-Änderungsgesetz im Jahr 2013 behalten beide Partner ihren vor der Ehe geführten Geburtsnamen, wenn sie keine Erklärung abgeben. Vor 2013 hat die Frau ohne eine solche automatisch den Namen ihres Mannes bekommen.

Gemeinsamer Familienname kann außerdem sowohl der Name der Frau als auch des Mannes sein. Auch einer aus den Familiennamen beider Ehepartner gebildeter Doppelname kann dafür bestimmt werden. Dieser muss dann mit einem Bindestrich verbunden sein und kann auch von nur einem Ehepartner geführt werden.

Ein komplett neuer Name kann im Zuge der Namenserklärung anlässlich der Eheschließung nicht gewählt werden. Dies wäre nur mittels behördlicher Namensänderung möglich und kostet bis zu 600 Euro.

Mit Kindern

Nochmal komplizierter wird es, wenn Nachwuchs ansteht. Gibt es einen gemeinsamen Familiennamen, erhält das Kind diesen automatisch. Haben beide Eltern ihren Familiennamen beibehalten, müssen sie einen davon als Namen für das Kind bestimmen.

Möglich ist auch ein Doppelname, gebildet aus dem Namen des Vaters und der Mutter, der mit einem Bindestrich verbunden sein muss.

Wenn nur ein Elternteil einen Doppelnamen führt, kann dieser durch eine Namenserklärung ebenfalls für das Kind bestimmt werden.

( kurier.at , elmo ) Erstellt am 08.05.2018