Ich zeig dir mein New York: Zwischen Fast Food und Fine Dining

Hohenlohes auf Genuss-Tour. Mutter Martina und Sohn Louis reisen nach New York City und zeigen sich gegenseitig das Beste aus ihrer kulinarischen Welt – vom Fast-Food- bis zum Nobellokal, vom Pastrami-Sandwich bis zum 20-Gänge-Menü. Einkehrtipps für einen N.Y.-Trip
Martina Hohenlohe mit Sohn Louis.

Zurzeit leben 8,6 Millionen Menschen in New York City. Sie stammen aus mehr als 150 verschiedenen Ländern und sie alle würzen die Küche der Stadt mit einer Prise ihrer Heimat. Von Cheesecake, Hotdog und Pizza einmal abgesehen, fanden wir eine nicht enden wollende Auswahl an Küchen aus der ganzen Welt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es in New York an die 20.000 Restaurants gibt. Und das auf jedem Niveau – mein Sohn Louis und ich hatten also viel zu tun auf unserer Suche nach dem Besten.

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Die legendäre Pizzaschnitte von Joe

In New York gut zu essen, ist einfach. Fangen wir unten in der Nahrungskette an: die Pizzaschnitte ist den New Yorkern heilig. Womit wir bei Joe’s Pizza wären. Pino Pozzuoli stammt aus Neapel und ist ein hoch dotierter Gastromulti, der die legendärste ihrer Art liefert – die Beliebtheit der Pizza rührt nicht nur von der Qualität, Joe’s Pizza trat auch in Blockbustern (Dr. Strange, Spider Man 2) auf. Hier werden Massen produziert, trotzdem ist die Qualität erstaunlich: der Teig dünn und knusprig, der Belag simpel, aber das soll bei richtig guter Pizza auch so sein.

Menschen stehen vor dem Eingang von Joe's Pizza, einem New Yorker Pizza-Restaurant.

Lange Warteschlange vor Joe's Pizza.

Die Pizza ist rasch verdaut – erstaunlich, was in so einen 15-Jährigen hineinpasst – und wir gehen weiter zu Katz’s. So etwas haben wir noch nie erlebt. Eine lange Schlange vor der Tür, ist man endlich im Inneren des ältesten Delis der Stadt (1888 von jüdischen Einwanderern gegründet) gelandet, steht man noch einmal eine gute halbe Stunde mit knurrendem Magen. Das Pastrami-Sandwich, das man bekommt, ist es aber wert. Übrigens um beeindruckende 26 Euro. 

Der Ursprung

Ein hoch gestapeltes Pastrami-Sandwich mit Senf und karamellisierten Zwiebeln auf einem Teller.

Im Katz’s erhält man wunderbar gewürzte, leicht geräucherte und extrem saftige, warme Pastrami zwischen zwei Mischbrot-Scheiben.

Pastrami, wie wir sie heute kennen, hat ihren Ursprung in Rumänien. „Pastramă“ bedeutet so viel wie geräuchertes Rindfleisch – das Räuchern und Pökeln war dort wie überall auf der Welt eine Methode, um frisch geschlachtetes Fleisch haltbar zu machen. Im Katz’s erhält man wunderbar gewürzte, leicht geräucherte und extrem saftige, warme Pastrami zwischen zwei Mischbrot-Scheiben, dazu eingelegte Gurken, einen cremigen Cole Slaw und Dr. Brown’s Cream Soda. Die Portion kann man sich getrost zu dritt teilen, die Dimension ist eine andere Liga. Und somit das Sandwich fast schon wieder günstig. 

Ein Österreicher in New York

Das Pastrami-Sandwich arbeitet sich noch durch unser System, als wir um 18 Uhr unser Abendessen antreten. Für Mutter ein vor Monaten geplanter Höhepunkt: Chef’s Table at Brooklyn Fare. „20 Gänge??“, fragt mein Sohn mit schreckgeweiteten Augen. „Jawohl, Louis, weil wir es uns wert sind,“ folgt mein Schlachtruf ins Ungewisse. Ganz ungewiss war es nicht, denn den Mann am Herd verfolgen wir schon länger: Max Natmessnig (Gault&Millau Koch des Jahres 2022, damals „Chef’s Table“ in der Roten Wand in Lech). Im Chef’s Table hier, charmant im hinteren Teil eines Supermarkts versteckt, beschaffen Natmessnig und sein kongenialer Partner Marco Prins Zutaten, auf die die meisten Köche der Welt keinen Zugriff haben, weil sie zu teuer und/oder zu rar sind und auch, weil sie nicht auf die Idee kommen würden, etwas noch Besseres zu verlangen als das bereits Beste.

Marinta Hohenlohe mit Max Natmessnig (l.) und Marco Prins (r.) im Chef’s Table at Brooklyn Fare.

Marinta Hohenlohe mit Max Natmessnig (l.) und Marco Prins (r.) im Chef’s Table at Brooklyn Fare

Nur Bestes ist gut genug

So lassen sie japanischen Meisterköchen Felsenbrasse unter der Nase wegkaufen, Seeigel kommt aus Japan und San Francisco und die Waffeln aus Belgien. Sie vereinen die Produkte mit ihrer Leidenschaft für die besten Küchen zu den vielschichtigsten und feinfühligsten Speisen, die man überhaupt irgendwo genießen kann. Die alle Sinne tanzen lassen.

Das Frühstück tags darauf fällt sogar für Louis aus, und wir widmen uns dem Lunch im Chelsea Market. Abgesehen von Kleider- und Korbgeschäften besteht der Markt aus Essen, bemerkenswert ist Pizzeria Filaga (sizilianische Einwanderer pflegen hier eindrucksvoll ihr kostbares Erbe) und Los Mariscos mit seinem mexikanischen Streetfood-Flair – und den knusprigsten Fisch- und besten, scharfen Garnelentacos, die wir bisher finden konnten.

Eine Karte von Manhattan mit den Standorten verschiedener Restaurants.

 Ramen sind nichts Elegantes. Sie sind salzig und fettig und haben zu viele Kalorien – aber sie sind verdammt gut!

von Ivan Orkin

Restaurantbesitzer

Der Spaziergang auf der Highline und der frische Wind, der vom Hudson hereinweht, macht Bauch und Kopf wieder frei und wir freuen uns auf das Abendessen. Ramen. Ich wurde durch die kulinarische Netflix-Serie „Chef’s Table“ auf dieses Restaurant aufmerksam. Ein Glücksfall, auf das Ivan Ramen in der Lower East Side wäre ich sonst niemals gestoßen. Was ich versäumt hätte: Die wohl besten Ramen meines Lebens, bissfeste Nudeln in dichter, intensiver, gehaltvoller Suppe. Verantwortlich dafür ist Ivan Orkin, der in Japan studierte und arbeitete, danach das Culinary Institut besuchte und in Spitzenrestaurants Erfahrungen sammelte, bis er Ramen auf höchstem Niveau in seinem Lokal produzierte. „Ramen sind nichts Elegantes. Sie sind salzig und fettig und haben zu viele Kalorien – aber sie sind verdammt gut!“, sagt Orkin über sein Signature Dish in „Chef’s Table“. Jede Kalorie wert.

Tonkotsu Ramen mit Schweinebauch in Ivan Ramen.

Tonkotsu Ramen mit Schweinebauch in Ivan Ramen

Pariser Flair auf der Upper East Side

Zum Abschluss gönnen wir uns etwas Besonderes: 2023 wagte das legendäre Pariser Restaurant Caviar Kaspia den Sprung über den Großen Teich und eröffnete eine Dependance im legendären „The Mark“-Hotel. Das Interieur stammt von Designer Jacques Grange, der die DNA des Pariser Originals gekonnt auf die Upper East Side übersetzte – ikonische blaue Tischdecken, smaragdgrüne Samtbänke, holzgetäfelte Wände, eine skulpturale Bar aus schwarzem Marmor und eine warme Beleuchtung. Der kulinarische Protagonist ist der Kaviar, eh klar, und kommt auf Ofenkartoffel, Blinis mit geräuchertem Lachs und Bottarga, in vegetarischer Form aus verflüssigtem und zerstoßenem Trüffel, auf Allerei vom Ei und auf knusprigem Erdäpfelrösti mit Crème fraîche und Schnittlauch – unser Favorit.

Das The Mark Hotel selbst ist ja keine unbekannte Institution. So ist seine Lage am Central Park ein Einser-Argument und es bietet auch die größte Suite der Stadt – mit sagenhaften 1.100 Quadratmetern.

Das Restaurant Caviar Kaspia im „The Mark“ in New York.
Rösti mit Crème fraîche und Kaviar.

Fazit

Es war die Woche der vollen Bäuche. Zwei Food-Freaks auf Abwegen in die jeweils andere Welt – es soll uns nichts Schlimmeres passieren. Solange ich bei Louis Kirchen und Kunstmuseen auslasse, ist Harmonie Programm. NYC hat uns verschluckt und nach einem Wirbelsturm durch die verschiedensten Ecken und Enden der Insel ausgespuckt. Und das ist gut so.

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