Das Seekirchl ist das Wahrzeichen von Seefeld und liegt wenige Gehminuten vom Ortszentrum entfernt. Hier starten zahlreiche Langlaufloipen.

© TVB Seefeld

Leben Reise
12/27/2021

Olympiaregion Seefeld: Die Stille der schmalen Spur

Die Olympiaregion Seefeld zählt zu den besten Langlaufrevieren der Alpen. Auch Alltagssportler finden auf dem Hochplateau ein vielfältiges Angebot rund um den gesunden Trendsport.

Seefeld in Tirol ist ein anderer Wintersportort: Neben Urlaubern wie du und ich geben sich hier Profisportler, Promis und Adabeis die Türklinken in die Hand und die Zahl der Luxushotels sowie Edel-Boutiquen ist erstaunlich groß. Fast wie in Kitzbühel, nur dass in Seefeld der alpine Skisport kaum eine Rolle spielt. In die Olympiaregion Seefeld – einem weitläufigen Sonnenplateau in 1.180 Meter Höhe inmitten imposanter Bergkulisse – kommt man, um gepflegten Winterurlaub abseits der Skipisten zu genießen; besonders gerne zum Langlaufen. Zum Beispiel auch Barbara Wussow oder Königin Sonja von Norwegen.

Viele unken, langlaufen komme von langweilig. Dabei erlebt man erhabene Stille und Einsamkeit des Winterwunderlands nur auf der schmalen Spur im verschneiten Wald (oder beim Schneeschuhwandern). Und der Fitness-Faktor ist – zumindest, wenn man tatsächlich langläuft – perfekt: Neunzig Prozent der Muskeln kommen zu Arbeit.

Um sportliche Motivation müssen sich Alltags-Langläufer in Seefeld nicht sorgen, denn hier trainieren zahlreiche Cracks und Profis. „Bei uns tummeln sich die großen Langläufer der Welt: Jessica Diggins aus den USA, der russische ,Badboy‘ Alexander Bolschunow und unsere nationalen Helden Johannes Lamparter, Mario Stecher oder Lukas Greiderer“, erklärt Kari Kraus vom Nordischen Kompetenzzentrum. „Weiters das nordische Team aus Deutschland samt Skispringern und Kombinierern; Profis aus Polen, Tschechien und Finnland und viele mehr.“

In der Tat sind die Voraussetzungen für nordische Sportler perfekt und vielfältig. Hier warten 245 Kilometer gespurte Loipen, etwas mehr für klassische Läufer als für Skater, großteils parallel geführt. Der Beiname „Olympiaregion“ ist verbrieft: 1964, 1976 und 2012 (Jugend-Winterspiele) fanden hier die nordischen Bewerbe im Zeichen der fünf Ringe statt; 1985 und 2019 darüber hinaus die Nordischen Skiweltmeisterschaften.

Das Epizentrum des Langlaufgeschehens ist das „Kirchplatzl“ unweit der Fußgängerzone im Zentrum und gleich hinter dem fotogenen Seekirchl. Hier liegt die WM-Arena und es starten mehrere, meist gut frequentierte Loipen. Je weiter man läuft, umso ruhiger wird es. Allerdings auch anspruchsvoller: Die ebene, drei Kilometer kurze „Nachtloipe“ am Kirchplatzl (natürlich auch tagsüber in Betrieb) geht in zwei schwarze (schwierig) bzw. drei rote (mittelschwer) Loipen über. Für Anfänger kaum geeignet!

Sehr gemütlich und überwiegend flach zeigt sich hingegen die Leutasch nördlich des Brunschkopfes: Kilometerlang ziehen die Spuren entlang der Leutascher Ache dahin – von Moos über Aue, Ahrn, Reindlau und Unterkirchen bis Schanz, kurz vor der Grenze zu Deutschland.

Recycling-Schnee

Dank „Snowfarming“ eröffnete Seefeld die Langlaufsaison bereits am 13. November: Im vergangenen, sehr schneereichen Winter wurden sechstausend Kubikmeter Altschnee gesammelt und im Wald versteckt. Die zwei gewaltigen Haufen überdauerten, mit Holzschnitzeln abgedeckt, zum Großteil den Sommer und wurden im Spätherbst auf die „Snowfarming-Loipe“ in Leutasch aufgetragen. Auf dem 2,1 Kilometer langen, weißen Band waren von Beginn an so viele Profis und enthusiastische Hobbysportler unterwegs, dass die Buchung eines Zeitslots vorab nötig war.

Das komplette Loipennetz eröffnete im Schneeloch Seefeld Mitte Dezember – wie fast jedes Jahr. „Ab einer Schneehöhe von fünfundzwanzig Zentimetern können wir perfekte Loipen präparieren“, erklärt Jojo Pölzl, Destinationsmanagement-Leiter und für den Zustand der Loipen verantwortlich. „So viel schneit es hier oft in weniger als einer Stunde!“ Dann rücken Jojos Mannen mit ihrer Flotte aus acht Loipenpräparierungsgeräten aus und sorgen mit modernster Technik für die perfekte Spur. „Meist abends oder im Morgengrauen, oft bis zu zweimal am Tag – wenn es Frau Holle besonders gut meint“, so Jojo.

Drei Tipps entlang der Loipe

Im bösen Corona-Winter 2020, als ausländische Touristen ausgesperrt waren, präsentierte sich Seefeld allerdings selber ein wenig neben der Spur. Für die Tagesgäste wurde der Präparierungsaufwand heruntergefahren. Es ist erstaunlich, wie schnell der Langläufer auf ruppigem Terrain jede Eleganz verliert und intensive Bekanntschaft mit der Schwerkraft macht (so auch die Autorin dieser Zeilen). In der heurigen Saison herrscht auf den Loipen eine strikte 2-G-Pflicht, deren Einhaltung genauso streng kontrolliert werden soll wie das Loipenticket.

Langlaufen mausert sich, ähnlich dem Skitourengehen, mehr und mehr zum Trendsport für Naturverbunde mit hohem Körperbewusstsein. Wer noch nie auf den schmalen Latten ohne Fersenhalt gestanden ist (auch Alpinskifahrer tun sich anfangs schwer!), sollte einen Kurs besuchen. Dabei bietet sich auch die Gelegenheit, beide Stile zu auszuprobieren – klassisch und Skating. Die richtige Grundtechnik ist schnell erlernt. Neben drei Skischulen mit Langlauf-Angebot hat sich die XC Academy des Seefelder Olympioniken Martin Tauber (Turin 2006) auf die Meisterklasse des „Cross Country“ spezialisiert, inklusive Rennsport und Biathlon. Apropos: Wer das Langlauf-Erlebnis mit der mentalen Komponente des Kleinkaliber-Schießens aufwerten möchte, kann hier bzw. jeden Samstag im Rahmen des Gästeprogramms Biathlon ausprobieren.

Klimafreundliche Anreise
Mit dem Zug über Innsbruck weiter mit der Karwendelbahn (Innsbruck–Seefeld: 36 Min., spektakuläre Strecke), oebb.at

Wintersport
245 km Loipen, täglich 9 bis 16.30 Uhr (akt. 2-G-Nachweis!); Loipengebühr mit Gästekarte 7 €/Tag bzw. 20 €/ Aufenthalt; sonst 11 €/Tag. Beleuchtete Nachtloipe, Hundeloipe, Vollmond-Langlaufen; Kurse und Biathlon: xc-academy.com Empfehlenswert: seefeld.com/ meinplateau-app
142 km geräumte, beschilderte Winterwanderwege; 7 Schneeschuhwanderrouten (35 km)  

Schlafen
– Ropferhof, Buchen/Seefeld: Der idyllische Hof (Wurzeln im 15. Jh.) war um 1900 ein Schmuggler-Gasthof auf dem Weg Bayern–Inntal; Ferien- wohnungen im Block-Chalet, Apartments im historischen Gehöft. Ab 108 €/Nacht o. Ver- pflegung (4 Pers.), ropferhof.at
– Krumers Post Hotel&Spa 4*S: edles Traditionshaus (Zentrum), 2.500 m² Wellness, DZ/HP ab 195 € (2 P.), krumers.com
– 5-Sterne-Luxus: astoria- seefeld.com; interalpen.com; klosterbraeu.com

Auskunft seefeld.com

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