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Leben
02/05/2019

Polizei: Große Rekrutierungsaktion mit wenig Erfolg

Aufwendige Kampagne: Umstrittene Werbung brachte bisher nur eine Handvoll neuer Exekutivbeamter

von Dominik Schreiber

Das Innenministerium setzt seit rund einem Jahr auf eine noch nie da gewesene – polarisierende – Rekrutierungskampagne. 11.000 neue Beamte sollen in dieser Legislaturperiode aufgenommen werden, das Ressort von Minister Herbert Kickl (FPÖ) wirbt deshalb mit Luxusautos wie dem KTM-X-Bow und an ungewohnten Orten – wie bei Maturareisen, der Unterberger Boxnacht oder der Heißluftballon-WM in Großsiegharts. Dazu gibt es serienweise Inserate in rechts gerichteten Medien.

Im Ressort zeigt man sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden, Generalsekretär Peter Goldgruber pries zuletzt in einem Interview die Erfolge an. Beinahe monatlich werden die neuesten Bewerberzahlen kundgetan, vor allem neue Rekorde bei den Interessenten werden berichtet. Kritik an der Kampagne gab es bisher vor allem von der Polizeigewerkschaft, den Neos und der SPÖ.

Neue Aufnahmezahlen

Schaut man sich die neuesten Zahlen des Innenministeriums zu den Neuaufnahmen an, dann entsteht der Eindruck, dass die Rekrutierung im ersten Jahr (noch?) wenig gebracht hat. 1685 Polizisten begannen im Vorjahr ihre Ausbildung. Das sind nicht wirklich viel mehr als in den Jahren zuvor – da waren es 1601 beziehungsweise 1642.

Zieht man noch heran, dass heuer dem Vernehmen nach mehr Polizisten in Pension gehen werden als in den Jahren zuvor und so viele wie noch nie freiwillig den Dienst quittieren werden (allein in Wien im Vorjahr laut Insidern erstmals 80 Personen), gibt es netto kaum mehr Polizisten, die zum Dienst antreten.

Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen: Die vielen Bewerber haben den anschließenden Test nicht bestanden. Oder es gibt zu wenig Ausbildungsplätze.

Der oberste Polizeigewerkschafter, Reinhard Zimmermann, sieht sich dadurch jedenfalls in seiner Kritik bestätigt. Die teure Kampagne bringt nicht den erwünschten Erfolg: „Diese Ressourcen hätte man woanders besser verwenden können.“

Auch die bisher heftige Kritikerin Stephanie Krisper (Neos) meint: „Kickl hat außer unredlichen großen Ankündigungen wieder einmal nichts weitergebracht. Die Zahlen zeigen: Er setzt auf Showpolitik und teure Veranstaltungen anstatt auf echte Verbesserungen für die Polizei und damit unsere Sicherheit.“

Im Innenministerium heißt es dazu: „Die Zahlen sind rollierend und nicht auf ein Jahr abgrenzbar, da es ja laufend die Möglichkeit einer Bewerbung gibt – beziehungsweise mehrmals im Jahr neue Kurse einberufen werden.“ Die Zahl der Neuaufnahmen hänge von mehreren Kriterien ab, etwa den Kapazitäten an den Polizeischulen.

Auch haben laut Innenministerium einige Bewerber ihre Bewerbung in verschiedenen Stadien des Aufnahmetests wieder zurückgezogen, was teils auf die lange Dauer des Aufnahmeverfahrens „alt“ zurückgeht. Daher wurde das neue Aufnahmeverfahren in zeitlicher Hinsicht, wie bereits berichtet, erheblich gestrafft.