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Leben Mode & Beauty
10/24/2021

Parfum-Experten: So hat sich der Duftgeschmack der Männer geändert

Duftpoet Paul Divjak über zunehmend fließende Geschlechterrollen in der Parfumwelt und welchen großen Fauxpas es zu vermeiden gilt. Plus: Fünf KURIER-Nasen testen neue Männerkreationen.

von Maria Zelenko

„Glaub nur nicht, dass ich Frauen nicht sehen kann, nur weil ich sie nicht sehen kann“, sagte Al Pacino vor fast 30 Jahren in seiner Rolle als blinder Kriegsveteran in „Der Duft der Frauen“. Er vermochte es, sein Gegenüber zu beeindrucken, indem er dessen Parfum innerhalb von Sekunden benennen konnte. Mit Erfolg: Der Hollywood-Star heimste mit der Darstellung seinen bislang einzigen Oscar ein. Die Inszenierung wohlduftender Frauen blieb auch später ein Hitgarant und fand ihren bisherigen Höhepunkt in der Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfum“, in dem Jean-Baptiste Grenouille für die Kreation des perfekten „Engelsdufts“ aus der Haut einer Frau sogar zum Mörder wird.

Deutlich weniger Beachtung fand im Laufe der Geschichte der Männerduft. Diesem widmet sich nun Paul Divjak, Duftpoet und prämierter Duftdesigner, in seinem Buch „Der parfümierte Mann“. Darin gibt der Wiener einen philosophischen Überblick über herausragende Kreationen des 19. Jahrhunderts bis heute.

Mann will vermehrt Florales

Was genau einen maskulinen Duft ausmacht? „Die Würzigkeit von Vetiver, das Süßlich-Erdige von Eichenmoos oder das geräucherte Aroma von Birkenteernoten gelten erfahrungsgemäß als maskulin“, sagt Divjak im KURIER-Gespräch. „Vorstellungen und Duftinterpretationen werden auch kulturell und zeitlich bedingt unterschiedlich wahrgenommen: Mancherorts sind Aromen eher ’feminin’ konnotiert, wohingegen sie in anderen Ländern als ’unisex’ wahrgenommen werden, oder unter ’maskulin’ firmieren. Die Grenzen verlaufen oftmals und zunehmend fließend.“

Dass die Kundschaft beim Kauf eines Parfums immer seltener in strengen Geschlechterrollen denkt, beobachtet auch Nicole Schafroth, Chefeinkäuferin bei den Wiener Parfümerien Kussmund, Le Parfum und Nägele & Strubell: „Immer mehr Männer greifen mittlerweile zu floraleren Düften. Umgekehrt probieren Frauen zunehmend auch Kreationen, die eigentlich typisch männlich anmuten.“

Anmut oder Zumutung

Für Paul Divjak lässt sich ganz allgemein sagen: „Parfum hat kein Geschlecht. Was gefällt, kann und sollte (auf)getragen werden.“ Was die Beziehung von Männern zum Inhalt ihrer Flakons angeht, beobachtet der Duftpoet sehr wohl einen Unterschied: „Frauen tragen eher unterschiedliche Parfums zu unterschiedlichen Anlässen und Jahreszeiten. Männer scheinen mehr einem einzigen Duft die Treue zu halten.“

Wie Mann in der Fülle an ständigen Parfum-Neuerscheinungen den perfekten Duft für sich findet? „Wenn wir uns vom Getöse des Marketings und stereotypen Verkaufsargumenten sowie überkonzentrierten und lauten Parfums nicht beeindrucken lassen, ist schon einmal viel gewonnen“, sagt Paul Divjak. Und gibt zum Abschluss des Gesprächs noch einen Rat zur Vermeidung eines typischen Fauxpas: „Wenn dich ein Duft anspricht, vertraue darauf, dass weniger mehr ist. Es ist die richtige Dosierung, die über Anmut oder Zumutung eines Duftes entscheidet. “

Fünf KURIER-Nasen testen neue Männerdüfte

"Sauvage Elixir" von Dior: Mein  Kollege gegenüber kann sich in den kommenden Wochen nicht vor mir verstecken. Denn ich habe Florian P. (ganzer Name mir bekannt) mit Sauvage Elixir  eingesprüht, der Duft hängt seit Tagen in der Luft wie eine Wolke bei Windstille.  Je öfter man daran schnuppert, desto eher gewöhnt sich die Nase an Holznote und Lavendel-Spritzer. Sicherlich kein Duft, den man sich in Dior schmieren kann.  Alexander Strecha

"Hero" von Burberry: Ich verwende immer jenen Duft, den mir jemand geschenkt hat. Nicht ich suche das passende Parfum für mich, ich füge mich dem aktuellen Duft: Ist er süß, bin ich Zucker, ist er herb, werde ich Moschus. „Hero“ macht mich frisch (Zedernholz), zum Earl Grey (bergamottig), zum Jim Tonic (wacholdrig). Laut Beschreibung auch zum modernen Helden als Metapher für ein Fabeltier aus Mann und Pferd. Das wiehernde Resümee: riecht un- aufdringlich gut.  Axel N. Halbhuber

"Scandal" von Jean Paul Gaultier: Süchtig machen soll sie, frohlocken die Schöpfer dieser Duft-Kreation.  Und „Holzig-orientalisch“  riechen. Sagen wir so:  So aufdringlich, wie die Verpackung daherkommt, ist „Scandal“ nicht.  Aber auch nicht das, was ich an Männerdüften mag, nämlich herb und frisch. „Scandal“ riecht ein bisserl kitschig. Süchtig werde ich  davon eher nicht. Aber wer sich einen Flakon mit goldenem Krönchen ins Bad stellt, mag das ja möglicherweise. Barbara Mader

"William Penhaligon" von Penhaligon's: Schon der erste Schnupperkurs führt einen in die Winkel der Paläste des einstigen britischen Weltreichs. Die Note, verwurzelt-zitronig-edelhölzern, ist erhebend und trügerisch: Nein, der Geist aus der Flasche macht einen nicht im Geweih-Umdrehen zum Gutsherrn mit Gestüt und vom Butler eingetragenen Tweed, aber man riecht so. „Portraits“ von Pen-haligon’s (125 Regent Street, Lon- don, seit 1870) ist nicht preiswert, aber den Preis wert.  Dieter Chmelar

"Phantom" von Paco Rabanne: Exklusiv, süß dieses Eau de Toilette  aus Paris. Sagen wir: für den Besuch einer Vorstellung von „Le Fantôme de l'Opéra“. Doch ich rate dringend zu Feingefühl: Wer zu viel sprüht, den bestraft das Phantom sofort. Zu viel vom Guten wirkt billig. Über das Flacon wäre dann noch zu reden: Ältere Semester mag es an R2-D2 erinnern, den netten Roboter aus „Star Wars“. Im Badezimmer könnte es jedoch einen Krieg mit der Liebsten eintragen. Uwe Mauch

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