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Leben
04/07/2019

ROMY und Romy: Beide sind dreißig

Die Wienerin Romy Schneider steuerte, als sie 30 war, dem Höhepunkt ihrer Karriere zu. Der KURIER-Filmpreis ist nun auch auf dem Gipfel angelangt.

von Georg Markus

Als Romy Schneider ihren 30. Geburtstag feierte, konnte sie nicht ahnen, dass sie unmittelbar vor dem Durchbruch zur Weltklasseschauspielerin stand. Ohne es zu ahnen, hatte sie soeben einen ihrer erfolgreichsten Filme gedreht, doch der ist in den Kinos noch nicht angelaufen. Nun wird auch die ROMY des KURIER zum 30. Mal vergeben.

Wir schreiben den 23. September 1968, da wird Romy Schneider 30 Jahre alt. Die von ihr ungeliebten „Sissi“-Klassiker hat sie längst hinter sich gelassen, da dreht sie im Sommer 1968 einen ihrer wichtigsten Filme: „Der Swimmingpool“. An ihrer Seite die ewig unglückliche Liebe: Alain Delon.

Nicht nur die Klatschpresse stürzt sich während der Dreharbeiten auf das junge, schöne Paar, das zum ersten Mal seit dem Liebes-Aus wieder gemeinsam vor der Kamera steht (und liegt). Die Handlung und die dazugehörenden Filmszenen sind noch dazu prickelnd, muss sie sich doch im Film zwischen zwei Männern entscheiden, von denen einer Alain Delon ist. Jener Alain Delon, mit dem sie eine stürmische, sechsjährige Beziehung verband.

Sind die Küsse echt?

Als die Fotos des sich küssenden Paares am Swimmingpool in den Zeitungen erscheinen, ist sich die Welt sicher, dass Romy und Alain nicht nur auf der Leinwand, sondern auch privat wieder ein Paar sind. So echt, so liebevoll wirken die Szenen.

Heute, mehr als 50 Jahre später, wissen wir allerdings, dass es bei den Dreharbeiten keine Neuauflage der alten Liebe gab. Denn heute kennen wir Romys Tagebücher. Und da notiert sie in einer drehfreien Stunde: „Wenn alle Schauspieler, die einmal zusammengelebt haben, keine Filme mehr zusammen drehen würden, gäbe es bald keine Filme mehr. Ich empfinde nichts mehr, es ist, als ob ich eine Mauer umarme. Absolut!“

Die Ehe mit Harry Meyen

Alain Delon ist also kein Thema mehr. Romy ist zu dem Zeitpunkt, als sie „Der Swimmingpool“ dreht, mit dem Schauspieler Harry Meyen verheiratet, mit dem sie einen zweijährigen Sohn, David Christopher, hat. Anfangs gefällt Romy Schneider – nach den „verrückten Jahren“ mit Alain Delon – dass Harry Meyen zwar Regisseur und Schauspieler, aber kein Star ist und sie in einer, im Vergleich zu Alain Delon, geradezu bürgerlichen Welt lebt.

Romy als Hausfrau

Romy hat das Filmen aufgegeben, will nie wieder vor einer Kamera stehen. Doch nach zwei Jahren langweilt sie das Leben als Hausfrau. Dazu kommt, dass Harry Meyen die Prominenz seiner Frau nicht erträgt. Er betrinkt sich, es folgt die Scheidung.

Eine zerbrochene Ehe, das ist nichts Neues für Romy Schneider. Das hat sie schon als Kind erlebt. Die Eltern, Magda Schneider und Wolf Albach-Retty, zählten, als Romy am 23. September 1938 im Wiener Rudolfinerhaus zur Welt kam, zu den Traumpaaren des deutschen Kinos. Da sie nur ihren Beruf kannten, wurde Romy schon vier Monate nach der Geburt zu den Großeltern und dann in eine Salzburger Klosterschule abgeschoben. Die Eltern bekam sie (wie auch ihr drei Jahre jüngerer Bruder) fast nie zu sehen. Als sie sieben war, ließen sie sich voneinander scheiden.

Wenn die kleine Romy ihre Eltern sah, dann eher auf der Leinwand als zu Hause. Romy will seit ihrer Kindheit – wie die geliebte Mami und der geliebte Papi – ein Star werden. „Wenn es nach mir ginge, würde ich sofort Schauspielerin“, schreibt die 13-Jährige in ihr Tagebuch.

Ein Jahr später dreht sie ihre ersten Filme; „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, „Mädchenjahre einer Königin“, gefolgt ab 1955 von drei „Sissi“-Filmen.

„Ich war nicht mehr Romy“

Das (geschönte) Leben der Kaiserin Elisabeth wird zum Kassenschlager im Kino der 50er-Jahre. Viel später erkennt Romy, dass der Ruhm teuer erkauft ist: „Ich war nicht mehr Romy, nur noch Sissi.“ Und ihr ist klar, dass sich das ändern muss.

Doch ihr Stiefvater lässt es nicht zu: Hans-Herbert Blatzheim, der zweite Mann ihrer Mutter, hat Romys Vermarktung übernommen und hetzt sie von Film zu Film. Romy wird später aussagen, dass Blatzheim ihre Gagen veruntreut und sie sexuell belästigt hätte.

Dem beruflichen Aufstieg folgt der persönliche Reifeprozess. Romy lernt 1958 bei den Dreharbeiten zu Schnitzlers „Liebelei“ Alain Delon kennen. Es ist die große Liebe, doch sie ist zum Scheitern verurteilt. Delon nützt jede Gelegenheit, sie zu betrügen, sie zu demütigen, ehe er die Beziehung nach sechs Jahren beendet.

Der absolute Star

Gerade in der Ehe mit Harry Meyen, in der sie glaubt, als Hausfrau und Mutter glücklich sein zu können, erkennt sie, dass doch der Film ihre Erfüllung ist. Dem „Swimmingpool“ folgen rund 30 weitere Filme, darunter „Die Dinge des Lebens“, „Das Mädchen und der Kommissar“, „Ludwig II.“, „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Und sie ist in jedem der absolute Star.

Der schlimmste Tag

Bei der Wahl ihrer Liebschaften hat sie keine gute Hand. Romy stürzt sich von einer Affäre in die andere, heiratet ihren um zehn Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini. 1977 kommt Tochter Sarah zur Welt, doch bald scheitert auch diese Ehe. 1979 nimmt sich Harry Meyen das Leben und versetzt damit seiner Ex-Frau und dem gemeinsamen Sohn einen großen Schock.

Und dann der schlimmste Tag in Romy Schneiders Leben. Am 5. Juli 1981 klettert der 14-jährige David Christopher über das Gitter des Hauses der Großeltern Biasini in einem Pariser Vorort, um über das verschlossene Gitter zu springen. Er rutscht ab, stürzt so unglücklich in die schmiedeeisernen Spieße, dass er im Spital seinen Verletzungen erliegt. Romy verliert, wie sie sagt, „den einzigen Mann, den ich immer geliebt habe“.

Romy Schneiders Tod

Sie stirbt elf Monate nach ihm am 29. Mai 1982 im Alter von 43 Jahren an den Folgen einer fatalen Mischung aus Alkohol und Tabletten.

Uns aber erinnert die bald 30-jährige KURIER ROMY an die 30-jährige Romy Schneider, die damals in der Blüte ihres Lebens und ihrer Schaffenskraft stand.

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