Autonomes Lernen schadet Kindern, sagt Winterhoff

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Interview
10/02/2019

Michael Winterhoff: "Erwachsene auf der Stufe von Kleinkindern"

Der Psychologe schlägt wieder einmal Alarm: Weil Lehrer nicht mehr Lehrer sein können, verdummen die Schüler.

von Ute Brühl

Wenn der Psychologe Michael Winterhoff ein Buch schreibt, wird es zum Bestseller – auch weil er die Zukunft immer düster malt. Nachdem er befunden hat, dass „unsere Kinder zu Tyrannen werden“, wagt er jetzt eine weitere Prognose: „Deutschland (und auch Österreich) verdummt.“

Seine Thesen sind umstritten. In der Wochenzeitung Die Zeit wird seinen Lesern Horrorlust unterstellt – „Nichts lässt einen genussvoller gruseln, als die Gewissheit, dass die nächste Generation verloren ist.“ Andere wiederum glauben, dass er erklärt, warum so viele Kinder an der Schule scheitern. Diese Woche kommt der Psychologe nach Wien (Details unten).

KURIER: Man könnte Ihr neues Buch so lesen, dass früher alles besser war: Einst war mehr Beziehung zwischen Lehrer und Schüler und es gab klarere Anweisungen.

Michael Winterhoff: Genau so ist es. Das Bildungswesen ist in Deutschland wie Österreich vor 20 Jahren völlig umgekrempelt worden. Da waren ausgehend von der OECD Ideologen am Werk, die gefordert haben, dass Kinder autonom lernen sollen – also völlig auf sich gestellt. Der Lehrer ist nur Lernbegleiter, was für die Persönlichkeitsentwicklung problematisch ist.

Was ist daran so falsch?