© Jeff Mangione

Kolumnen
12/16/2018

Paaradox: Romantik an der Leine

Bummeln mit Hund: Es sollte sehr beschaulich werden, aber Gusti wollte es anders.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

Das Wesen der Romantik ist die Ungewissheit, so Oscar Wilde. Also sprach ich zum Mann nebenan im Advent:  Lass uns  bummeln gehen. Weil wir  in der Hundeschule gehört hatten, wie wichtig es sei, den Junghund ans Leben da draußen zu gewöhnen, entschieden wir: Gusti bummelt mit.

Fuchteln statt schlendern

Auf der Kärntner Straße: Gusti legt sich hin‚ geht keinen Schritt weiter und schaut. Statt  zu schlendern, fuchteln wir  mit Leckerlis herum und reden  auf den Hund ein: Hiiiiiiiier Gusti. Gusti komm. Was dem Gusti eher wurst ist. Ein Herr fragt, wer Gusti ist: der Mann oder der  Hund?  Hund erhebt sich und gackt neben den Christbaum einer Nobelboutique. Ich, hysterisch, zum Mann nebenan: Hast ein Gackisackerl? Er: Ich habe überall Gackisackerln. Jetzt bummeln! Gusti will aber lieber in den Peek und Cloppenburg, dem Maronimann die Erdäpfelpuffer wegfressen und sich mit der Leine um unsere Beine wickeln. Ich versuche es mit romantischer Konversation: Schön, dass wir zwei…. Gusti, Fuß!, …äh, wir zwei….Gusti, neiiiin, das Prada-Sackerl gehört der Dame…., also, dass wir zwei heute… was wollte ich sagen? Er: Du wolltest sagen, dass du es schön findest…. Gusti, aus. Hier! Und du findest, dass…. Gustav, das ist nicht deine Leberkässemmel! Äh… ich weiß  nicht, was du sagen wolltest. Zeit für  den Punschstand.  Gusti macht es sich auf einer Decke zwischen uns gemütlich. Als wir romantisch anstoßen wollen, kommt eine  Dame, schaut den Mann nebenan an und sagt: Moi, darf ich streicheln? Die Frage ist nur: wen? Nun war das Projekt „Romantikbummel“ definitiv zu Ende. Daheim schauten wir den Film „Ein Hund namens Weihnachten“. Gusti verschlief ihn.

Paaradox neu: „Schatzi, geht’s noch?“ 23. 1., 31. 1., 24. 2. im Rabenhoftheater, alle Termine: paaradox.at

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Er

In der Hundeschule lernt man nicht nur viel über das Verhalten von Tieren, sondern mindesten so viel  über jenes der sonderbaren Spezies Mensch im (falschen) Umgang mit deren Lieblingen. Aber die Arbeit trägt Früchte. Mittlerweile benötigt es nur mehr neun „Hiiiiiiieeeeeer!“, um Gauner Gustav aus der Spielsituation zurückzurufen, wir waren schon bei fünfzehn. Und dass man sich nach einer Stunde „Gusti! Gusti! Gusti!“, „Sitz! Braaav! Platz! Braaav! Aus! Braaav! Nein! Braaav! Fuß! Braaav!“ als sprachlich völlig verarmter Erziehungsdolm fühlt, der ohne  jede Scham in einem Atemzug „Frauli, Herrli“ und „Leckerli“ sagt, sei nur am Rande erwähnt. Tatsache ist, dass uns die beiden tollen Trainerinnen mit Nachdruck empfahlen, den Bub an Orte mit erhöhtem Leute-Vorkommen zu gewöhnen.

Sozialisierung

Geraten. Getan. Und bald darauf  zogen  gnä Kuhn, ich und der listige Leinen-Lauser als Trio Infernale durch die Innenstadt, um den Trubel als Normalität erlebbar zu machen. Für die Liebste war dieser Auftrag zur Sozialisierung freilich auch gleich eine wunderbare Gelegenheit, nicht nur den störrischen Gatten (den zumindest ohne Leine) durch die Gassen zu lotsen, sondern auch den Hund, der ihr diese Idee prompt mit unerschöpflicher  Neugier dankte. Gustav  fiel durch einen so aufgeweckten  Aktionsradius auf, dass wir  zwar kaum ein Wort (miteinander wohlgemerkt) sprechen, dafür umso mehr lachen durften. Und erst am Ende offenbarte uns der Junior diesen vorweihnachtlichen „Holt-mich-hier-raus“-Blick“, der nur einen Gedanken in mir entfesselte: Tja, Gustav, gewöhn’ dich dran, so ist das Männerleben.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 13. 1. Wien (CasaNova),  25. 1. Puchkirchen, 18. 2. Wien (Akzent), 8. 3. Brunn

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