Leben
24.03.2018

Sommerzeit: Was Sie zur Zeitumstellung wissen müssen

Schon kleinste Veränderungen bringen die innere Uhr des Menschen durcheinander, sagen Chronobiologen.

Stellen Sie sich viele Uhren vor, die plötzlich alle falsch gehen. So ähnlich wirkt die Zeitumstellung, die in der Nacht auf Sonntag wieder ansteht, auf den Menschen. Von der Hauptuhr im Hirn („Master Clock“) über die Organe bis in jede Zelle funktioniert der Organismus wie präzise abgestimmte Uhrwerke. Eine Meisterleistung, diekaum bemerkt wird.

Akute Chronodisruption

Von Forschern schon. Die Bedeutung der Chronobiologie rückt zunehmend in den Fokus der Medizin. „Schon eine sehr geringe Verschiebung des Tag- Nacht-Rhythmus bringt unseren Organismus aus seinem gewohnten inneren Takt“, erklärt Chronobiologe Jan-Dirk Fauteck in seinem neuen Buch „Eine Frage der Zeit“ (Verlag Brandstätter, ab 9. April um 19,90 € im Handel) . Freilich spüren diese Unordnung – im Fachjargon „akute Chronodisruption“ genannt – nicht alle Menschen gleich stark. Doch immerhin ein Drittel der Deutschen gab in einer aktuellen Umfrage der Krankenkasse DAK an, schon einmal unter Beschwerden wie Müdigkeit oder Konzentrationsproblemen gelitten zu haben.

Also wozu das Ganze jedes Jahr? 73 Prozent der von der DAK Befragten wollen die Sommerzeit ohnehin abschaffen. Doch bis die EU-Kommission eine Bewertung von Nutzen und Schaden vorgenommen hat, kann es dauern. Da kehren wir lieber das Positive hervor: Die Körperuhren passen sich den Gegebenheiten an – und über die später einsetzende Dämmerung kann man sich durchaus auch freuen.

Wie der Körper reagiert - eine Auswahl

Laut Umfragen haben 27 % der Bevölkerung beim Wechsel auf die Sommerzeit schon einmal unter Schlafstörungen, Unkonzentriertheit oder Müdigkeit gelitten.

Vorteile der Sommerzeit: US-Forscher fanden heraus: Erwachsene verbringen zur Sommerzeit im Schnitt eine halbe Stunde länger im Freien und neun Minuten weniger vor dem Fernseher.

Rhythmen im Körper: Licht ist stärkster Zeitgeber für die innere „Zentraluhr“ im Hirn und beeinflusst alle anderen inneren Uhren. Jene in der Leber trägt z. B. zum normalen Blutzuckerspiegel bei.

Dämmerung: Der Zeitpunkt der Morgen- und Abenddämmerung ist wichtiger als der Hell-Dunkel-Rhythmus. Bei Mäusen sind Neuronen sensibel auf Farbverschiebungen von Gelb zu Blau..

Sozialer Jetlag: Unter der Woche um 6, am Wochenende erst um 9 oder 10 Uhr aufstehen – das entspricht dem Effekt von zwei Langstreckenflügen pro Woche durch drei bis vier Zeitzonen.

Montag-Blues: Langes Ausschlafen am Wochenende bringt die innere Uhr durcheinander. Statistisch passieren an Montagen mehr Herzinfarkte und Unfälle durch Konzentrationsstörungen.

Natürlicher Wecker: Das Wissen, am nächsten Morgen zu einer fixen Zeit aufstehen zu müssen, aktiviert das Stresshormon Cortisol – der Spiegel steigt etwa eine Stunde vor dem Aufwachen an.

Lustige Pannen

2014 verpasste Horst Seehofer als bayrischer Ministerpräsident am Sonntag der Zeitumstellung eine für acht Uhr angesetzte Telefonkonferenz mit Angela Merkel, weil er seine Uhr noch nicht umgestellt war.

2001 funktionierte der Weckdienst der Telekom nicht, weil man auf die Zeitumstellung vergessen hatte.

2004 endete eine Online- Auktion bei ebay um eine Stunde zu früh.