© Heinz Wagner

Story Award
12/21/2014

Von sprechender Supermarkt-Kassa bis zur Wahl 2201

Story Award 2014: Jugendliche schrieben Texte, die besten durften ihre im Studio radiomäßig aufnehmen. KiKu-Interviews mit den Jung-Autorinnen und -Autoren.

von Heinz Wagner

Das Literaturhaus Wien war fast übergegangen, als zum zweiten Mal der Wiener Story Award verliehen wurde. In der Steiermark gibt es diese Auszeichnung für junge Autorinnen und Autoren aus Mittelschulen (10 bis 14 Jahre) schon seit 2011. Zwei Jahre später konnten auch Schüler in Wien und Salzburg ihre Geschichten einreichen. Jeweils die besten zehn Verfasser wurden eingeladen, ihre Texte im Studio aufzunehmen. Sie sind – samt einer kurzen Vorstellung der Autoren auf CD bzw. online zu hören.

Große Bandbreite

Die Geschichten des Wiener Preises reichen von einer Spezial-Supermarkt-Kassa, die nicht nur rechnen, sondern auch sprechen kann. Und sogar Gefühle für jene Mitarbeiter entwickelt, die auf ihr arbeiten. Eine andere dreht sich um den allerersten Flug der Welt, der geheim blieb, weil der Journalist, der Flieger und Flugzeug entdeckte, die Tatsache für sich behielt. Wunderbar ist jene Story über einen ausgegrenzten Burschen, der sich so nach mindestens einem Freund sehnt. Und einen ganz außergewöhnlichen – und das noch überraschend – findet. Ein anderer Text schildert so heftig und dramatisch Gewalt in einer Familie, dass die Jury sich Sorgen um die Autorin machte. Entwarnung: Sie ist nicht selber davon betroffen.

Spezialpreis

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern wird ihren Radiobeitrag erst gestalten. Für ihre Einsendung wurden gehör-beeinträchtigte Jugendliche des BIG (BundesInstitut für Gehörlosenbildung) mit einem Workshop beim Duo gecko-art belohnt. Am Ende des Workshops werden sie ihren Beitrag aufnehmen. Der dann auch über die Homepage zu hören sein wird.

Interviews mit den jungen Autorinnen und Autoren - Reihenfolge wie sie auf CD bzw. online zu hören sind - findest du in der Bilderstrecke!

Alle Geschichten – auch die aus der Steiermark und aus Salzburg - kannst du hier hören:

http://radioigel.at/

... mit allen Autoren

Auch in Salzburg wurden zehn Geschichten mit dem Story Award ausgezeichnet – sie sind auf der Website natürlich ebenfalls in voller Länge zu hören – samt Kurzvorstellungen der Autor_innen.

Eine überraschende Wendung nimmt am Schluss die dramaturgisch super aufgebaute und spannend erzählte Story „unheimliche Geräusche“ von Barbara Egger von der NMS Saalfelden.

„Der Verdacht“ von Dejvan Ljobić (NMS Golling) beginnt auch mit einem solchen, allerdings eher vagen, zaghaften, der sich am Ende jedoch zu arger Gewissheit verdichtet.

Ein Mädchen wird in Gita Vargas (ebenfalls NMS Golling) „Herrschaft des Eises“ zur
Retterin des ganzen Ortes vor dem ungeheuerlichen Eiswolf. So simpel und doch so wirksam ihre Idee.

„Nur“ angedeutet und deshalb umso wirksamer lässt Hannah Schneider (NMS Walserfeld) ihre sehr kurze, knappe, verdichtete Geschichte „und plötzlich herrschte Stille“ enden.

Lässt Hannah Wallinger (NMS Bad Vigaun) den reichen, aber kaltherzigen Bauern zunächst fast läutern, so nimmt „Der Vogel mit den goldenen Federn“ gegen Ende nochmals eine zunächst poetische und dann …. (sei nicht verraten) Wende.

Heiß und unerträglich ist’s seit geraumer Zeit. Lotte Winkler (NMS Mittersil) erfindet ein mysteriös auftauchendes, bleibendes und doch zauberhaftes Mädchen mit Haar, das der Geschichten den Titel gab - „kohlrabenschwarz“. Sie bringt die Erlösung – in einer Zeichnung.

Sie liebe sowohl in Märchen als auch in Fantasy-Geschichten Happy Ends lässt Maria Ebner (NMS Faistenau) ihre 14-jährige Hauptfigur zu Beginn der Geschichte „Vom Dunklen ins Licht“ sagen. Um dann ihre „eigene“ zu erzählen. Mädchen in einem Waisenhaus, eine von 100 Insaß_innen. Von ihren unbekannten Eltern blieb ihr nur ein Medaillon in dem sich Unmengen von Zahlen, aber keine Zeiger befinden. Doch das ermöglicht ihr Zeitreisen…

Martina Kanzler (NMS Hof bei Salzburg) lässt ihre Zuhörer_innen mit ihrer Hauptfigur in ein doch recht reales „Zauberland“ eintauchen.

Nicole Fröhlich (NMS Saalfelden) fesselt mit der deutlich längsten dramatischen, zwar erfundenen, aber durchaus möglichen Geschichte – „Ein langer Weg in die Freiheit“ - knapp mehr als elf Minuten, indem sie Berichte über Flüchtlinge aus Afrika, die unter schwierigsten Bedingungen auf kleinen Booten übers Mittelmeer nach Europa kommen (wollen) in einer Familie verdichtet.

Man könnte fast glauben, ihre Eltern seien zur Zeit der Dinosaurier aufgewachsen lässt Nina Garneier (NMS Kuchl) die Erzählerin in „Ein ganz normaler Sonntag“ sagen. Grund: Sie regen sich darüber auf, dass sie „ohne dieses doofe Ding nicht einmal beim Frühstück auskomme“. Gemeint ist natürlich das Smart-Phone, das für das Mädchen aber „mega-wichtig“ wäre. Also geht sie verärgert in ihr Zimmer, um nach einer App zu suchen, die unsichtbar mache…

Kurz zusammengefasst die zehn steirischen Sieger_innen und ihre Storys.

Johanna Royer (NMS Deutschlandsberg) schreibt gern. Oft mit Stift auf Block in der Natur. In die „Sucherin“ versetzt sie uns in die Lage einer (jungen?) Frau, die sich nur im Dunklen bewegt. Die zwar Licht brauchte, aber… nein, es sei nicht verraten, weshalb sie sich doch bevorzugt im Dunklen aufhielt.

Wenn ihr fad sei, dann schreibe sie manchmal Geschichten am Handy und lade sie später am Computer rauf, stellt sich Lea Stritzl (NMS Langenwang) kurz vor. Die mit einem der Story-Awards ausgezeichnete Geschichte dreht sich um eine seltene Gattung von Menschen „Die Träumer“.

Angela Doerksen-Tkatsch (NMS Frohnleiten) greift einen aktuellen weltpolitischen Brandherd auf und lässt „ich bin im Bürgerkrieg“ in der Ukraine spielen.

Hannes Prügger (NMS Semriach) lebt zwar auf einem Bauernhof mit 30 Kühnen, weist aber vor Beginn seiner Geschichte „Valentin und die Kuh“ darauf hin, dass diese frei erfunden ist. Ein Ritt auf einer Kuh rettet letztlich einer Hauptfigur das Leben.

Ein brennendes Thema greift Saidat Talkanova (NMS Graz St. Leonhard) in „Kopfschuss“ auf. Mobbing und Schul-Amoklauf. Das besondere an seinem Zugang: Er lässt die perspektiven wechseln, schildert aus Sicht von Mobbern, Opfern und anderen Beteiligten.

Raphaela Buchegger (NMS Friedberg) liebt Gruselgeschichten. Meist schreibt sie zu Hause, manchmal auch im Unterricht, wenn ihr langweilig sei. Ihr Beitrag dreht sich um einen Gefängnis-Ausbrecher, zwei Kinder, die fürchten, dass er bei ihnen zu Hause auftaucht, weil sie auf einmal einen dritten schatten sehen und – lässt das Ende spannungsgeladen offen.

Obwohl sie anfangs angibt, dass sie gar nicht so gerne schreibe, ist Jennifer Martinelli (NMS Semriach) mit „Liebesalarm im Kühlschrank“ eine voll witzige Geschichte gelungen, in der es zwischen dem erzählenden Gouda-Käse und Anneliese, der Wurst funkt, alle aufgrund eines Stromausfalls „ins Schwitzen“ geraten und …

Laura Schögler (NMS Fehring) hatte ihre Geschichte ursprünglich für ein Ägyptenprojekt in der Schule verfasst. Darum spielt ihre Geschichte auch zwischen Pyramiden, Kleopatra und Cäsar…

„Schlacht der Stille“ nannte Julia Wurm (NMS Birkfeld) ihre Story, die sie zwischen Gegensätzen spielen lässt – gut und böse, Leben und Tod und eben Stille und Lärm.

Sophia Danklmaier (NMS Schladming) baut packt praktisch eine ganze Lebensgeschichte in „ich will der Sonne folgen“. Und immer dreht sich alles um die Liebe, gehen oder bleiben.

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