Kiku
12.10.2017

Fuchs vs. Bauern und ihre Tierfabriken

„Der fantastische Mr. Fox“ von Roald Dahl eröffnet die Saison im Wiener Renaissancetheater (Theater der Jugend) - mit einer Vielzahl an Themen - vom Heldentum bis zu Kinderrechten.

„Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ – ein altes, bekanntes Kinderlied, in dem bejubelt wird, dass der Jäger den Fuchs mit dem Schießgewehr erlegt. Gans gestohlen gegen Leben – ein unverhältnismäßiger „Tausch“. Gut, auch die Gans hat ihr Leben lassen müssen. Aber wir Menschen – oder zumindest sehr viele – essen auch Fleisch, töten Tiere dafür und werden selbst nicht dafür getötet!

Abendessen besorgen - aber in Heldenposen

Das ist eines der Themen in „Der fantastische Mr. Fox“. Mit diesem Stück nach dem Buch des walisischen Schriftstellers mit norwegischen Eltern, dessen Geschichten oft ein bissiger Humor auszeichnen, eröffnet das Theater der Jugend in Wien in seinem großen Haus ( Renaissancetheater) die aktuelle Saison. Mr. Fox, seine Familie und dazu noch Dachs, Maulwurf, Wiesel und die Hasen auf der einen Seite. Drei grimmige Bauern auf der anderen Seite. Die beklagen, was der Fuchs ihnen schon alles an Hühnern und Gänsen gestohlen hat. Der Fuchs besorgt aber nicht nur das Abendessen für Frau und die beiden Töchter Lottie und Ellie, er gebärdet sich stets als ein Held mit Kultstatus. Dazu verhilft ihm der Dachs, Herausgeber der Zeitung „Der Bau“ mit Fotoreportagen – nicht selten auch mit inszenierten Fotos – als Gegenleistung für versprochene Hühner.
Die Bauern rufen gar einen „Krieg“ aus – mit Scharfschützen, einer ganzen Armee und Giftgas, mit dem sie den Bau der Tiere ausräuchern wollen. Die anderen Tiere finden, der Fuchs hätte es gar zu bunt getrieben... – Teile und herrsche – ein altes Herrschaftsmuster scheint sich abzuzeichnen. So „nebenbei“ stellt sich heraus, dass Mr. Fox einst die viel mutigere Jägerin war und eine der beiden Töchter, Lottie, pfeift auf ihren Namen: „Ich bin Wonderfox! Kämpferin für die Gerechtigkeit!“ Sie reißt in der Folge in einer kurzen Diskussion mit ihrer Schwester Ellie auch die Frage an, ob Kinder eigene Rechte haben, oder immer ihren Eltern gehorchen müssten.

Krank

Beim Versuch, sich einen anderen Ausgang zu graben landet Mr. Fox im Zentrum der Tierfabrik, in der Hühner und Gänse in kleinen Käfigen gehalten, automatisch getötet, gerupft und in Plastikfolie verpackt werden. „Das ist ja krank“, meinen die jungen Füchsinnen und beginnen sogar Geschmack an Karotten und anderem Gemüse zu finden.

Bei den engen Käfigen des Federviehs wird ein weiteres Thema aufgemacht – und zusätzlich noch die Relativierung des Heldentums – Hühner oder Gänse aus Käfigen zu reißen, naja... UND zusätzlich wird angespielt: Nur so viel zu nehmen, wie gerade zum Essen gebraucht wird oder doch mehr?!

Während der fantastische Mr. Fox mehrere Seiten hat, bleiben die Bauern stellvertretend für alle Menschen allerdings ein wenig eindimensional, blutrünstig und einfältig.

Mit sehr viel Witz, Schwung und immer wieder Humor vergehen die zwei Stunden (eine Pause) auf der mit gar nicht allzu vollgeräumten, aber beispielsweise effektvoll mitzerknitterten Packpapierwänden und viel „Laub“ ausgestatteten Bühne bei einer soliden Ensembleleistung wie im Flug.

Was? Wer? Wann? Wo?

Der fantastische Mr. Fox
von Roald Dahl
in einer Fassung von David Wood
Deutsch von Clemens Pötsch
ca. 2 Stunden; ab 6 J.

Regie: Stefan Behrendt
Besetzung
Mr. Fox Jakob Elsenwenger
Mrs. Fox Aline-Sarah Kunisch
Lottie Fox Claudia Waldherr
Ellie Fox Soffi Schweighofer
Herr Dachs Frank Engelhardt
Timotheus Dachs III Markus Feustel
Boggis / Hase Rafael Schuchter
Bunce / Ratte Pascal Groß
Bean / Wiesel Lukas Gabriel
Mabel/ Frau Maulwurf Felicitas Franz
Hühner / Gänse /
Apfelwein Ensemble

Dramaturgie Clemens Pötsch
Ausstattung und Licht Christian Blechschmidt
Bewegungscoach Michael Moritz
Assistenz/Inspizienz Felix Metzner
Hospitanz Simone Tomas

Aufführungsrechte: Rowohlt Theaterverlag, Reinbek bei Hamburg
www.roalddahl.com
www.davidwood.org.uk

Wann & wo?
Bis 19. November 2017
Renaissancetheater, 1070, Neubaugasse 36
Telefon: (01) 52110-0
www.tdj.at