Meerestiere aus Glas und Bauanleitung fürs Fernrohr

Naturhist museum…
Foto: /NHM Wien/Alice Schumacher Blütenmodelle aus Gelatine von Brendel (1870)

Eine neue Ausstellung zeigt, wie Wissen seit 1755 an Studenten der Uni Wien vermittelt wird.

Versteckt in einem Zwischenboden und von einer dicken Staubschicht umhüllt – die Glaspräparate von wirbellosen Meerestieren, die Leopold und Rudolph Blaschka zwischen 1863 und 1890 hergestellt hatten, wurden erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederentdeckt. Hunderte Jahre zuvor halfen die lebensecht dargestellten Glasmodelle Studenten dabei, den Organismus von Seeanemonen, Oktopoden und Quallen zu verstehen – unverzichtbar für den universitären Lehrbetrieb. Die filigranen Glastiere sind Teil der neuen Ausstellung "Wissen der Dinge" im Naturhistorischen Museum. Anlässlich des 650-jährigen Jubiläums der Universität Wien werden seltene Objekte gezeigt, die vor Augen führen, wie Wissen im Laufe der Jahrhunderte gewonnen und an Studenten weitergegeben wurde. Dazu gehört etwa ein Auszugsfernrohr und dessen Bauanleitung für Studenten aus dem Jahr 1800. In puncto Astronomie war die Universität dank Johannes von Gmunden, Georg von Peuerbach und Regiomontanus an bestens etabliert. "Die Vertreter der astronomischen Schule waren Wegbereiter für Kopernikus", erklärt Kuratorin Claudia Feigl.

Pflanzenmodelle

Die aus gefärbter Gelatine hergestellten Pflanzenmodelle von Robert und Rudolf Brendel veranschaulichen die inneren Strukturen der Pflanzen. Das Wachsmodell eines Lanzettfischchens, der als nächster lebender Verwandter der Wirbeltiere gilt, wurde bei Prüfungen herangezogen: Studenten mussten die Teile in richtiger Reihenfolge zusammenbauen.

Dass teils auch improvisiert wurde, bewies der Geologieprofessors Leopold Kober in der Zwischenkriegszeit. Er übermalte einen historischen Standglobus, auf dem er die Gebirgsbildungstheorie darstellte.

Was an Wissen allerdings nicht überliefert wurde, ist, wie Vater und Sohn Blaschka ihre außergewöhnlichen Glasskulpturen hergestellt haben. Zeit ihres Wirkens haben sie keine Lehrlinge eingestellt. Bekannt ist nur, dass ihnen lebende Tiere im hauseigenen Aquarium als Vorbilder dienten.

(kurier) Erstellt am
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