Große Pause im Südburgenland: Noch schöner als die neue Wasserpumpe vor der Volksschule war nur die wilde Gstetten vor der Fertigstellung des Allhauer Spielplatzes

© /Pressefoto Weber

Schul-Serie
09/10/2014

Markt Allhau: Lustvoll lernen ist hier ein Kinderspiel

Schüler, die sich selbst beurteilen, und andere Aha-Erlebnisse in einer burgenländischen Volksschule.

von Martin Burger

Eine besorgte Achtjährige stürmt vom Naturspielplatz auf Christina Frotschnig zu: "Die Pause ist aus", erinnert das Mädchen ihre Direktorin. So mancher leidgeprüfte Pädagoge aus der großen Stadt würde sich die Augen reiben, könnte er die motivierten Schüler von Markt Allhau über längere Zeit beobachten. "Ich sehe, dass der Nils fleißig ist, ich sehe den Samuel brav arbeiten", lobt Volksschullehrerin Claudia Marth, während sie von Kind zu Kind geht und die Rechtschreibung überprüft. Marth muss sich nicht heiser schreien wie mancher Großstadt-Kollegen, die Kinder zeigen artig auf. Gelobtes Südburgenland? "Offenbar machen wir den Kindern das Lernen schmackhaft", sagt Frotschnig. Und offenbar fördern Fußball spielen, Wasser pumpen und Dämme bauen in den Pausen die Konzentration.

Aber Bewegung und Spiel in der Pause reichen heute auch am flachen Land nicht mehr aus, um als innovativ zu gelten. Immerhin bewirbt sich Allhau um den Österreichischen Schulpreis. Es ist nicht ein einzelnes Vorzeigeprojekt, sondern ein Bündel pädagogischer Maßnahmen, die dazu führen, "dass selbst ich als Lehrerin hier gern noch einmal in die Schule gehen würde" (Frotschnig). Einige Beispiele, warum es in Allhau klappt:

Naturverbunden: Landkinder umarmen Bäume und spüren die Natur. Paradox? Nur auf den ersten Blick. Auch im Südburgenland "unternehmen Eltern mit ihren Kindern am Wochenende heute weniger draußen als früher". Daher gehen Waldpädagogen in der VS Markt Allhau ein und aus. Der Wasserlauf am Spielplatz vor der Schule zieht die Kinder in den Pausen an. "Noch spannender war der Platz für unsere Kinder, als er noch eine Gstetten war", sagt Frotschnig.

Vielfältig: Im Leitbild der Schule ist festgehalten, was sich Eltern und Lehrer von der Schule wünschen, "das ist deckungsgleich, alle wollen ein breites Angebot". Deshalb wurden in der kleinen Schule (53 Kinder) ein Chor, ein Fußballteam und ein Ungarischkurs organisiert.

Offen: "Ich rede wie ein Wasserfall", sagt Sam und plaudert drauflos, während er flüssig und schön zehn neue Wörter schreibt. Als er fertig ist, geht er ohne Aufforderung zu den Rechenaufgaben über. Nicht jeder ist so pflegeleicht, auch in Allhau gibt es schwächere und begabtere Kinder, die ganze Palette halt. Frotschnig: "Unsere Lehrerinnen müssen wissen, ob der oder die auffällig ist, weil er den Stoff nicht versteht oder weil ihm fad ist. Und sobald sie das wissen, bekommt das Kind mehr Unterstützung oder etwas Fordernderes."

Ehrlich: Statt Noten zu bekommen, präsentieren sich die Volksschüler selbst. "Die meisten schätzen sich sehr gut ein", sagt die Direktorin. Die unweigerlich auftretende Diskrepanz zur Beurteilung der Klassenlehrerin sei meist ein "Aha-Erlebnis". Schulnoten lehnt Frotschnig ab, denn "alles, was kein Einser ist, ist der Erfahrung nach demotivierend. Und wenn man den Kindern schon am Anfang ihrer Schullaufbahn die Motivation am Lernen nimmt, ist alles verloren."

Was wünscht sich die Pädagogin von der Grundschulreform? Eine zweite Volksschullehrin für jede Klasse und die Übernahme der alternativen Leistungsbeurteilung ins Regelschulwesen, auch in der 4. Klasse, wo zusätzlich eine Note vergeben werden müsse. Die pädagogische Uhr zurückdrehen will in Allhau niemand, auch die Schüler nicht: "Das ist vorbei, vorbeier, am vorbeisten", meint ein Bub.kurier.at/familie

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