Becher aus Bambus werden als Plastik-Alternative angepriesen, enthalten aber häufig Kunststoffe.

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Leben
02/08/2019

Warum Bambusbecher gesundheitsschädlich sein können

Viele Hersteller verschweigen den Plastikanteil in den Produkten und dürfen das auch.

von Elisabeth Mittendorfer

Der „Coffee to go“ gehört für viele zum Alltag, schadet aber der Umwelt. Denn den Kaffee zum Mitnehmen bekommt man in der Regel in einem Einwegbecher, der unmittelbar nach dem Trinkgenuss im Müll landet. Allein in Wien fallen dadurch rund 84 Millionen Wegwerfbecher pro Jahr an.

Immer mehr Kunden sind sich dieser Problematik bewusst und bringen ihre eigenen Becher mit, die sie immer wieder mit Kaffee befüllen lassen. Als vermeintlich umweltfreundliche Alternative zum Einwegbecher werden wiederverwendbare Modelle aus Bambus oder Mais vermarktet. Doch nicht überall wo „öko“ draufsteht, ist Nachhaltigkeit drinnen. Das bunte Geschirr ist häufig mit Schadstoffen belastet. Zu diesem Schluss kam das Chemische Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, das 35 Produkte aus Bambus geprüft hat. Keines davon entsprach den von den Herstellern propagierten Kriterien „100 Prozent natürlich“, „biologisch abbaubar“ oder „die Alternative zu Kunststoff“ zu sein.

Wenig Naturmaterial

Vor allem bei den Bechern wurden synthetische Kunststoffe wie etwa Melaminharz oder Harnstoff-Formaldehyd-Harz festgemacht. Sie dienen der Spülmaschinenfestigkeit, Form und Stabilität des Geschirrs. Dass sie in den Produkten enthalten sind, wird von vielen Herstellern verschwiegen. Laut Auskunft des Österreichschischen Instituts für Verpackungswesen müssen Hersteller auch keine genauen Angaben zur Zusammenstellung einzelner Bestandteile machen.

Der Stoff Melamin steht in Verdacht, das Blasen- und Nierensystem zu schädigen. Formaldehydgas wird als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Die Stoffe werden in höherem Maße frei, wenn das Geschirr über längere Zeit mit hoher Temperatur erhitzt wird. Wenn die Becher im Inneren mit einer dieser Substanzen beschichtet sind, können sich Kunststoffteilchen lösen und im Kaffee landen. Mit jedem Waschgang im Geschirrspüler wird der Becher angegriffen und mehr Material kann in das Lebensmittel übergehen.

Alternativen

Bei der Umweltberatung in Wien kennt man keine Daten zur Ökobilanz von Geschirr aus Bambus. Der Problematik des Einsatzes schädlicher Stoffe ist man sich bewusst. Es gibt aber andere Alternativen zum Einwegbecher aus Pappe oder Plastik als Bambus. Die Umweltberatung Wien empfiehlt für den „Coffee to go“ Behältnisse aus Edelstahl. „Bei einer solchen Anschaffung sollte man sicher aber im Vornherein überlegen, ob man den Becher auch wirklich häufig genug verwendet, sonst fällt die Ökobilanz auch hier schlecht aus“, sagt Elisabeth Tangl. Sie plädiert ohnehin dafür, sich „auch mal zehn Minuten wohin zu setzen und den Kaffee in Ruhe zu genießen“.