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Juhu, Ferien! Das große Urlaubs-ABC
06/28/2015

Juhu, Ferien! Das große Urlaubs-ABC

Locker loslegen, lustig urlauben, lässig ausklingen lassen – das A bis Z der richtigen Erholung.

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ACTION

Die perfekte Erholung erlangt man nicht mit verordneter Totalruhe, sagen Psychologen. Besser ist, Neues (kennen-) zu lernen, etwas zu erreichen und das Hirn mit positiven Erinnerungen zu füttern: wieder einmal ins Museum oder Theater, den hohen Berg der Urlaubsinsel besteigen, einen Tauchkurs anreißen.

BEDIENEN LASSEN

Andere Experten betonen wiederum, wir seien als Geisel unseres Biorhythmus der Jahreszeit unterworfen. Und während wir im Winterurlaub aktiv sein sollen, um die natürliche Trägheit zu bekämpfen, empfehlen sie für die Ferien in den Sonnenmonate: runterkommen und auch einmal nichts tun.

Sympathisch ist die Schlussfolgerung dieser Psychologen: Am Pool zu liegen und sich von Cocktail-tragendem Personal bedienen zu lassen, sei daher eine überaus erholsame, erfüllende, kurz: essenzielle Zutat für einen gelungenen Sommerurlaub.

COMPUTER AUS

Die beiden Bedeutungen des Wortes "abschalten" finden im perfekten Urlaub zueinander. Zwar gilt die Zwangsabstinenz von Handy, iPad und Computer als überholt, denn wen das eMails-nicht-Lesen mehr stresst als das eMails-Lesen, der soll ruhig. Um Abstand zu gewinnen, sollte man aber zumindest 22 Stunden täglich abschalten.

DISKUTIEREN

Daheim haben Paare oft gar keine Zeit, ihre Beziehung zu ruinieren. Um das Aufeinander-Picken im Urlaub zu überleben, folgende Tipps: Sich Diskussionen über Konfliktthemen verbieten. Action- statt Relaxurlaub. Diese Phrasen vermeiden: "aber du ...", "wie immer ...", "typisch ...".

ELTERNZEIT

Auch im Familienurlaub ist Platz für elterliche Zweisamkeit. Dafür muss der Nachwuchs nicht ständig im Kinderclub geparkt sein, aber wenn er dort ist, sollte sich Mama Papa widmen und Papa nicht dem iPad.

FREIKÖRPER-KULTUR

Einst gehörten die Nacktbader zur gesellschaftlichen Avantgarde. In Wien gehört das hüllenlose Baden fast zum roten Ton – gelten hier die Naturisten doch als eine Quasi-SP-Vorfeldorganisation. Wer einmal ganz nostalgisch in die Arbeiterwelt der Zwischenkriegszeit eintauchen will, der kann diesen Sommer einen Naturistenpark – etwa in der Lobau – besuchen. Grenzenloses Freiheitsgefühl in schöner Landschaft, samt Gelsen.

GEMEINSAM

Soziales Verhalten im Urlaub wirkt sich positiv auf Gesundheit und Empfinden aus. Es lohnt also, gemeinsame Aktionen einzuplanen, oder zumindest am Programm des Partners zu partizipieren: "Worum geht’s denn in dem dicken Buch, das du da liest, Schatzi?"

HERZSCHMERZ

Eine US-amerikanische Längsschnittstudie belegte im Jahr 2000 die physische Bedeutung des Urlaubs: Die Probanden mit erhöhtem Herzerkrankungs-Risiko wurden auch über die Häufigkeit ihrer Urlaube befragt. Jene, die besonders selten verreisten, erlitten statistisch auch am ehesten einen tödlichen Herzinfarkt.

INDIVIDUUM SEIN

Neben erwähntem Sozialverhalten wirkt sich auch positiv aus, wenn jeder tun kann, wonach ihm und ihr der Kopf steht. Mitunter ist für den Bestand von Beziehungen wichtig, dass beide sich im Urlaub ohne schlechtes Gewissen individuellen Vorlieben widmen. Und dabei nicht partizipieren müssen: "Schatzi, lieb, dass du fragst, aber das würde dich doch nur langweilen."

JAHRESURLAUB

Da sind sich die Experten einig: erholungs-technisch sind mehrere kurze besser als ein langer Urlaub. Im Bestfall freut man sich auf der Rück- schon auf die nächste Abreise, weil der kommende Urlaub gebucht ist.

KOFFERPACKEN

Prinzipiell entsteht das Urlaubsgefühl schon in der Vorbereitung, fanden Forscher der University of Surrey heraus. Menschen empfinden sich dabei als glücklicher und bewerten vor allem ihre familiäre Situation positiver als Menschen, die gerade keine Reise planen. Wer beim Kofferpacken dennoch mit dem Partner streitet, den tröstete einst Woody Allen: "Das Gute, wenn man sich im Urlaub trennt, ist, dass man seine Koffer nicht extra packen muss."

LIEGESTUHL-DEPRESSION

Wer aus einer sehr stressigen Phase auf Urlaub geht und auf Knopfdruck viel Entspannung erhofft, erleidet oft ein Gefühl, das Psychologen derzeit gehäuft sehen: Die Liegestuhl-Depression ist aber keine Depression, sondern ein Anzeichen für ein mögliches Burn-out-Syndrom. Die Sehnsucht nach einer Zeit mit weniger Druck fördert neuen Druck, die Gedanken sind in der Firma, wodurch sich die Abgeschiedenheit wie ein Nachteil anfühlt. Tipp: To-do-Liste für die Zeit nach dem Urlaub schreiben.

MÜSSIGGANG

Unter dem Motto "Dolce far niente" haben die Italiener das "süße Nichtstun" zur Kultur- und Kunstform erhoben. Salonfähig wurde der Müßiggang schon früher, Philosoph Søren Kierkegaard sagte: "An sich ist Müßiggang durchaus nicht eine Wurzel allen Übels, sondern im Gegenteil ein geradezu göttliches Leben, solange man sich nicht langweilt." Gilt auch für Urlaub.

NACHHALTIG

Psychologen geben dem Erholungseffekt nach der Rückkehr ein bis zwei Wochen. Unabhängig von der Urlaubsdauer. Konservieren lässt sich Erholung, wenn man den Feierabend gestaltet und genießt. Etwa, indem man Freunde einlädt, lokale Speisen seines Ferienortes nachkocht, und Urlaubsbilder zeigt. Da müssen die Freunde einfach durch.

OFFEN SEIN

Menschen finden Flug-Anreisen laut Studien stressiger als lange Autofahrten. Auf der Rückfahrt könnte man sogar ein letztes Reise-Highlight einbauen: Essen an einem See, Übernachtung im Nirgendwo, den unbekannten Ort für den nächsten Urlaub entdecken, ...

PERFEKTION STREICHEN

In allen Gourmetrestaurants reserviert, alle Touren geplant und Eintrittskarten gebucht? Perfekt organisiert. Doch was, wenn das Urlaubs-Ich sich lieber nicht an den Terminplan halten will? Oberste Regel: Das Urlaubs-Ich hat immer recht. Auch wenn der Reisebericht vielleicht nicht so beeindruckend wird.

QUALI-QUANTITÄT

Im Urlaub soll man sich etwas gönnen. Die Kunst liegt in der Balance zwischen Qualität und Quantität. Sich am All-inclusive-Buffet vier bleibende Kilo anzufuttern, macht tendenziell wenig glücklich. Den Club für ein Dinner in der herzigen Taverne zu verlassen, eher schon. Obwohl man extra zahlen muss.

RÜCKREISE–DEPRESSION

Vor einigen Jahren gingen Forscher dem Phänomen auf den Grund, warum Heimfahrten einem immer kürzer vorkommen als Hinfahrten. Ihre Erkenntnisse tragen heute den Namen "Rückreise-Effekt" und enthalten eine tröstliche Botschaft für alle Gequälten: Je mühsamer die Hinreise, desto flotter der Rückweg.

STARREN

In ein Narrenkastl zu schauen, ist als faul und zu unterlassende Tätigkeit gebrandmarkt. Dabei ist das Starren auf einen undefinierten Punkt eine große Leistung des Gehirns, weil es sich dabei von fast allen Gedanken löst, ähnlich einer leichten Trance. Das Meer eignet sich als undefinierter Punkt ebenso gut wie der Horizont oder die Berge.

TEMPOWAHL

Der britische Reiseautor Dan Kieran fuhr im Urlaub mit dem Milchwagen durch England und zur Adlersichtung auf eine schottische Insel. Seine Erkenntnis: Das Wichtigste beim Reisen ist die Geschwindigkeit. Bei der Lektüre seines Buches "Slow Travel: Die Kunst des Reisens" (Verlag Rogner & Bernhard, 19,95 €) lässt sich die Langsamkeit gut entdecken.

URLAUB DAHOAM

Grundsätzlich kann auch der Urlaub zu Hause erholsam sein. Solange man die ewige To-do-Liste nicht angreift, die Wäsche ungewaschen und die Steuer unerklärt lässt. Und den Frühstückstee am besten an einem ungewohnten Platz zu sich nimmt, während man sich sagt: Ich bin da, aber mein Alltag ist weit weg.

VORBEREITEN

Wer den Kopf freibekommen will, sollte sich vor dem Urlaub von Gedanken befreien. Eine Kollegin oder einen Kollegen mit der eigenen Arbeit vertraut machen und bitten, nur bei wichtigen Fragen anzurufen. Unbedingt eine Abwesenheitsnotiz einrichten! Blumen, Katzen und Post den Nachbarn überlassen, die Pflegeanleitungen dazu aufschreiben.

WEITWANDERN

Pilgerreisen, Weitwanderungen und Trekkingtouren: Die Geh-Urlaube boomen, dennoch fühlen sich viele bei dem Gedanken unwohl, die kostbarste Zeit des Arbeitsjahres für Bewegung zu opfern. Dabei ist die Botschaft der Erfahrungsberichte deutlich: Von einem Ort zum anderen zu gehen, das Vergangene immer hinter und das Ziel immer vor sich, ist oft die reinigendste und erholsamste Art, seinen Urlaub zu verbringen. Und fitter wird man auch.

XEROPHILIE

Die Botanik beschreibt Lebewesen, die trockene Lebensräume bevorzugen, als xerophil. Xerophile, die darüber hinaus auch xenophob sind, sollten aber eher im trockenen Süden Österreichs urlauben. Kärnten etwa.

YOGA

Urlaub ist eine gute Zeit, sich Neuem zu widmen. Etwa endlich Yoga zu lernen und die Dynamik in den Alltag mitzunehmen: So hält der "Gruß an die Sonne" sommerliche Erinnerungen wach.

Sport im Urlaub sollte man moderat angehen und das Klima beachten – es gibt Gründe, warum Türken und Griechen nicht um zwölf Uhr Tennis spielen. Tauch-Interessierte brauchen oft eine Tauch-Freigabe vom heimischen HNO-Arzt!

ZEIT DANACH

Was sich vor der Abreise nicht stressfrei erledigen lässt, kommt am besten auf die To-do-Liste für nach dem Urlaub, von Brunchterminen mit Freunden über Handgriffe im Haushalt bis zum Anschaffen der neuen Klobürste. So wird der Kopf frei. Sich vorzunehmen, diese Liste am ersten Urlaubstag zu schreiben, ist übrigens kontraproduktiv.

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