© Uni Wien

Satellitenstart
02/25/2013

Sternstunde für Österreich

Zwei österreichische Kleinsatelliten sollen Röntgenbilder der Sterne liefern.

von Martin Burger, Susanne Mauthner-Weber

Eins vorweg: Die weiß-rot-weiß-rot-weiß gestreifte Trägerrakete ist nicht abgestürzt, obwohl bei Satellitenstarts immer wieder was schief geht, wie der Astrophysiker Werner Weiss kurz vor Start der beiden österreichischen Kleinsatelliten UniBRITE und BRITE Austria erläuterte – dafür aber der Livestream. Kein Bild aus Indien vom historischen Moment, auf den die Weltraumforscher der TU Graz und der Universität Wien acht Jahre lang hin gearbeitet haben. Das Letzte, was über den Äther kommt, ist die Durchsage: „Weather is very clear“. Für den Fall eines Scheiterns des „Launch-Events“ hatten sich die Forscher schon das geeignete Statement zurechtgelegt: „In der Wissenschaft braucht man einen langen Atem.“

Als die Verbindung wieder steht, ist die Anspannung der versammelten Forscher greifbar. „Ich hoffe, das ist kein Archivmaterial“, sagt der Moderator, als er die Flugbahn der Rakete beobachtet. Bald wird klar: Der Start ist geglückt. In der überhitzten Universitäts-Aula in Wien brandet Jubel auf. Der herbeigeeilte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle gratuliert. Die beim Start 44 Meter lange Rakete hat da bereits mehrere Hundert Kilometer zurückgelegt und steht kurz davor, das vierte Triebwerk zu zünden.

Zwei von sieben

20 Minuten später haben die Forscher erneut Grund zum Jubeln. Weiss reckt die Arme in die Luft: „BRITE ist draußen, das hamma geschafft“. Die weiß gewandeten indischen Ingenieure im Satish Dhawan Raumfahrtzentrum bleiben cool. In der Rakete, die die österreichischen Satelliten ins All bringt, befinden sich insgesamt sieben Satelliten: Neben den österreichischen werden ein französisch-indischer, zwei kanadische, ein dänischer und ein britischer Satellit nacheinander ausgesetzt.

In ihrer erdnahen Umlaufbahn in 800 Kilometern Höhe beginnt die eigentliche Mission der baugleichen Hightech-Würfel. Mit den Aufnahmen von zwei speziell konstruierten Digitalkameras soll in den nächsten Jahren das Innere von hellen Sternen erforscht werden. Bei einer Belichtungszeit von einer Minute werden Bildsequenzen in Rot und Blau angefertigt. UniBRITE misst im roten, BRITE Austria (=TUGSAT-1) im blauen Wellenbereich. Aus den Helligkeitsschwankungen des Sternenlichts wollen die Forscher Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Sterne gewinnen (siehe links).

Tag-Nacht-Grenze

Die beiden Satelliten bewegen sich entlang der Tag- Nacht-Grenze über den Polen. Die Satelliten brauchen von einer Seite Sonnenlicht, um die Akkus aufzuladen und von der anderen Seite die Dunkelheit, um die Helligkeit der Sterne messen zu können. „Unser Projekt ist klein, aber fein“, sagt Weiss, Leiter der österreichischen Forschungsmission.

Mindestens zwei Jahre sollen die Solarzellen der Satelliten halten, und so lange können die beiden Satelliten die Erde umkreisen. Dieser erste Start werde keine Eintagsfliege bleiben, sagt Otto Koudelka vom Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation in Graz.

In Wien, wo die Sektflaschen schon vor dem letztlich erfolgreichen Start geöffnet wurden, war man schon wieder zum Scherzen aufgelegt. Die thronartigen Sesseln für indische Honoratioren und Regierungsmitglieder werde man sich für den nächsten Start zum Vorbild nehmen. Aber da war der Minister schon nicht mehr da.

Laut Infrastrukturministerin Doris Bures betragen die Gesamtkosten der Satelliten-Mission 1,5 Millionen Euro, vom Infrastrukturministerium kommen 340.000 Euro.

Geheimnis der Sterne

Aufklärer

Erstaunlich wenig ist über die hellen Punkte, die wir in klaren Nächten am Himmel sehen, bekannt. Über die Sterne, vor allem über ihr Inneres, existiert in erster Linie Theorie. Mit Hilfe von monochromen Aufnahme-Serien der BRITE-Satelliten (BRIght Target Explorer) in Rot und Blau wollen die Forscher auf das Innenleben von sehr hellen und massereichen Sternen schließen und so mehr über die Geschichte des Universums erfahren.

Kontakt

Die Umlaufzeit der Erdtrabanten beträgt etwa 100 Minuten. Nur zehn bis zwölf Minuten davon stehen sie täglich mit einer Bodenstationen an der TU Graz oder in Wien in Kontakt.

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