Leben
30.08.2017

Nervös? Neo-Lehrer vor ihrem ersten Schultag

Wie bereiten sich Junglehrern auf ihre erste Schulklasse vor? Der KURIER fragte nach.

Zwölf- oder 13-mal haben sie den Schulbeginn miterlebt – doch dieser ist ganz besonders. Denn zum ersten Mal werden sie nicht in den Bänken sitzen, sondern vor der Tafel stehen. Alleine in Wien starten am 4. September tausend Pädagogen ins Berufsleben. In der Hauptstadt stehen die Chancen derzeit besonders gut, eine Stelle zu bekommen, weil derzeit viele Lehrer in Pension gehen und die Zahl der Schüler stark zunimmt.

Für die Junglehrer ist das ein neuer Lebensabschnitt, auf den sie sich zwar freuen, vor dem sie aber auch einen gewissen Respekt haben – geht es doch darum, den Schülern etwas beizubringen und sie gleichzeitig in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Eine gesellschaftlich enorm wichtige Aufgabe – denn der Lehrer bzw. die Lehrerin ist der Hauptfaktor für den Lernerfolg eines jungen Menschen. Wie gehen die angehenden Pädagogen mit den Anforderungen um? Was sind ihre Bedenken, Hoffnungen und Befürchtungen? Worauf freuen sie sich am meisten? Der KURIER hat drei Neo-Pädagogen befragt.

Anna-Sophie Haider: „Auf viele wichtige Dinge wird man eher wenig vorbereitet“

Nach fünf Jahren intensivem Lehramtsstudium ist die Niederösterreicherin froh, dass sie nun endlich von der Theorie in die Praxis wechseln kann. „Natürlich bin ich nervös, aber die Freude überwiegt. Ich freue mich wirklich sehr auf die neue Herausforderung.“ Im Stiftsgymnasium Melk wird sie ab sofort 17 Stunden Englisch und Biologie unterrichten. „In den vergangenen Wochen bin ich den Stoff immer wieder durchgegangen und habe mir überlegt, welche Kapitel mir besonders wichtig sind. Man hofft natürlich, dass man auf die ersten Stunden gut vorbereitet ist – auch wenn ich weiß, dass bestimmt irgendetwas kommen wird, das man nicht vorbereiten kann.“

Die Jahresplanung hat Haider bereits abgeschlossen – diese muss am Schulanfang vorgelegt werden. Apropos Vorbereitung: Fachlich fühlt sich die 24-Jährige vor allem in Biologie fit fürs Klassenzimmer. „In Englisch fühle ich mich eher durch die Nachhilfe-Stunden, die ich gegeben habe, vorbereitet als durch meine Ausbildung an der Uni. Generell werden während des Studiums viele wichtige Dinge eher wenig vermittelt – zum Beispiel, wie man eine Schularbeit korrigiert oder in welchen Fächern man wie prüfen darf.“

Als Pädagogin ist ihr wichtig, eine Balance zu finden: „Es sollte fachlich schon etwas verlangt werden, aber auch genügend Verständnis für die Schüler vorhanden sein.“ Auf die Arbeit mit den Mädchen und Buben, die nur wenige Jahre jünger sind als sie, freut sie sich besonders. „Ich finde es cool, dass man in diesem Beruf Einfluss auf Jugendliche nehmen kann. Ich hoffe, dass ich in ihnen das Interesse für meine beiden Fächer wecken kann.“

Romana Polansky: „Die strahlenden Gesichter begeistern mich am meisten“

Die Lehrerin der Neuen Mittelschule für Englisch, Bildnerische Erziehung und Biologie in Wien freut sich am meisten auf die strahlenden Gesichter der Kinder. „Auf diesen Moment, in dem man merkt, dass bei ihnen etwas angekommen ist. Dieses Aha-Erlebnis hat mich während meiner Praxisstunden begeistert“, sagt sie.
Dass Neue Mittelschulen (NMS) oft auch Brennpunkte sind, in denen Probleme kumulieren, ist ihr bewusst. Allerdings habe sie bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht, im Gegenteil. „Ich habe festgestellt, dass es weniger von der Schulform, sondern vielmehr vom schulinternen Klima abhängt, wie die Schüler und Schülerinnen miteinander umgehen.“

Sie selbst ist in ein Gymnasium gegangen, weshalb ihr die NMS anfangs ein bisschen fremd war. „Der einzige Unterschied ist der, dass auf das individuelle Lerntempo der Schülerinnen und Schüler mehr Rücksicht genommen wird.“ Natürlich ist ihr bewusst, dass der Unterricht bisher in einem künstlichen Praxisumfeld stattgefunden hat, und sie nicht alleine für die Schülerinnen und Schüler und ihren Lernerfolg verantwortlich war. „Ich habe deshalb auch Respekt vor dem, was jetzt auf mich zukommt.“ Gut vorbereitet fühlt sich die 29-Jährige, die zuvor Kunstgeschichte studiert hat, jedenfalls, da sie im Studium sehr viel Praxis hatte.

Martin Mayerhofer: „Vorbild zu sein, hat für mich einen hohen Stellenwert“

Der Noch-Student ( Mathematik und Informatik) wird neben der Uni einen Tag pro Woche Informatik unterrichten: „Die Ungewissheit, wie mein erster Tag verlaufen wird, beschäftigt mich, aber ich denke, dass das in der Natur der Sache liegt. Schließlich beginnt ein neuer Lebensabschnitt, auf den ich sehr lange hingearbeitet habe.“

Der 22-Jährige hat „durchaus Respekt“ davor, neben dem Studium zu unterrichten. „Doch ich habe mir diesen Schritt gut überlegt und bin bereit dafür.“ Besonders freut sich Mayerhofer, dass seine ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer nun seine Kollegen werden – das Stiftsgymnasium Seitenstetten hat er nämlich selbst schon als Schüler besucht. Worauf freut sich der Mathematiker sonst noch? „Am meisten Vorfreude bereitet mir die Aufgabe, meine Schülerinnen und Schüler möglichst gut zu unterstützen und sie in ihrer Ausbildung zu begleiten. Lehrer zu sein bedeutet nicht nur, Wissen zu vermitteln. Ein Großteil meiner Motivation, mit jungen Menschen zu arbeiten, liegt darin, die Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu fördern. Vorbild zu sein und mit Schülern auf menschlicher Ebene zu arbeiten, hat für mich einen großen Stellenwert.“

Dass manche Menschen Angst vor seinen Fächern haben, ist ihm bewusst. „Auch die Informatik enthält mathematische Elemente. Hier sind wir künftigen Lehrer gefordert, auf welche Weise wir Mathematik an die Schüler herantragen und sie in ihnen abbilden.“

Es sei auch die Aufgabe der Gesellschaft, jungen Menschen kein falsches Bild von Mathematik zu vermitteln. „ Ich denke, dass Mathematik in der Schule nicht umsonst diesen Stellenwert hat. Die Voreingenommenheit gegenüber Mathematik in den Schülern auszublenden, wird eine große Herausforderung sein, die ich jedoch gerne annehme.“