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Leben
01/01/2019

Paaradox im Interview: Nieder mit den Beziehungs-Erwartungen!

Die Paaradox-Kolumnisten Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl über Beziehungstücken im alten und im neuen Jahr.

von Julia Pfligl

Es weihnachtet schon sehr im Hause Hufnagl-Kuhn: Die Vanillekipferln duften, die Lichterkette sitzt, der Papierstern ebenso. (Kuhn, stolz: „Den hab’ heuer zum ersten Mal ich aufgehängt!“ Hufnagl: „Sieht man, schau, wie schief der hängt!“) Humorige Spitzen ist man vom Kolumnisten-Ehepaar mittlerweile gewohnt: Seit sieben Jahren liefern sie sich jeden Sonntag im KURIER-Mein Sonntag einen liebevollen Schlagabtausch, das zugehörige Kabarettprogramm „Paaradox“ geriet zur Erfolgsproduktion. Im Jänner geht das Ehe-Pingpong im Rabenhof in die zweite Runde. Motto: „Schatzi, geht’s noch?“ Ja, das tut es – denn der Alltag liefert auch nach 20 Jahren Beziehung noch genügend Stoff. Ein vorweihnachtliches Gespräch unter Kollegen über die Tücken von stillen Erwartungen, Queen-Lieder am Heiligen Abend und die Sache mit den Klischees.

KURIER: Das Entwirren der Lichterkette, die Teelichter-Sammlung, das Fußball-Schauen – läuft man mit einer Paarkolumne nicht ständig Gefahr, Geschlechterklischees zu reproduzieren?

Michael Hufnagl: Ich sage das auch mit Nachdruck in meinem Soloprogramm: Klischees fallen ja nicht vom Himmel, sie haben immer den Hintergrund des Erlebten. Und man darf gewisse Dinge nicht so wahnsinnig eng sehen. Ich empfinde das Spiel mit der Unterscheidbarkeit, die liebevolle Typisierung der Geschlechter, als einen totalen Lustgewinn. Ich finde es schön, dass wir so verschieden sind, und wir müssen das nicht bei jeder Gelegenheit zurechtrücken.

Gabriele Kuhn: Ich finde den Klischeebruch aber auch sehr wichtig, das wird auch im neuen Programm Thema sein. Zu mir kommen oft Frauen, die sagen „Ich bin aber eher wie Ihr Mann“, oder Männer, die sagen „Ich räum’ den Geschirrspüler nicht um, das macht meine Frau“. Das, was wir schreiben, ist typisch für uns, aber nicht zwingend für Mann und Frau.

So eine Kolumne hat ja auch einen paartherapeutischen Effekt – Ihr setzt Euch jede Woche mit einem anderen Beziehungsthema auseinander. Sollten Paare so etwas öfter tun?

Hufnagl: Der therapeutische Effekt ist sicher gegeben. Gaby schreibt ihre Kolumne immer zuerst, da ist es dann oft so, dass ich da sitze und mir denke, aha, das hat sie also beschäftigt, interessant, dass das überhaupt ein Thema ist. Unter der Woche machst du oft so Übersprungshandlungen und merkst das gar nicht. Wenn ich ihre Kolumne lese, muss ich zuerst reflektieren und überlegen, was ist ihre Botschaft, was will sie mir damit sagen.

Kuhn: Es ist ganz wichtig, ehrlich zueinander zu sein, und zwar in wertschätzender Form. Nicht , „Du schon wieder ...“, sondern „Ich wünsche mir ...“. Eine der größten Tücken sind stille Erwartungshaltungen. Man stellt sich schon den ganzen Tag vor, wie toll das gemeinsame Abendessen wird, dann ist der andere gereizt und überarbeitet und der ganze Abend hinüber. Es ist wichtig, in einer Beziehung authentisch zu bleiben – in seinen Gefühlen, seinen Bedürfnissen, seiner Not. Es ist ja oft so, dass etwas weh tut. Sagt, dass es weh tut!

Hufnagl: Ich bin überzeugt, dass neun von zehn Auseinandersetzungen die Folge falscher Erwartungshaltungen sind. Es beginnt harmlos, du schluckst es hinunter oder machst eine bissige Bemerkung, weil du dir etwas anders vorgestellt hast. Statt zu sagen, was man konkret will, bleibt jeder ein bisschen in seiner beleidigten Zone, bis sich das Ganze entzündet. Dabei war es am Anfang nur eine Kleinigkeit.

Erwartungen sind um Weihnachten noch höher als sonst. Laut Studien trennen sich Paare häufig nach den Feiertagen. Wie steht es um die Weihnachtsharmonie im Hause Hufnagl?

Kuhn: Wir hatten zu Weihnachten eigentlich nie Konflikte. Zum Glück ist Michi sehr verspielt und ein Familienmensch. Man darf nur nicht starr bleiben, muss sich für neue Entwicklungen öffnen. Weihnachten ist erfüllt von Ideen und Erwartungen: Alles muss perfekt sein oder so, wie es immer war. In Wirklichkeit verändert sich das aber permanent. Wir feiern heuer zum Beispiel erstmals ohne meinen Sohn, der bei seiner Freundin in den Niederlanden ist. Vor drei Jahren waren wir nach der Bescherung bei Freunden und haben bis fünf Uhr früh zu Queen-Songs getanzt. Dieses „So muss es sein“ ist die Tücke und für die Beziehung eine Belastung.

Wie gelingt ein harmonisches Weihnachtsfest in der Familie?

Kuhn: Erwartungshaltungen herunterschrauben, nichts hineinprojizieren. Nehmt Weihnachten als das, was es ist: ein Fest der Liebe. Zusammenkommen, einander mögen, den anderen nicht verändern wollen. Wichtig ist die Leichtigkeit ... so wie Schneeflocken, die vom Himmel fallen. Die Kunst ist, das alles zu zelebrieren. Wir gehen kurz vor dem 24. immer gemeinsam in die Stadt, trinken ein Glas Sekt, besorgen Geschenke und packen sie dann gemeinsam ein, obwohl wir wissen, dass wir ganz schlechte Einpacker sind.

Hufnagl: Seid entspannt und tut nicht nur so! Wenn etwas nicht so toll ist, ist das oft viel gescheiter, als wenn alles perfekt ist und so viel Spannung drinnen ist. Ich glaube, dass bei uns nie etwas perfekt ist. Das zu wissen – zu wissen, es muss es auch nicht sein –, hilft sehr.

Zur Person

Michael Hufnagl (48) und Gabriele Kuhn (58) sind seit 2005 verheiratet und arbeiten als freie Autoren in Wien. Im KURIER schreiben sie die Er-Sie-Kolumne „Paaradox“. Sie haben eine gemeinsame Tochter (18).

Die Premiere des neuen Paaradox-Programms „Schatzi, geht’s noch?“ findet am 23. Jänner  um 20 Uhr im Theater Rabenhof statt. Weitere Termine: 31. 1., 24. 2., 18. 3.,  8. 4.

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